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Stickstoffdioxid-Belastung : Luft in Städten wird sauberer, aber nicht schnell genug

Spitzenreiter: An der Messstation Darmstädter Hügelstraße lag die Belastung zuletzt im Jahresdurchschnitt bei 52,3 Mikrogramm. Bild: Rainer Wohlfahrt

In der Luft hessischer Städte findet sich nach wie vor viel Stickstoffdioxid. An mehreren Stellen wurde 2017 der maximale Jahresmittelwert überschritten. Der Spitzenwert stammt aus Südhessen.

          Von einem unscheinbaren Kasten an der Friedberger Landstraße in Frankfurt hängt ab, ob Handwerker, Lieferanten und Anwohner demnächst ihre Dieselfahrzeuge verschrotten müssen. Die raumgroße Box ist vollgestellt mit Messinstrumenten und ermittelt kontinuierlich, wie viel Stickoxide, Ozon oder auch Feinstaub die Bewohner an der stark befahrenen Straße ertragen müssen.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung und bei dem Wirtschaftsmagazin Metropol.

          Nun hat das Landesumweltamt die ersten Werte dieser und 28 anderer Messstationen in Hessen für das Jahr 2017 veröffentlicht. Das Ergebnis: Die meisten Stationen registrierten abermals eine geringere Belastung mit Stickstoffdioxid als in den Vorjahren. An der Friedberger Landstraße zum Beispiel sank der Jahresmittelwert von 53 Mikrogramm je Kubikmeter im Jahr 2015 auf 47 im Jahr 2017.

          Höchste Belastung in Darmstadt

          Die Frankfurter Station gehört damit zu einer von nur noch sechs in ganz Hessen, an denen der Höchstwert für das Jahresmittel überschritten wurde. Er liegt bei 40Mikrogramm. Die höchste Belastung mit Stickstoffdioxid wurde an der Darmstädter Hügelstraße gemessen, höher als erlaubt waren die Werte auch in Wiesbaden an der Ringkirche und an der Schiersteiner Straße sowie in Limburg und Gießen.

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          Ein Rückgang der Belastung sei schon seit mehreren Jahren zu beobachten, sagt Stefan Jacobi, der Leiter des Dezernats für Luftreinhaltung im Landesumweltamt. Ein Grund dafür sei das Wetter im vergangenen Jahr gewesen: „Das Schmuddelwetter war zwar ungemütlich, aber aus lufthygienischer Sicht war es sehr günstig.“ Zudem würden immer mehr alte Fahrzeuge verschrottet und neue angeschafft, die weniger Schadstoffe ausstießen. Das mache sich auch in der Feinstaubbelastung bemerkbar. „Der Höchstwert für das Stundenmittel wurde 2017 an keiner einzigen Station in Hessen überschritten.“ Übrigens auch nicht am Neujahrsmorgen: Eine zu hohe Feinstaubbelastung sei am Neujahrsmorgen örtlich nur für einige Minuten zu verzeichnen gewesen, und sie sei schnell wieder gesunken.

          Entwarnung für Dieselauto-Besitzer kann er jedoch nicht geben. Der Rückgang der Stickoxide ist laut Jacobi zwar deutlich messbar, aber zu langsam, er betrage nur durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr. Bei dieser Geschwindigkeit würde es ein weiteres Jahrzehnt dauern, bis auch an der letzten Station der Grenzwert von 40Mikrogramm nicht mehr überschritten werde. Dabei gilt der Höchstwert bereits seit 2010 und basiert auf einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 1999, der die Mitgliedsstaaten und das EU–Parlament zugestimmt hatten.

          Wegen Untätigkeit verklagt

          Er basiert auf Studien der Weltgesundheitsorganisation, die Stickoxide als gesundheitsgefährlich einstuft, gerade für Bewohner an stark befahrenen Straßen. Dieselmotoren stoßen dabei deutlich größere Mengen des Gases aus als Benziner. Die Deutsche Umwelthilfe hat darum mehrere Bundesländer wegen Untätigkeit verklagt und fordert Dieselfahrverbote in mehreren Großstädten, damit der Grenzwert eingehalten werden kann. Über die Klage will das Bundesverwaltungsgericht Ende Februar entscheiden.

          Der Frankfurter Handwerkspräsident Bernd Ehinger hält Fahrverbote, Tempo-30-Zonen oder die sogenannte blaue Abgasplakette, die von Umweltverbänden vorgeschlagen wurde, allerdings für unpraktikabel. „Insbesondere der durch die Einführung der blauen Plakette notwendige Flottentausch wäre für die kleinen und mittleren Betriebe wirtschaftlich nicht stemmbar.“ Er wirbt stattdessen für ein neues Verkehrskonzept für Hessen sowie ein vernünftiges Baustellenmanagement.

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