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Lohnkampf : Cinestar-Kinos halten Ersatzleute für den Streikfall vor

  • -Aktualisiert am

Bietet zum Beispiel den Besuchern des Kinos am Eschenheimer Tor Platz für rund 3500 Besucher: das Cinestar Metropolis. Bild: Wresch, Jonas

Für die Angestellten der Frankfurter Filmhäuser sind die neuerdings in den Häusern wartenden Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma nichts anderes als potentielle Streikbrecher. Hintergrund ist ein langwieriger Streit um höhere Löhne.

          Der Lohnkampf zwischen Kinobetreibern und Mitarbeitern der Cinestar-Kinos in Frankfurt hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Nach Angaben von Arbeitnehmern der Betriebe in der Mainzer Landstraße und am Eschenheimer Tor haben die Kinobetriebe mittlerweile - wie die Arbeitnehmer sagen - „Streikbrecher“ eingestellt. „Bei uns in den Büroräumen sitzen jeden Tag rund 20 Personen von der Leiharbeitsfirma Funke Security“, sagt Alexander Kröwer, ein Mitarbeiter des Cinestar in der Mainzer Landstraße. „Sie bekommen einen festen Stundenlohn dafür, dass sie darauf warten, dass wir streiken.“

          Funke Security gibt an, bei den als „Streikbrecher“ bezeichneten Leuten handle es sich nicht um Personal ihres Unternehmens. Funke-Mitarbeiter hätten lediglich eine „vermittelnde“ und „verwaltende Rolle übernommen“. „Seit kurzem stehen die Mitarbeiter der Leiharbeitsfirma fest bei den beiden Kinos unter Vertrag“, sagt ein Sprecher von Verdi Hessen. Sie kämen nur im Streikfall zum Einsatz.

          „Seitdem kommen die Streikbrecher jeden Tag, aber nicht etwa, um uns zu unterstützen“

          Die Angestellten des Kinos in der Mainzer Landstraße waren Ende Oktober, wie berichtet, das erste Mal für höhere Löhne auf die Straße gegangen. Die Tarifauseinandersetzungen zwischen dem Filmbetrieb am Eschenheimer Tor und seinen Mitarbeitern bestehen seit Anfang April. Verdi Hessen fordert im Metropolis einen Mindesteinstiegslohn von 8,60 Euro brutto für ungelernte Mitarbeiter. „In diese Lohnkategorie fallen rund 80 Prozent der Angestellten“, sagt ein Sprecher, „die meisten sind Studenten und Teilzeitkräfte.“ Ihr Stundenlohn betrage derzeit 7,42 Euro. „Unsere Forderungen bezüglich des Kinos in der Mainzer Landstraße belaufen sich auf 8,50 Euro.“ Cinestar ist nach eigenen Angaben zu einer Lohnerhöhung von rund 2,5 Prozent bereit. Bisher konnte laut Verdi in drei Verhandlungsrunden keine Einigung erzielt werden.

          Als die Beschäftigten des Metropolis Mitte Juni das letzte Mal streikten, sperrte sie der Kinobetreiber für den Rest des Arbeitstages aus. Der Filmbetrieb lief jedoch regulär weiter. Nach Angaben der Vollzeitbeschäftigten Helga Beller (Name geändert) sei dies nur mit Hilfe der Mitarbeiter der Firma Funke möglich gewesen. „Seitdem kommen die Streikbrecher jeden Tag, aber nicht etwa, um uns zu unterstützen“, sagt sie, „sondern nur, um im Falle eines Streiks aktiv zu werden.“

          „Wir müssen Vorkehrungen treffen, um den Weiterbetrieb unserer Kinos zu gewährleisten“

          Cinestar ist ein australischer Dachverband, der nach eigenen Angaben 69 Kinos als eigenständige Tochtergesellschaften führt. Laut Verdi ist Cinestar Metropolis die größte Kinokette in Deutschland. Allein das Kino am Eschenheimer Tor biete Platz für rund 3500 Besucher.

          „Das Cinestar Metropolis hat ein sehr hohes Besucheraufkommen. Wir müssen Vorkehrungen treffen, um den Weiterbetrieb unserer Kinos zu gewährleisten“, sagt Cinestar, „daher haben wir zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, die ausschließlich im Streikfall aktiv werden.“ Deren Stundenlöhne orientierten sich an dem Stundenlohn der Mitarbeiter, für deren Position sie eingestellt seien.

          Beller berichtet, sie sehe die neuen Mitarbeiter fast jeden Tag. Häufig lasse sie die Männer und Frauen mit ihrem Schlüssel in die Büroräume. Man unterhalte sich auch. „Obwohl der Betreiber den Streikbrechern verboten hat, mit uns zu reden, erzählen manche trotzdem, wer sie sind und wie viel Geld sie verdienen.“ Bis eine Einigung erzielt sei, müssten sie die „Streikbrecher“ wohl dulden, sagt Kröwer. Häufig treffe er die Leute vor der Tür, und sie fragten ihn nach Zigaretten. „Dann antworte ich, dass ich dafür kein Geld habe, weil Cinestar ihr Gehalt jetzt auch noch zahlen muss.“

          Quelle: F.A.Z.

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