Der für heute angekündigte Streik der Lokführer wird nach Angaben der Bahn viel größere Auswirkungen auf den Nahverkehr im Rhein-Main-Gebiet haben als der Ausstand eine Woche zuvor. Der Verkehr sei relativ gut angelaufen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am frühen Freitag morgen. „Bei den S-Bahnen fallen Züge aus, wir hoffen aber, dass die Bahnen in einem Ein-Stunden-Takt fahren können.“ Probleme gebe es auf der Strecke zwischen Frankfurt und Kassel, sowie der Verbindung zwischen Dieburg und Dreieich.
Die Zeit nach Bekanntwerden der Streikpläne habe nicht ausgereicht, um einen Notfahrplan aufzustellen, sagte der stellvertretende Sprecher der Bahn in Hessen, Bernd Honerkamp. Pendler und Reisende müssten deshalb den ganzen Tag lang damit rechnen, dass S-Bahnen und Regionalzüge ausfielen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte ihre Mitglieder zuvor zum Streik im Nahverkehr zwischen 2 Uhr morgens und 24 Uhr aufgerufen.
Die Verantwortlichen der Frankfurter Buchmesse, zu der heute abermals mehr als 50.000 Fachbesucher erwartet werden, ließen gestern an den Ausgängen des Messegeländes Flugblätter mit Hinweisen auf den Streik verteilen. Buchmesse-Sprecher Thomas Minkus empfahl mit dem Flugzeug anreisenden Besuchern, statt der S-Bahn die zwischen dem Flughafen und dem Messegelände verkehrenden Pendelbusse zu benutzen. Sie fahren zu den Hauptverkehrszeiten im Halbstundentakt.
Zusätzliche Wagen auf U-Bahn-Linien
Der Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt, Bernd Conrads, sagte, die U-Bahnen der Linien U 1, U 4 und U 7 würden während des Lokführerstreiks um zusätzliche Wagen verlängert. Dies habe sich in der vergangenen Woche bewährt. U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse seien aber nicht dazu geeignet, auswärtige Pendler nach Frankfurt zu bringen. Die Verkehrsgesellschaft habe keine Reserven, um zusätzliche Busse auf der Linie 61 zwischen dem Flughafen und dem Südbahnhof einzusetzen. Auch eine Verstärkung des Buchmesse-Pendelverkehrs zu den Parkplätzen am Rebstock und zum Flughafen bezeichnete Conrads als ausgeschlossen.
Wolfgang Schwalm, Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport, legte Flugreisenden nahe, mit IC- und ICE-Zügen zum Flughafen zu kommen. Für die Mitarbeiter der Fluggastkontrolle setzt Fraport nach Worten von Schwalm eigene Pendelbusse ein. Die hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung wird während des Lokführerstreiks nicht auf Arbeiten an den Autobahnen verzichten, wie ihr Sprecher Ralf Theers sagte. Bauvorhaben würden langfristig geplant und oft an Fremdunternehmen vergeben. Allenfalls weniger aufwändige Ausbesserungen durch die Straßenmeistereien könnten bei starkem Verkehr aufgeschoben werden, so Theers.