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Leben im Kloster : Der lange Weg zur Meisterschaft

Konzentriert: der Novize Hue Bao im Innenhof des Klosters „Buddhas Weg“ in Wald-Michelbach. Bild: Cunitz, Sebastian

Hue Bao lebt seit elf Jahren in einem Kloster in Frankfurt. Jetzt soll er zu buddhistischen Studien nach Indien gehen. Der Jugendliche gilt als Wiedergeburt eines bedeutenden Mönches.

          Hühner gackern in ihrem Gehege, im Garten wachsen Kräuter, der Speisesaal bietet einen weiten Blick über Wälder und Höhen. Mag es im Tal heiß sein, in dem in gut 500Metern Höhe gelegenen Kloster „Buddhas Weg“ im Wald-Michelbacher Ortsteil Siedelsbrunn sind die Temperaturen erträglich. Ein guter Ort, um Ruhe zu finden, für die Mönche und Nonnen genauso wie für deren Gäste, die dort meditieren, Seminare besuchen oder sich naturheilkundlich behandeln lassen können.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Hue Bao ist es mit der Ruhe bald vorbei. Im September geht der 14 Jahre alte Novize nach Indien, zum Studium an der traditionsreichen Klosteruniversität Sera Jey im Süden des Landes. Er wird mit mehr als 3000 Mönchen zusammenleben, die dort lernen. Kein Vergleich zu der beschaulichen buddhistischen Welt, in der sich der Jugendliche bislang bewegt: In dem 2009 gegründeten Kloster im Odenwald leben zehn Mönche und Nonnen, im Mutterhaus in Frankfurt, der Pagode Phat Hue an der Hanauer Landstraße, sind es zwölf.

          Große Pläne für die Zukunft

          Hue Bao macht keinen Hehl daraus, dass er Angst vor dem neuen Lebensabschnitt hat. „Ich habe keine Ahnung, was mich dort erwartet.“ Neugierig ist er aber auch. Diese Haltung wird er sich bewahren müssen, denn die spirituelle Ausbildung, die er vor sich hat, dauert 14 Jahre. Einschließlich einer weiteren, sich anschließenden Lehrzeit wird er 35Jahre alt sein, bis er all das beherrscht, was ein spiritueller Meister wissen muss.

          In Hue Bao werden hohe Erwartungen gesetzt. Zum Beispiel könnte er eines Tages das Kloster im Odenwald leiten, dem heute der Abt Thich Thien Son vorsteht. Der Sechsundvierzigjährige, der auch die Pagode in Frankfurt führt, sieht in Hue Bao nichts weniger als den künftigen „Halter“ der Lin-Chi-Linie, jener Zen-Tradition, der er selbst angehört.

          Die Eltern sieht er in den Ferien

          Ganz verstehen kann Hue Bao seine besondere Bedeutung selbst noch nicht. Doch er gilt nach dem Glauben seiner Gemeinschaft als die Wiedergeburt eines einst sehr bedeutenden Mönches. Dieser kannte die Eltern von Hue Bao, lange bevor er auf die Welt kam. Die Eltern stammen aus Vietnam. Mit der Geburt ihres Sohnes am 8.Juli 1999 waren bestimmte Zeichen verbunden, die der Mönch vorhergesagt hatte, so dass die Familie das Kind schließlich in die Obhut des Klosters gab. Drei Jahre alt war Hue Bao damals.

          Anfangs lebten die Eltern mit in der Frankfurter Pagode, zogen dann aber aus beruflichen Gründen nach München. Bis heute hat Hue Bao telefonisch Kontakt zu ihnen und sieht sie während der Ferien. Das war auch dem Frankfurter Jugendamt wichtig, das sich recht bald mit der Entwicklung Hue Baos befasste.

          Er war auf der Waldorfschule

          „Das Ganze war ungewöhnlich für uns“, sagt Ingrid Puhmann, die für die Heimaufsicht zuständig ist. Als was gilt die Pagode, die weder ein Heim noch sonst eine Jugendhilfeeinrichtung ist und in der doch ein Kind, ein Jugendlicher lebt? Gemeinsam fand man eine Lösung in diesem, so Puhmann, „besonderen Einzelfall“. Entscheidend für die Behörde war vor allem, den Willen der Eltern zu respektieren, Hue Bao in die Pagode zu geben, aber auch zu wissen, dass er dort geschützt aufwächst und zugleich Kontakt zur Familie halten und Beziehungen zu Gleichaltrigen pflegen kann. In all den Jahren ist dem Jugendamt nichts negativ aufgefallen, wie Puhmann sagt.

          Fernöstlich: der Padmasambhava-Pavillon im Kloster „Buddhas Weg“.
          Fernöstlich: der Padmasambhava-Pavillon im Kloster „Buddhas Weg“. : Bild: Cunitz, Sebastian

          Hue Bao ist in Frankfurt in den Kindergarten gegangen und hat danach die Waldorfschule besucht. Für den Kontakt zur Schule war Dagobert Ossa zuständig. Er war mit den Eltern Hue Baos, dessen kleiner Schwester und dem Jugendamt Ende Juni in der Schule, um über den weiteren Weg des Jungen zu sprechen. „Es wurde vereinbart, dass er jederzeit an die Schule zurückkann“, hebt der 72 Jahre alte ehrenamtliche Mitarbeiter der Pagode hervor, der für Hue Bao so etwas wie ein Großvater ist. Sein jüngstes Geschenk für Hue Bao war ein Atlas, in dem er unter anderem mehr über Indien erfahren kann, seine neue Heimat auf Zeit.

          Deutsche Sprache weiter pflegen

          Die Klosteruniversität Sera Jey liegt in Bylakuppe im Distrikt Mysore, etwa 200 Kilometer südöstlich von Bangalore, Indiens drittgrößter Stadt. Die Wurzeln der Universität reichen bis ins 15.Jahrhundert zurück. Sie wurde in Tibet gegründet. 1959, nach dem Einmarsch chinesischer Truppen, flohen viele Tibeter aus ihrem Land, unter ihnen der Dalai Lama. Unter dessen Schirmherrschaft und der Indiens wurde die Klosteruniversität in Bylakuppe 1970 wieder aufgebaut.

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