06.07.2009 · Die Klasse 6d der Liebigschule, Frankfurt, hat das Institut für Stadtgeschichte besucht. In dem Archiv lagern 26 Regalkilometer Akten, Dokumente und private Unterlagen, die als Quellen genutzt werden können.
Das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, auch ISG abgekürzt (früher Stadtarchiv), ist eine Art Gedächtnis unserer Stadt. Wenn so ein Unglück wie in Köln bei uns im Frankfurter Stadtarchiv passierte, wäre die Vergangenheit mit insgesamt etwa 26 Regalkilometern von Akten und Dokumenten verschüttet. Allerdings wäre die älteste Urkunde von Karl dem Dicken aus dem Jahre 882 davon nicht betroffen, weil sie in einem Banktresor gelagert ist. Sie ist die älteste Urkunde im Besitz des ISG.
Die erste Erwähnung Frankfurts ist ein Dokument aus dem Jahr 794, das in einem bayerischen Archiv aufbewahrt wird. Das bekannteste Dokument hier ist die Goldene Bulle, eine Urkunde in Buchform mit einem vergoldeten Siegel von 1356. Doch obwohl das Archiv so kostbare Dinge enthält und regelrechte Schätze beherbergt, wurde bis heute nachweislich noch nichts gestohlen.
Zerstörung vieler Dokumente im Zweiten Weltkrieg
Die Klasse 6d besuchte nicht den Hauptsitz des ISG im Karmeliterkloster, sondern das Außenarchiv in der Borsigallee, weil Teile des Karmeliterklosters zurzeit saniert werden. Im Außenarchiv gibt es Büros und sieben Magazingeschosse, in denen Akten gelagert werden. Im Karmeliterkloster selbst befinden sich drei weitere unterirdische Magazine. Im Zweiten Weltkrieg wurden 6,5 von 10 Regalkilometern zerstört, mittlerweile hat sich das Archiv, aufgrund vieler Dokumente, auf etwa 26 Regalkilometer vergrößert. In den Magazinen werden einerseits Akten und Dokumente der Stadt Frankfurt gelagert. Andererseits sammelt das ISG auch private Unterlagen von Personen, Unternehmen und Vereinen. Die Schüler sehen ein Fotoalbum des Frankfurter Nachkriegsbürgermeisters Walter Kolb sowie Briefe, Noten und Musikinstrumente des Jazz-Musikers Albert Mangelsdorff, die dem ISG vermacht worden sind.
Bei einer Zerstörung des Archivs wären viele Informationen über die Vergangenheit Frankfurts verloren und somit eine wichtige Erinnerungs- und Forschungsmöglichkeit ausgelöscht. Denn auch wenn man heute viele Bücher und Kopien besitzt, sind die unbezahlbaren und einmaligen Dokumente nicht zu ersetzen.