Home
http://www.faz.net/-gzg-75jha
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Luxbooks-Verlag Wenn nichts mehr geht, muss alles anders werden

Mitten in der Krise vergrößert sich der Wiesbadener Verlag Luxbooks: Annette Kühn und Christian Lux haben eine neue Investorin. Und setzen weiter auf Lyrik.

© Röth, Frank Vergrößern Christian Lux und Annette Kühn führen den Luxbooks-Verlag in Wiesbaden

Als sie anfingen, bestand der Verlag aus einem Computer in ihrem Wiesbadener Wohnzimmer. Das ist heute noch immer so, selbst wenn Annette Kühn und Christian Lux inzwischen vom lauten Kaiser-Friedrich-Ring an den Luxemburgplatz gezogen sind, der so still ist, dass sie nachts die Fenster auflassen können. Neben der Adresse des Verlags hat sich aber auch Grundlegendes verändert. Fünf Jahre nach dem Erscheinen ihres ersten Programms können Kühn und Lux erstmals unter Bedingungen produzieren, die es ihnen erlauben, sich dem Verlag mit ganzer Kraft zu widmen.

Florian  Balke Folgen:  

Als sie 2008 ihre ersten Titel vorlegten, erhielten sie von Buchhandel und Kritik viel Aufmerksamkeit und Zuspruch. In den Jahren danach mussten sie wiederholt feststellen, dass ihr unternehmerischer Mut und die Qualität ihrer Arbeit sie an Grenzen führten - „finanziell und gesundheitlich“, wie Lux sagt. Sie hatten nicht genug Geld und nicht genug Zeit. Also gab es verpasste Chancen. Bücher, deren Rechte sie gerne gekauft hätten, entgingen ihnen, einmal waren es drei Titel in vier Wochen. Da beide sich mit mehreren Nebenjobs für den Broterwerb herumplagten, dauerte zudem auch die Produktion schon erworbener oder angekündigter Titel zu lange. „Wir saßen vor dem Problem, diese tollen Titel machen zu können, ohne das umsetzen zu können.“

GmbH statt Personengesellschaft

Kühn und Lux wurde klar, das sie auf diese Art nicht weitermachen wollten. Aufgeben aber kam auch nicht in Frage. „Dafür waren wir zu weit gekommen.“ Also machten sie sich im vorigen Jahr auf die Suche nach einem Partner, der über mehr Geld verfügte als sie, aber eine ähnliche Sicht auf das Verlegen hatte. Was gar nicht passte, war ein Zusammengehen mit Aufbau, dessen neuer Verleger Matthias Koch Luxbooks vor rund einem Jahr kaufen wollte. Der Berliner Verlag war damals auf Einkaufstour, interessierte sich auch für Eichborn in Frankfurt und übernahm schließlich die dort erscheinende „Andere Bibliothek“. Es habe ein paar Gespräche gegeben, berichtet Kühn, in deren Verlauf sie sich allerdings sehr ausgehorcht vorgekommen sei. So habe sie schließlich abgelehnt. Zum Ende des Jahres fanden Kühn und Lux dann eine Investorin, die vorerst ungenannt bleiben will. Aus der auf Christian Lux eingetragenen Personengesellschaft wird noch im Laufe dieses Monats eine GmbH, jeder der zukünftig drei Gesellschafter hält dann ein Drittel der Anteile, Kühn und Lux werden Geschäftsführer.

Davon, dass der gemeinsam gefasste Plan aufgeht, sind Kühn und Lux überzeugt. „Wir haben immer auf das gehofft, was jetzt möglich ist.“ Luxbooks’ neuer Teilhaberin liege die Lyrik besonders am Herzen, sie habe das Programm von Anfang an verfolgt. Mehr noch: Sie hätte nie in einen Verlag investiert, der keine Lyrik herausbringe. Die Geldgeberin weiß also, worauf sie sich einlässt - auf das, was Lux das „Hochrisikounternehmen“ nennt, das ein Verlag heutzutage nun einmal sei, ein kleiner Verlag mit einer Vorliebe für Gedichtbände erst recht.

Kühn und Lux können sich jetzt ein Gehalt zahlen, ein ungewohnter Zustand: „Kosten für die eigene Leistung anzusetzen ist seltsam.“ Was sie für Miete, Essen und ihren sechs Jahre alten Sohn brauchen, haben sie sparsam kalkuliert. Wichtiger als das Einkommen ist ihnen, dass sie sich dem Büchermachen nun rund um die Uhr widmen können, nicht erst nachts. Nur eine Nebentätigkeit wollen sie nicht aufgeben: die Mitarbeit an Skripts für Dokumentarfilme, die eine Mainzer Firma für das ZDF und Arte produziert. Eine Dokumentation über einen Schweizer Arzt, der in Stockholm einer Patientin eine künstliche Luftröhre aus menschlichen Stammzellen eingesetzt hat, zeigt Arte diesen Monat.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hörbücher Brutaler Preiskampf

Hörbücher verkaufen sich so gut wie nie. Bestseller werden aber nur Titel wie Shades of Grey oder Zwetschgendatschikomplott. Warum stecken manche Verlage und Vorleser trotzdem so viel Herzblut in die Produktion? Mehr Von Morten Freidel

13.04.2015, 22:03 Uhr | Feuilleton
Frankfurter Anthologie Wie immer

Wie immer von Robert Walser, gelesen von Thomas Huber. Mehr

24.10.2014, 14:56 Uhr | Feuilleton
Frankfurter Anthologie Simon Armitage: Der Schrei

Was mit einem scheinbar belanglosen Kinderspiel beginnt, endet mit einem gewaltsamen Tod. Die erzählende Lyrik des Briten Simon Armitage bringt Zeit und Raum zum Schmelzen. Mehr Von Sandra Kerschbaumer

10.04.2015, 20:49 Uhr | Feuilleton
Frankfurter Anthologie Johannes Bobrowski: Immer zu benennen

Immer zu benennen von Johannes Bobrowski, gelesen von Thomas Huber. Mehr

12.01.2015, 09:28 Uhr | Feuilleton
Günter Grass’ letztes Buch Was der Dichter noch zu sagen hatte

Günter Grass hat bis kurz vor seinem Tod an seinem letzten Buch gearbeitet. Der Steidl Verlag bringt es bald heraus. Der Titel lautet: Von Endlichkeit. Mehr

13.04.2015, 20:08 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.01.2013, 00:12 Uhr

Der Gipfel der Erregung

Von Manfred Köhler

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir ist ein gewiefter Stratege. So hat er kürzlich einen hessischen Energiegipfel zur Sprache gebracht - ein gutes Ablenkungsmanöver, um eine Niederlage zu verbergen. Mehr 1