23.06.2009 · Im Stadion sieht man die Spieler aus der Distanz, nach dem Training kommen Fans ganz nah an die sportlichen Vorbilder heran: Beobachtungen beim Training von Eintracht Frankfurt.
„Der Jan Zimmermann ist der Netteste“, erklärt uns Uwe. „Der nimmt sich Zeit, und da ist schon mal ein Schuh oder Handschuh drin.“ Löwen und Drachen überziehen Uwes Arme und Nacken, viele Flaggen seine Stoffweste. Um den Kopf trägt er ein totenkopfübersätes Piratentuch, und die Piercings bewegen sich rhythmisch zur Musik von AC/DC im MP3-Player. Als Eintracht-Fan von Kindesbeinen an und regelmäßiger Trainingsbesucher weiß er viel über die Fußballmannschaft und ihre Spieler und gibt den ihn zunächst argwöhnisch beäugenden Schülern der 6ème des Lycée Français Victor Hugo bereitwillig und gern Auskunft.
Unter den Beobachtern des Morgentrainings auf dem Übungsplatz neben der Commerzbank-Arena sind außer „Ufo“ und den 26 Schülern auch eine Spielerfrau und Eintracht-Fans aus Büdingen, Bielefeld und Sprendlingen. Ein Torwarttrainer der SKG Sprendlingen ist dort in eigener Sache: Er möchte sich Übungen an- und abschauen.
Auf Autogrammjagd
Das Training ist bereits in vollem Gang: Dehnübungen, Kopfballtraining in Dreiergruppen auf der linken Seite, rechts Torschüsse auf die Keeper Nikolov und Zimmermann, der Pflaster an fast allen Fingern hat. Beim Trainingsspiel wird es lauter. „Gib ab!“ Christoph Spycher und Amanatidis geraten aneinander: „Du spielst falsch!“ „Halt's Maul!“
Jean und Jan skandieren lautstark die Namen ihrer Lieblingsspieler, Alexander Meyer und Patrick Ochs. Andere Fans am Spielfeldrand kommentieren Spielzüge, die Leistungen der Spieler und sind sich einig: Im Training sähen sie aus wie Spitzenfußballer, im Spiel sei es dann doch anders. Der letzte Pass komme nicht an, die letzte Konsequenz fehle. Das Auswärtsspiel gegen Hannover 96 am Samstag geht dann auch unentschieden aus.
Langsames Heraustraben und das Einsammeln der Bälle kündigen das Ende des Trainings an und bedeuten den Anfang der Autogrammjagd. „Wie willst du dich duschen?“, scherzt Bellaid, als er auf einem Arm unterschreibt. Fast nichts bleibt unbeschrieben: Ob Bücher, Hefte, WM-Album, Portemonnaies, T-Shirts, Trikots oder Schuhe, selbst auf der Stirn müssen die Spieler tätig werden - nicht immer wissen die Schüler später, wer denn nun eigentlich unterschrieben hat.
Die Unerschrockenen unter den jugendlichen Fans lassen nicht locker, umkurven die Steinbälle vor dem Stadion und bleiben einigen schnell davoneilenden Fußballern auf den Fersen, fangen drei Spieler vor ihren Autos ab. Zwei Jungen ergattern noch letzte Autogramme vor den Kabinen. Die Nummer 32 der Eintracht, der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler Faton Toski, hingegen unterschreibt unermüdlich und steht den Schülern nach dem Training in der Business-Lounge Rede und Antwort. „Der ist ja viel schöner als auf dem Bild“, entfährt es Sophie.
Der Deutschalbaner kam mit sieben Jahren durch seinen Bruder und Freunde zur Eintracht. In der Saison 2006/2007 durfte er unter Trainer Friedhelm Funkel zum ersten Mal Bundesligaluft schnuppern. Seitdem hat er drei Tore geschossen, eines davon gegen Wolfsburg. Auch ausgepfiffen sei er schon worden, aber „man träumt davon, ein gutes Ansehen zu haben“. Auf die schlechten Ergebnisse der Eintracht angesprochen, sieht Toski in seiner Fehleranalyse vor allem Schwächen in den Standards und schlechte Chancenauswertung trotz guten Spiels. Er hofft, dass sich das ändert, denn „wenn man verliert, ist man schlecht drauf“. Sein Ziel ist, Stammspieler bei der Eintracht zu werden. Er sagt, er könne es sich im Moment nicht vorstellen, für einen anderen Verein zu spielen.