Die erste Stellungnahme der Gutachter, die an der Frankfurter Universität die Lehrerausbildung untersuchen, hat unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Die Kommission hatte zahlreiche Defizite erwähnt (F.A.Z. vom 26.Juni), deren Grund vermutlich auch in einer fehlenden Gesamtverantwortung für die Lehrerbildung liege. Ein abschließendes Gutachten soll im Herbst auch Verbesserungsvorschläge einschließen. Initiiert hatte die Evaluation die Vizepräsidentin und Erziehungswissenschaftlerin Brita Rang. Studentenvertreter sprachen von einem "Erfolg" und lobten das Interesse der Gutachter an ihren Berichten.
Der Präsident der Universität, Rudolf Steinberg, sagte, viele der Schwierigkeiten seien in der mangelhaften wissenschaftlichen Ausbildung von Lehrern in Deutschland begründet. Dies habe die Kommission unter der Leitung des Zürcher Pädagogikprofessors Jürgen Oelkers auch deutlich gemacht. "Allerdings ist uns klar, daß die Ausbildung in Frankfurt erheblicher Verbesserungen und Veränderungen bedarf", sagte Steinberg. "Die Kritik ist nicht überraschend, aber jetzt haben wir es schwarz auf weiß." Gerade darum sei die Evaluation eingeleitet worden.
Schon seit eineinhalb Jahren werde gerade in den Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften bei Neubesetzungen die Lehrerausbildung berücksichtigt. Vakante Stellen seien sofort besetzt worden, von der Einsparung von 50 Stellen an der gesamten Universität seien die Fachbereiche ausgenommen. Zudem soll das im Aufbau befindliche Zentrum für Lehrerbildung nicht nur die Ausbildung koordinieren, sondern auch empirische Schulforschung betreiben. Aus einem Innovationsbudget von einer Million Euro seien dabei auch Stellen für Nachwuchs-Schulforscher geschaffen worden. Für das Jahr 2004/2005 seien zudem beim hessischen Wissenschaftsministerium Mittel für ein Forschungsprojekt beantragt worden. Ein Grund für die Schwierigkeiten in der Lehrerbildung liege in der Überfüllung der Hochschule. Deshalb sei "flächendeckend" für alle überlaufenen Fächer beim Ministerium ein Numerus clausus beantragt worden.
Der Dekan des Fachbereichs Psychologie und Sportwissenschaften, der designierte Vizepräsident Andreas Gold, sieht in der Etablierung des Zentrums für Lehrerbildung die letzte Chance, eine in der Wissenschaft verankerte Lehrerbildung an der Universität zu erhalten. Bislang sei die Lehrerbildung an der Universität "ortlos". Wie die meisten seiner Kollegen und die Studentenvertreter hält er von einem eigenen Fachbereich für die Lehrerausbildung oder gar einer Rückkehr zum Modell der Pädagogischen Hochschule nichts.
Studenten hatten in Gesprächen mit den Gutachtern unter anderem beklagt, keine Prüfer zu finden oder aus Seminaren hinausgewiesen zu werden. "Wir werden mit Fachbereichen, für die solche Vorkommnisse gemeldet wurden, sprechen", kündigte Steinberg an. Der Studiendekan des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften, Dieter Mans, machte die hohe Studentenzahl für viele Schwierigkeiten verantwortlich. Daß es in überfüllten Veranstaltungen gelegentlich zum "Rausschmiß" von Lehramtsstudenten komme, wollte er nicht ausschließen. Ihm sei aber nur ein einziger Fall bekannt. Der Studiendekan der Biologie, Jörg Soppa, sagte, solche Fälle dürften nicht vorkommen. Schwierigkeiten bei der Abstimmung von Lehrveranstaltungen ergäben sich jedoch auch aus den Fächerkombinationen der Lehramtsstudenten und seien damit "systemimmanent". (emm.)

