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Liebigschule, Frankfurt Klimawandel leicht gemacht

06.07.2009 ·  Die Klasse 6b der Liebigschule war auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage: Wie sieht die Welt 2020 aus? Dazu besuchte sie den Frankfurter Klimaforscher Joachim Curtius an der Goethe-Universität.

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Die Klasse 6b der Liebigschule hat das Institut für Umwelt und Atmosphäre an der Frankfurter Goethe-Universität besucht und den Klimaforscher Joachim Curtius über die Bedeutung von CO2-Ausstoß und die Ozonschicht befragt. Erst jetzt wissen die Schüler, wie stark die Erde durch den CO2-Ausstoß bedroht ist. Professor Curtius erklärte den Schülern mit einer Darstellung, was Klimawandel bedeutet.

Die Darstellung zeigte, dass sich seit dem Jahr 1960 der CO2-Ausstoß stark gesteigert hat. Doch das war nicht das Einzige, was der Wissenschaftler den Schülern erklärte und zeigte. Er meinte, dass die letzten Jahrzehnte die wärmsten auf der Erde waren und durch die Entwicklung der letzten 30 Jahre die mittlere Temperatur um 0,7-0,8 Grad stieg, im Gegensatz zu den Mittelwerten der Temperatur im Jahr 1960.

Mehr Hitzewellen, Krankheiten und Aussterben von Tier- und Pflanzenarten

Als die Schüler Professor Curtius fragten, ob er sagen könne, ob man die Wirtschaftskrise im Jahr 2020 schon bewältigt haben werde, sagte er: „Die wichtigsten Veränderungen können wir heute gar nicht voraussehen, aber einiges kann man auch gut vorhersagen: zum Beispiel die Bevölkerungsentwicklung, die Studentenzahlen und den Energiebedarf.“ Danach zeigte er den Schülern, dass die Folgen des Klimawandels mehr Hitzewellen, Dürre, Waldbrände, Stürme, Aussterben von vielen Tier- und Pflanzenarten, Zunahme von bestimmten Krankheiten (Malaria, Zecken), Veränderung der Landwirtschaft sowie Rückgänge der Erträge und Wasserknappheit in vielen Gebieten bedeutet.

Ein Schüler fragte: „Warum werden die Tier- und Pflanzenarten aussterben?“ Und Joachim Curtius antwortete: „Tiere und Pflanzen können sich nicht so schnell dem Klima anpassen.“ Er meinte, man könnte den Klimawandel mildern, indem man Solarstrom aus der Wüste bekommt. Ein solches Projekt kostet aber 400 Milliarden Euro. Trotzdem würde es 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Man kann aber auch Null-Energie-Häuser benutzen, Ein-Liter-Autos und Windenergie. Alles wäre aber sehr teuer.

Zuletzt hat er der Klasse 6b noch ein anderes Projekt gezeigt, in dem es darum ging, das CO2 im Boden zu lagern. Diesem Projekt standen einige Schüler doch sehr skeptisch gegenüber. Dank der aufschlussreichen Erklärungen von Professor Curtius wissen die Schüler nun endlich, was Klimawandel für uns und die Erde bedeutet. (Von Phil-A. Warnatsch, 6b, Liebigschule)

„Wie wird das Jahr 2020?“ (von Marlene Kettner, 6b, Liebigschule)

Wie das Jahr 2020 werde, fragten die Schüler der 6b der Liebigschule den Klimaforscher Joachim Curtius. Bevor der Umweltexperte einen Blick in die Zukunft wagt, gibt er zu bedenken, dass Prognosen immer schwierig seien, wenn sie die Zukunft beträfen. Gleichwohl hält er fest: „Es ist wichtig, Prognosen zu versuchen!“ Curtius ist seit zwei Jahren an der Goethe-Universität beschäftigt und gibt der Schulklasse Einblicke in seiner Arbeit. „Die Goethe-Universität hat zwei Forschungsstationen: das Taunus-Observatorium und die Forschungsstation Jungfrauenjoch. In diesen Stationen erstellen wir unter anderem Prognosen zum Jahr 2020.“ Allerdings sei oft nur eine Wahrscheinlichkeitsaussage möglich. Zukunftsaussagen ließen sich nicht exakt berechnen. Beispiel Kohlendioxid-Messung: Hier geht Curtius davon aus, dass die Kohlendioxidmenge in der Atmosphäre bis 2020 annähernd stabil bleiben werde.

Kohlendioxid entsteht bei der Verbrennung von Öl, Gas, Kohle und Holz. Besonders Holz ist ein guter Träger von Kohlendioxid und gibt bei der Verbrennung entsprechend viel in die Luft ab. Kohlendioxid ist aber gefährlich: Durch das Treibhausgas vergrößert sich das Ozonloch und dadurch die Gefahr von Hautkrebs. Heizt sich die Atmosphäre auf, schmelzen die Eisflächen an den Polen allmählich ab, so dass der Meeresspiegel steigt und es zu Überschwemmungen kommen kann. Curtius geht von einem Temperaturanstieg um 0,8 Grad bis zum Jahr 2020 aus. Wie Curtius sagt, würde es hundert Jahre dauern, das bislang von den modernen Zivilisationen produzierte Kohlendioxid abzubauen - aber nur, wenn die Menschheit von sofort an auf die Kohlendioxidproduktion verzichten würde.

Was kann man tun, um der Umwelt weniger zu schaden? Ein Beispiel ist die Nutzung regenerativer Energien, wie etwa Solarenergie, die in der der Sahara gewonnen werden könnte. Würde solch ein Projekt effektiv betrieben, könnte rund 15 Prozent des weltweiten Energiebedarfs gedeckt werden. Die Kosten schätzt Curtius auf 400 Milliarden Euro.

Eine neuartige Möglichkeit, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu bekommen sei, es in die Erde zu pumpen. Dieses Verfahren heißt auf Englisch „Carbon Capture and Storage“ (CCS), also Auffangen und Einlagern von Kohlendioxid.

Bei der anschließenden Laborführung wurden uns Geräte gezeigt, mit denen man zum Beispiel die Eiskeime bei der Wolkenbildung oder Aerosolpartikel, also Schmutzpartikel in der Luft, messen kann. Dabei schicken Forscher Ballons oder Flugzeuge in die Atmosphäre und „fangen“ Luft von dort ein. Anschließend wird untersucht, ob und wie viele Aerosolpartikel sich dort befinden. Die Daten verwerten die Frankfurter Forscher, um Ideen zu entwickeln, wie der drohende Klimawandel gestoppt oder verlangsamt werden kann.

Messungen in der Atmosphäre, am Boden und im Labor (von Naoki Fujiwara, 6b, Liebigschule)

Joachim Curtius lächelt. Dem Professor für Meteorologie macht die Sache anscheinend Spaß. Im Besprechungsraum des Instituts für Atmosphäre und Umwelt findet eine Diskussion statt, die es in dieser Art nicht so oft geben wird. Die Klasse 6b aus der Liebigschule ist vor Ort, um von Joachim Curtius etwas über Meteorologie und das Klima der Zukunft zu erfahren.

Curtius klärt die Kinder erst einmal darüber auf, was Meteorologie ist und welche Betätigungsfelder sie hat. In der Meteorologie gehe es hauptsächlich um Klima und die Atmosphäre. Dabei erwähnt er, dass die Leute, die im Fernsehen das Wetter verkünden, ebenfalls Meteorologen seien. Danach erläutert er, wo und wie die Messungen gemacht werden: erstens auf dem Boden, das heißt, in Stationen am kleinen Feldberg und am Jungfrauenjoch in der Schweiz, zweitens in der Atmosphäre, vor allem in Ballons und in Messflugzeugen und drittens im Labor. Nach diesem Einstieg kommt Curtius zum Hauptthema: „Wie stelle ich mir das Jahr 2020 vor?“ Curtius fängt die Besprechung mit dem Zitat an: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Das heißt, dass wir die vielleicht wichtigsten Veränderungen heute noch gar nicht voraussehen können. Wer hätte etwa die Ereignisse der Finanzkrise, des Mauerfalls, des 11. Septembers 2001 oder der Erfindung des Internets voraussehen können? „Trotzdem“, meint Curtius, „ist es wichtig, Prognosen zu versuchen. Allerdings sind oft nur Wahrscheinlichkeitsaussagen möglich.“

Zu den Themen Klima und Klimawandel stellte Curtius folgende Frage: „Beeinflusst der Mensch das Klima?“ Die einstimmige Antwort der Schüler lautet: „Ja!“ Curtius gibt ihnen Recht: „Durch Verbrennen von Kohl, Öl und Gas entsteht Kohlendioxid. Und die Menge and Kohlendioxid wird noch weiter zunehmen!“ Von den Schülern kommt prompt die Frage: „Wie sieht man das?“ Dazu zeigt Curtius den Kindern eine Grafik, aus der man deutlich erkennen kann, dass seit 1950 die Menge an Kohlendioxid in der Atmosphäre zugenommen hat.

Die Auswirkung von Kohlendoxid auf das Klima erklärte er folgendermaßen: „Kohlendoxid bleibt mindestens 100 Jahre in der Luft und entwickelt den sogenannten Treibhauseffekt. Und dieser führt dazu, dass die Erde sich erwärmt“. Weiter gibt er zu bedenken: „ Wenn wir diese Information auf das Jahr 2020 übertragen, kommen wir zu der Prognose, dass die mittlere Temperatur gegenüber 1960 bis 1990 um 0,8 Grad Celsius steigen wird.“ Die Folgen könnten schlimm sein: mehr Hitzwellen, Dürren, Waldbrände, Stürme, Malaria; Zecken würden sich vermehren, die Landwirtschaft würde weniger Erträge erwirtschaften und es würde in vielen Gebieten Wasserknappheit geben.

„Was kann man dagegen tun?“, fragen wir. Darauf sagt Curtius: „Man kann helfen, indem man Null-Energiehäuser und Einliterautos baut und Windenergie fördert. Aber ich will euch nicht länger aufhalten, ihr kommt jetzt in die Labore.“ In drei Laboren werden Messungen in der Atmosphäre mit Ballons durchgeführt und Messungen von Eiskeimen bei der Wolkenbildung und Aerosolpartikel, das heißt, alle Teilchen, die in der Luft schweben, vorgenommen. In der Atmosphäre werden beim Abstieg Luftmessungen durchgeführt, unter anderem um zu erfahren, wie viel Kohlendioxid in der Luft ist. Die Eiskeime in der Wolke werden gemessen, indem man Wasser plötzlich abkühlt, um eine künstliche Wolke zu bekommen und zu messen, wie viele Eiskeime darin sind. Beim Messen von Aerosolpartikeln werden alle Partikel in der Luft gezählt.

Klasse 6b Liebigschule, Frankfurt.

Quelle: F.A.Z.
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