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Maingau-Klinik Ein Krankenhaus, das den Pflegenden gehört

Die Maingau-Klinik am Scheffeleck ist vor 100 Jahren von Rotkreuzschwestern gegründet worden. Die haben sich seither immer wieder neuen Bedingungen angepasst.

© Wresch, Jonas Vergrößern Bereits 100 Jahre zählt ein Frankfurter Wahrzeichen: der Eingang der Maingau-Klinik.

Es ist vor allem die für damalige Verhältnisse moderne Entbindungsstation gewesen, die das Krankenhaus am Scheffeleck bekannt gemacht hat. Am 17. November 1912 wurde die Klinik von Rotkreuzschwestern als „Kaiserin Auguste Viktoria Haus des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz“ eröffnet, die Frankfurter nannten es allerdings schon bald nur noch kurz „das Vaterländische Krankenhaus“.

Die 1890 vom Vaterländischen Verein als Schwesternschaft Maingau gegründete Vorläuferin der Schwesternschaft Bad Homburg-Maingau, der das Krankenhaus heute noch gehört, hatte sich bis dahin um Waisenkinder und ledige Mütter gekümmert und eine Kinderkrippe an der Eschenheimer Anlage betrieben. Ihren langgehegten Wunsch, ein eigenes Krankenhaus zu eröffnen, konnten sich die Rotkreuzschwestern schließlich dank zahlreicher Spenden von Frankfurter Bürgern und einem Vermächtnis der Bankiersfamilie Georg und Franziska Speyer erfüllen. Die Personalausstattung von damals lässt bei den heutigen Pflegern Neid aufkommen: Um die Patienten in den 45 Betten des Hauses kümmerten sich vor hundert Jahren 56 Krankenschwestern. Heute hat das Belegkrankenhaus 138 Betten und 90 Pflegefachkräfte.

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Die Ausbildung ist „der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit“ des Krankenhauses

Die Ausbildung von Schwestern war von Anfang an zentrale Aufgabe des Verbands. Um den Nachwuchs zu sichern, wurde zusammen mit dem Krankenhaus auch eine Krankenpflegeschule eröffnet. Noch heute ist die „Ausbildung der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit“ des Krankenhauses, wie der kaufmännische Geschäftsführer Gunnar Sevecke sagt.

Während des Ersten Weltkriegs diente das Haus als Lazarett. In den zwanziger Jahren folgte dann der Ausbau: Der Ankauf weiterer Grundstücke an der Friedberger Landstraße ermöglichte die bauliche Erweiterung. Die Zahl der Betten stieg in großen Schritten bis auf 150. Wegen der modernen Ausstattung kamen viele Schwangere zur Entbindung in die Klinik. Zahlreiche Frankfurter erblickten dort das Licht der Welt, darunter auch Anne Frank, die 1929 in dem Krankenhaus geboren wurde.

Die Modernisierung erfolgte Anfang dieses Jahrhunderts

Von den Nationalsozialisten wurden alle selbständigen Rotkreuz-Organisationen aufgelöst, und das Krankenhaus erhielt 1937 den Namen „Krankenhaus Maingau vom Roten Kreuz“. Im Zweiten Weltkrieg mussten die meisten Rotkreuzschwestern aus Frankfurt dann in der Wehrmacht Sanitätsdienst leisten, und die Klinik selbst wurde bei Bombenangriffen beschädigt und in der Silvesternacht 1944/1945 fast vollständig zerstört. Noch vor Kriegsende begann der Wiederaufbau, und nach dem Krieg entschlossen sich die Schwestern dann zum Neubau. Zu dem Haus des bekannten Frankfurter Architekten Karl Ambrosius, der auch das Bürgerhospital, das Krankenhaus Sachsenhausen und das Philanthropin entworfen hatte, gesellte sich ein Neubau nach Plänen des Architekten Willy Orth.

Große Veränderungen brachte 1992 die Fusion mit dem Rotkreuzkrankenhaus am Zoo zum Verein der Frankfurter Rotkreuzkrankenhäuser. Das 1873 gegründete Haus gehört der zweiten Frankfurter Rotkreuzschwesternschaft von 1866. Unter der gemeinsamen Betriebsführung sind beide Häuser Anfang dieses Jahrhunderts modernisiert worden. Mit seinen Belegärzten kann das Krankenhaus nun ein breites medizinisches Spektrum abdecken. Darüber hinaus verfügt es inzwischen über eine Palliativstation und ist Prostatazentrum.

Noch immer sind etwa 90 Prozent der Pflegekräfte Rotkreuzschwestern

In diesem Jahr wurden die Leitungsstrukturen denen einer GmbH angepasst. Der ehrenamtliche Vorstand des Vereins wird von einer Dreiergeschäftsführung unterstützt, der außer dem Kaufmann Sevecke der Kardiologe Johannes Ruef als medizinischer Geschäftsführer und Oberin Karin Schoppet für die Schwesternschaft angehören. Für dieses Jahr rechnen die Rotkreuzkrankenhäuser nach Angaben von Sevecke mit einem „kleinen Minus“, das aus Rücklagen ausgeglichen werden kann.

Noch immer seien etwa 90 Prozent der Pflegekräfte Rotkreuzschwestern, berichtet Schoppet. Die Neununddreißigjährige ist - wie die meisten Schwestern - der Gemeinschaft während ihrer Ausbildung in den neunziger Jahren beigetreten. Dass sie sich nach der Geburt ihres Sohnes derzeit im Januar in Erziehungsurlaub befindet, demonstriert die weltliche Ausrichtung der Schwesternschaft, die im Übrigen keine Nachwuchssorgen hat. Schoppet führt das nicht nur auf die gute Gemeinschaft, sondern auch auf besondere Vergünstigungen für die Schwestern zurück, die nicht nur ein Mitspracherecht im Krankenhaus haben, sondern auch bei der Karriereplanung unterstützt werden und eine Altersversorgung erhalten.

Der kaufmännische Geschäftsführer lobt die Vorzüge des Mitspracherechts. Die Schwestern setzten sich für das Krankenhaus ein und hätten in der Vergangenheit auch unpopuläre Entscheidungen mitgetragen. Die Bereitschaft zur Veränderung sei eine Stärke des Krankenhauses. Wie sehr sich die Schwestern dem Haus verbunden fühlen, spürt man auch zum Hundertjährigen: Sie haben sich nicht nur rege am Fotowettbewerb des Hauses beteiligt, sondern auch das Jubiläumsmotto „100 Jahre an der Seite des Menschen“ ausgesucht.

Quelle: F.A.Z.

 
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