Home
http://www.faz.net/-gzg-75ro2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

„Love Family Park“ Techno-Festival soll in Hanau bleiben

Die Stadt will den Landschaftsschutz für das Areal, auf dem der „Love Family Park“ einmal jährlich stattfindet, aufheben lassen. Das gefällt nicht jedem.

© Photo-Company Vergrößern Partylaune: Zum Techno-Festival im Naturschutzgebiet „Hessische Mainauen“ kommen jedes Jahr rund 20.000 Besucher.

Damit die Techno-Großveranstaltung „Love Family Park“ weiterhin in Hanau stattfinden kann, strebt der Magistrat die Herausnahme des Veranstaltungsgeländes aus dem Landschaftsschutzgebiet „Hessische Mainauen“ an. Nach einem Vorschlag des Magistrats sollen die Stadtverordneten am 28.Januar beschließen, beim Regierungspräsidium Darmstadt einen entsprechenden Antrag zu stellen.

Luise Glaser-Lotz Folgen:    

Nach Auskunft des Präsidiumssprechers würde mit diesem Beschluss ein aufwendiges Verfahren in Gang gesetzt, dessen Dauer unbestimmt sei. Es werde in jedem Fall mehrere Wochen oder Monate dauern; ob ein Ergebnis bis zum Veranstaltungstermin im Juli vorliege, sei ungewiss.

20.000 Besucher

Das Regierungspräsidium, das als „Verordnungsgeber“ über die Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten zu bestimmen habe, sei auch für ein Löschungsverfahren zuständig. Dabei müssten die Argumente der Stadt geprüft werden, warum das entsprechende Areal nicht mehr schutzwürdig sein solle. Die Stadt könne aber auch nachweisen, warum das öffentliche Interesse an einer Aufhebung größer sei als die Schutzwürdigkeit des Geländes. Es müssten Gespräche geführt werden mit der bei der Stadt Hanau angesiedelten Unteren Naturschutzbehörde sowie den Naturschutz- und Umweltverbänden. Darauf, dass die Schutzwürdigkeit der fünf Hektar großen Fläche nicht gegeben sei oder die Veranstaltung keine Schäden anrichte, kann sich die Verwaltung bei dem Antrag nicht berufen. Dagegen steht ein von ihr selbst in Auftrag gegebenes Gutachten. Es ergab, dass der „Love Family Park“ langfristig negative Veränderungen in Tier- und Pflanzenwelt verursache.

Der Stadt ist gleichwohl daran gelegen, das Techno-Musikfestival, das alljährlich von rund 20.000 Menschen besucht wird und als eines größten in Deutschland gilt, in Hanau zu halten. Laut Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) gibt es keine Alternative zu dem Veranstaltungsort auf den Großauheimer Mainwiesen. Nur dieser garantiere die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Außerdem sei er gut mit öffentlichen Verkehrmitteln erreichbar. 80Prozent der Besucher reisten mit Bus und Bahn an. Wegen der Lage im Landschaftsschutzgebiet müsse das Regierungspräsidium in jedem Jahr wieder seine Zustimmung geben. Die Genehmigung sei stets mit zahlreichen Auflagen zum Schutz von Flora und Fauna verbunden. Mit einer dauerhaften Erlaubnis rechnet Kaminsky mittlerweile nicht mehr. Dies schließt der Oberbürgermeister aus „eher kritischen Stimmen aus Wiesbaden“.

Kaminsky wolle die Wiese „endgültig zerstören“

Der einzige Weg, das Technofestival in Hanau zu halten und dem Veranstalter „Cosmopop“ Planungssicherheit zu geben, sei das Herauslösen der Fläche an der Hellentalbrücke aus dem Landschaftsschutzgebiet. Das Areal entspreche nur 0,2Prozent des Schutzgebiets „Hessische Mainauen“, das mit seiner Fläche von 2575 Hektar zu den 20 größten in Hessen gehöre. Es umfasse die Auen des Mains und angrenzende Bachtäler auf den Gebieten der Städte Wiesbaden, Frankfurt, Offenbach, Hanau und Rüsselsheim sowie der Landkreise Groß-Gerau, Main-Taunus, Main-Kinzig und Offenbach. Die betroffene Fläche solle auch in Zukunft ausschließlich einmal im Jahr für den „Love Family Park“ genutzt werden. An strengen Auflagen für den Veranstalter werde nicht gerüttelt.

Kaminsky wolle die Wiese „endgültig zerstören“, dies werfen ihm die beiden Mitglieder der Alternativen Fraktion (AF), Christina Martin und Sascha Feldes, vor. Seit der Abspaltung von der Grünen-Fraktion streiten Martin und Feldes vehement gegen den Standort. Kaminsky sei nicht willens, die Konsequenzen aus dem von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten zu ziehen. Darin sei klar zum Ausdruck gekommen, dass die Veranstaltung langfristig Schäden für Fauna und Flora der Mainwiesen bewirken könne. Der Oberbürgermeister greife zu einen „Verzweiflungsschlag“, um sich die Gunst der Jugendlichen sichern zu wollen.

Elf Flächen aus dem Landschaftsschutz herausgenommen

Endlich sei man auf dem richtigen Weg, freuen sich hingegen die Mitglieder der Initiative „Save the park 2013“. Man sei schon länger davon überzeugt, dass eine Herausnahme der „Heiligen Wiese“ aus dem Landschaftsschutz der einzig gangbare Weg zur Lösung aller Probleme sei, äußerte der Hanauer CDU-Stadtverordnete Bastian Zander als Mitglied der Initiative. Nur auf diese Weise könne den Vorurteilen gegenüber der Veranstaltung wirksam begegnet werden.

Ein solches Vorgehen sei kein außergewöhnliches Vorgehen. Allein aus dem im Jahr 1987 eingerichteten Landschaftsschutzgebiet „Hessische Mainauen“ habe das Regierungspräsidium elf Flächen aus dem Landschaftsschutz herausgenommen. Dabei sei es außer um Friedhofserweiterungen und die Ausweisung von Baugebieten unter anderem um die Erweiterung von Kleingartenanlagen, Sportanlagen oder Campingplätzen gegangen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Berliner Spreepark Feuer im Westerndorf

Berlins einst einziger ständiger Vergnügungspark stand in der Nacht auf Montag in Flammen. Alte Häuser und Kulissen für Filmaufnahmen brannten vollständig aus. Die Feuerwehr ist sich sicher: Es war Brandstiftung. Mehr

11.08.2014, 08:40 Uhr | Gesellschaft
Investor IFM untätig Streit ums Wiesbadener Kureck verschärft sich

Die Stadt erhöht den Druck auf den untätigen Investor IFM. Doch der will Auflagen der Wiesbadener Bauaufsicht für das leerstehende Hochhaus nicht erfüllen. Mehr

19.08.2014, 10:35 Uhr | Rhein-Main
Kommentar zum Wiesbadener Kureck Kurz vor der Wand

Stillstand beim Wiesbadener Kureck - und das über Jahre. Die Stadt hat nun den Druck auf den Investor IFM erhöht, der bisher eher durch seltsames Verhalten auffiel. Bleibt zu hoffen, dass der Streit nicht eskaliert. Mehr

19.08.2014, 18:22 Uhr | Rhein-Main

Nicht nachlassen

Von Rainer Schulze

Der Wohnungsmarkt in Frankfurt ist angespannt und wird es bleiben. Die Stadt darf jetzt nicht aufhören, neues Bauland auszuweisen. Investitionswille ist da. Mehr 1