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Lira Bajramaj und Verlobter Gemeinsam leiden, alleine kämpfen

Lira Bajramaj macht zusammen mit ihrem ebenfalls verletzten Verlobten Enis Alushi eine harte Zeit durch. Jetzt will sie unbedingt ins Nationalteam und zur EM nach Schweden.

© dapd Vergrößern Zurück zu alter Stärke: Nationalspielerin Lira Bajramaj arbeitet hart an sich und ihrem Comeback.

Ende September des vergangenen Jahres zieht sich der Kaiserslauterer Fußballprofi Enis Alushi beim Zweitligaspiel in Bochum einen Kreuzbandriss zu. Seine Verlobte Lira Bajramaj fährt ihn tags darauf zum Arzt, pflegt ihn. Zwei Tage später am 30. September ist Lira Bajramaj selbst mit ihrem FFC Frankfurt im Spitzenspiel der Frauen-Bundesliga bei Turbine Potsdam im Einsatz. Die Atmosphäre im Karl-Liebknecht-Stadion ist giftig. Die einstige Potsdamerin erzielt kurz vor Schlusspfiff den Siegtreffer für den FFC. In der Nachspielzeit wird sie hart gefoult - Kreuzbandriss im rechten Knie. Das Paar mit kosovarischen Wurzeln, dessen Beziehung während der Frauen-WM 2011 der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, zog zu ihren Eltern nach Mönchengladbach. Zwei Profisportler, die im Alltag plötzlich auf fremde Hilfe angewiesen sind. Innerhalb von vier Tagen wurde aus der Fußballer-Fernbeziehung eine Schicksalsgemeinschaft im Kampf um die Genesung.

Zurück in Neu-Isenburg nehmen beide die Reha auf, wohnen in ihrer Frankfurter Wohnung, verbringen 24 Stunden am Tag gemeinsam, anstatt wie geplant mit ihren Mannschaften den Zielen Aufstieg (Alushi) und Champions-League-Qualifikation (Bajramaj) nachzujagen. Die Nationalspielerin erlebt all die schweren Momente, die ein tägliches wie umfangreiches Reha-Programm mit sich bringt: „Was ist mit meinem Körper los? Das ist doch nicht mein Bein!“ Gedanken wie diese seien lange ihr Begleiter gewesen in jener Zeit, erzählt Bajramaj. „Niemand weiß, wie ich gekämpft und geschuftet habe für mein großes Ziel: den EM-Kader.“

Das Turnier nach der großen Enttäuschung

Die glamouröseste und mit ihrer Art, Fußball zu spielen, wohl spektakulärste deutsche Spielerin will es zum Turnier nach Schweden (10. bis 28. Juli) schaffen. Ohne in der Rückrunde eine Bundesligaminute für den FFC auf dem Platz gestanden zu haben. Mitte März stieg sie in Frankfurt wieder ins Training ein - mit der strikten Vorgabe, keine Zweikämpfe zu führen. „Das Schlimmste liegt hinter mir“, sagte sich die 25-Jährige, die im Alter von vier Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland übersiedelte und mittlerweile Integrationsbotschafterin des DFB ist. Bundestrainerin Silvia Neid nahm sie und Teamkollegin Simone Laudehr auf dem Frankfurter Übungsgrün in Augenschein. Denn auch Laudehr musste wegen eines Knorpelschadens im Knie in der Bundesliga-Rückrunde aussetzen und ackert ebenfalls für ein EM-Ticket. Lira Bajramaj brachte es immerhin noch auf 60 Minuten Spielpraxis bei einer Partie der zweiten FFC-Mannschaft. Doch sie weiß auch: Seit Beginn der EM-Vorbereitungslehrgänge ist ihre Schonzeit vorbei. „Wenn ich zur EM will, muss ich wieder alles können. Ich hoffe, dass das Knie hält.“ Es gebe Augenblicke, da fühle sie sich erst bei 80 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit, und dann gebe es Tage, an denen sie denke: „Wow, ich bin schon bei 95 Prozent.“

Die Bundestrainerin wird voraussichtlich vor dem letzten Lehrgang (24. Juni bis 3. Juli) bekanntgeben, wer ihre Auserwählten für die Schweden-Reisegruppe sind. Für das erste große Turnier nach der Enttäuschung bei der Heim-WM vor zwei Jahren. Sie weiß, dass eine fitte Lira Bajramaj mit ihren Tempodribblings auf dem Platz immer etwas bewegen kann - vielleicht auch als Einwechselspielerin. Am vergangenen Samstag kehrte sie zurück auf die Spitzensport-Bühne. Einwechselung in der 64. Minute beim Testspiel gegen Schottland in Essen. An diesem Mittwoch bringen sich die deutschen Frauen noch in Paderborn gegen Kanada weiter in Schwung.

Viel Arbeit für den neuen Trainer

Die Weltmeisterin von 2007 und Europameisterin von 2009 würde es hart treffen, wenn es nicht reichen sollte für sie. Es wäre die nächste Enttäuschung ihrer Karriere, in der es lange Zeit nur bergauf zu gehen schien. Übersteht sie die Reduzierung des 28-köpfigen vorläufigen EM-Aufgebots auf 23 Spielerinnen nicht, droht ihr ein wahrlich verlorenes Jahr ihrer Karriere. Zwischen ihrer Verletzung und der neuen Bundesligasaison im September liegen fast genau zwölf Monate. „Ich will endlich wieder spielen und vor allem um etwas spielen“, sagt sie.

Sie war bis 2011 das Glamourgirl des deutschen Frauenfußballs, drehte Werbespots mit Mesut Özil und lächelte von unzähligen Plakatwänden. Doch anstatt eine der prägenden Figuren der WM zu werden, wurde der Wirbelwind mit den schwarzen langen Haaren während des Turniers zur Kurzarbeiterin. Und auch in ihrer folgenden Zeit beim FFC wusste sie - abermals gebremst von Verletzungen - kaum konstant zu überzeugen. Nicht nur wegen der vielen verfehlten Titelziele des Klubs „habe ich mir meine Zeit in Frankfurt anders vorgestellt“, sagt Lira Bajramaj. In der abgelaufenen Saison mit insgesamt drei Trainern, habe „viel Unruhe in der Mannschaft geherrscht. Viele haben sich ungerecht behandelt gefühlt. Das darf nicht mehr passieren.“ Und auch das abermalige Verpassen der Champions League könne die Laune noch runterziehen, glaubt die 59-malige Nationalspielerin.

Viel Arbeit also für den neuen FFC-Trainer Colin Bell. Von dessen Verpflichtung haben die Spielerinnen per Rund-E-Mail erfahren. Die deutschen Nationalspielerinnen waren da gerade in der Sportschule Kaiserau versammelt. „Ich freue mich auf einen erfahrenen Trainer“, sagt Lira Bajramaj. Aber dennoch würde sie Bell am liebsten erst im August kennenlernen - nach dem Extra-Urlaub für die EM-Teilnehmerinnen. Dann dürfte ihr Verlobter auch wieder in Lautern am Ball sein.

Quelle: F.A.Z.

 
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