Genauso wie bei der Süwag Energie AG ist der Gewinn auch beim zweiten Frankfurter Energieversorger, der Mainova, im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Einen Tag nach der Süwag legte am Dienstag die Mainova AG Zahlen für 2011 vor, wonach das Ergebnis vor Steuern mit 104,4 Millionen Euro um 28 Prozent niedriger ausfiel als 2010. Seinerzeit allerdings hatte der Konzern auch außerordentlich gute Zahlen vorgelegt; das Ergebnis von 2011 lag immer noch höher als in den Jahren von 2007 bis 2009.
Der Mainova hat im vergangenen Jahr vieles zu schaffen gemacht: das milde Winterwetter, das den Absatz von Erdgas drosselte, der harte Wettbewerb um Stromkunden, der die Margen schrumpfen lässt - aber auch die Energiewende. Zwar versucht der Konzern, von der Neuausrichtung der deutschen Energiepolitik zu profitieren, indem er stark in erneuerbare Energien investiert. Doch mit den älteren Kraftwerken, die mit Kohle oder Erdgas befeuert werden, hat die Mainova kein Geld verdient. Im Gegenteil: Nachdem die Strom- und Wärmeerzeugung 2010 zumindest noch 4,5 Millionen Euro zum Konzernergebnis beigetragen hatte, rutschte dieses Segment im vergangenen Jahr in die roten Zahlen, der Verlust betrug 18 Millionen Euro.
Trotzdem richtig
Der Vorstandsvorsitzende der Mainova, Constantin Alsheimer, erläuterte während der Bilanzpressekonferenz, durch den Ausbau der erneuerbaren Energien werde Strom aus den älteren Kraftwerken immer weniger benötigt. Zudem seien die Preise, zu denen die Mainova den selbsterzeugten Strom verkauft habe, übers Jahr gesehen in etwa konstant geblieben, während umgekehrt die Beschaffungskosten für Kohle und Gas gestiegen seien.
Alsheimer hob hervor, die Strategie des Konzerns, die Eigenerzeugung weiter auszubauen, sei trotz dieser Erfahrungen richtig. Es werde nahezu ausschließlich in regenerative Energien investiert, bei denen es angesichts der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz kein Marktrisiko gebe, sondern lediglich ein technisches Risiko. Die einzige Investition in ein mit fossilen Energieträgern betriebenes Kraftwerk, die Beteiligung an einem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Bremen, sei ökonomisch dadurch abgesichert, dass es einen Stromliefervertrag mit der Deutschen Bahn gebe. Die Anlage in Bremen soll im nächsten Jahr in Betrieb genommen werden.
Gut verdient mit Erdgas
Generell ist das Stromgeschäft für die Mainova weitaus schwieriger als das mit Erdgas. Alsheimer rechnete vor, dass die Privathaushalte in Frankfurt gegenwärtig zwischen den Angeboten von 116 Versorgungsunternehmen wählen könnten. Andererseits wirbt die Mainova selbst auch anderswo um Kunden. Sie hält sich deshalb zugute, in diesem Konkurrenzkampf vorne dabei zu sein.
Weitaus mehr allerdings verdient die Mainova mit Erdgas, wobei der Wettbewerb nicht so hart ist. Allerdings handelt es sich um ein von Jahr zu Jahr kleiner werdendes Geschäftsfeld. Hatte die Mainova 2007 noch umgerechnet 19 Milliarden Kilowattstunden abgesetzt, so waren es 2011 lediglich noch zwölf Milliarden. Alsheimer verwies auf die zunehmende Dämmung von Wohnhäusern. Umgekehrt wächst zwar der Absatz von Fern- und Nahwärme, etwa durch den Zwang, die Neubauten auf dem Frankfurter Riedberg auf diese Weise zu beheizen, doch ist dieses Segment ungleich kleiner. 2011 verdiente die Mainova auch damit kein Geld, was allerdings an einer Rückstellung für rechtliche Risiken lag.
Umsatzerlöse stiegen um 6,9 Prozent
Auch die Wasserpreise sind immer noch mit einem Risikofaktor behaftet, weil es nach wie vor keine Einigung mit dem hessischen Wirtschaftsministerium über eine von diesem verlangte Preissenkung gibt. Seit Monaten heißt es, ein Vergleich stehe unmittelbar bevor; während der Bilanzpressekonferenz spielte dies keine Rolle. Getragen wird das Jahresergebnis 2011 zu einem wesentlichen Teil durch die Beteiligungen, unter denen jene an der Thüga herausragt, die ihrerseits wiederum an der Mainova beteiligt ist. Als ertragreich gilt allerdings auch die Beteiligung an der Gas-Union, die das aus der Ferne kommende Erdgas in Hessen an einzelne Versorger weiterleitet. So ist die Abhängigkeit des Konzerns vom Erdgas noch größer, als es die reine Segmentberichterstattung ausweist.
Alles in allem stiegen die Umsatzerlöse der Mainova 2011 um 6,9 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro an. Der Rückgang des Ergebnisses vor wie auch nach Steuern führt dazu, dass der Konzern für 2011 weniger Geld an die Stadt abführt als 2010. Alsheimer zufolge handelt es sich um 57,7 Millionen Euro nach 87,8 Millionen zuvor. Die Beträge dienen dazu, das Defizit der Verkehrsbetriebe wie auch der Hallen- und Freibäder zu decken. Der Konzernchef wies gestern darauf hin, dass die Stadt außerdem noch Konzessionsabgaben in Höhe von 47,1 Millionen Euro erhalte.
Windräder schon in Mittelhessen
Neu ausgerichtet hat der Vorstand sein Investitionsprogramm. Vor geraumer Zeit war mitgeteilt worden, die Mainova werde bis 2015 rund 500 Millionen Euro in die Energieerzeugung investieren. Dabei bleibt es, doch hat die Mainova die für Biomasse bereitstehende Summe radikal zusammengestrichen, von 100 auf 15 Millionen Euro. Alsheimer sagte, in der Region gebe es schlicht zu wenig Holz, das in solchen Anlagen verfeuert werden könne.
Umgekehrt sollen 355 statt 250 Millionen Euro in den Bau von Windrädern fließen. In diesem Segment ist die Mainova bereits in Mittelhessen tätig. Der Vorstandsvorsitzende führte aus, es werde auf jeden Fall nur in Anlagen auf dem Land investiert. Offshore-Windparks, also solche im Meer, seien zu riskante Investments. Angesichts der Schwierigkeiten mit der Energieerzeugung aus Erdgas wurde auch der dafür bereitstehende Betrag gekürzt, von 130 auf 100 Millionen. In Photovoltaik und Geothermie sollen nun 30 statt 20 Millionen fließen.
100 Beschäftigte mehr
Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand ein ähnliches geschäftliches Ergebnis wie 2011. Vertriebsvorstand Marie-Luise Wolff erläuterte, an die Erhöhung von Strom- und Erdgaspreisen sei grundsätzlich nicht gedacht. Einschränkend fügte sie hinzu, dies gelte nicht, sofern der Ölpreis weiter steigen werde oder sich die Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien weiter erhöhten.
Die Zahl der Beschäftigten ist im vergangenen Jahr um etwa 100 auf 2970 gestiegen, vor allem durch Neueinstellung von Fachleuten für den Handel mit Strom und Erdgas sowie von Ingenieuren. Die Mainova sieht sich bei der Suche nach Händlern längst im Wettbewerb mit den Banken in Frankfurt.