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Kommentar zu A380-Abzug : Hart, aber nicht unfair von der Lufthansa

Ab nach München: Die Lufthansa verlegt mehrere A380 von Frankfurt ins Bayerische Bild: dpa

Lufthansa zieht fünf A380 aus Frankfurt ab. Die Manager des Münchner Flughafens dürften nur zu gerne die Gelegenheit genutzt haben, um weiter zur Konkurrenz am Main aufzuschließen.

          Es ist Unsinn, anzunehmen, die Lufthansa verlagere fünf Airbusse vom Typ A380 von Frankfurt nach München, nur um den Flughafenbetreiber Fraport im Streit um Rabatte für Ryanair und andere ordentlich ans Schienbein zu treten. Es trifft zwar zu, dass sich in jüngerer Zeit beide Seiten öffentlich gestritten haben wie die Kesselflicker. Abgesehen von diesem Theaterdonner, weiß man aber auch bei Fraport, dass es am Ende nüchterne Überlegungen waren, die die Lufthansa so handeln lassen.

          Fraglos ist Frankfurt immer noch ein teurer Flughafen. Zudem ist anzunehmen, dass die Manager des Münchner Flughafens nur zu gerne die Gelegenheit genutzt haben, um weiter zur Konkurrenz am Main aufzuschließen. Die Münchner werden der Airline, mit der sie gerade eine Terminal-Erweiterung gebaut haben, auch im Fall der A380-Umsiedlung gut zugeredet haben.

          Keine Frage, für Frankfurt ist die Umstationierung der Flugzeuge ein Schlag. Und es zeugt nicht von viel regionaler Verbundenheit der Lufthansa, wenn sie Frankfurt, wo man sich intensiv darum bemüht, das Ziel der Lärmminderung mit Wachstumschancen für die Luftverkehrswirtschaft unter einen Hut zu bringen, nun fünf in der Lärmeffizienz schlechtere Flieger hinstellt.

          Nicht die Hälfte

          Aber auch die Lufthansa handelt nicht aus Spaß an Gehässigkeiten. Sie steht im Moment gut da, muss aber zusehen, dass sie ihre Kostenstruktur so nachbessert, dass sie dem wachsenden Druck der schlankeren Konkurrenz inklusive Ryanair standhalten kann. Und wenn sie es aus diesem Grund für richtig hält, fünf A380 zu verlegen, dann ist das nicht das Resultat eines Wutanfalls in der Vorstandsetage.

          Es ist auch nicht die Schuld der schwarz-grünen Landesregierung, wie es aus der hessischen SPD tönt. Die Sozialdemokraten irren nicht nur in der Annahme, dass die Hälfte der Maschinen abgezogen werde (es sind fünf von 14), sondern auch in der Mutmaßung, die Genehmigung der Entgeltordnung für den Frankfurter Flughafen durch das Verkehrsministerium, die auch die umstrittenen Rabatte einschließt, sei eine politische Entscheidung. Es ist Verwaltungshandeln, das allein geltendem Recht zu folgen hat. So, wie es eine unternehmerische Entscheidung der Lufthansa ist, fünf ihrer A380 zu verlagern, wenn sie glaubt, sie könne sie anderswo kostengünstiger betreiben. Auch wenn man dies aus Frankfurter Sicht bedauern mag.

          Jochen Remmert

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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