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„Lala auf der Couch“ im Staatstheater Darmstadt Tränenreicher Abschied vom Analytiker

 ·  Die Ballettdirektorin des Staatstheaters Darmstadt Mei Hong Lin inszeniert mit „Lala auf der Couch“ ein überdrehtes Tanztheater im Kleinen Haus.

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Auch das Tanztheater versucht sich nun am Thema der „Erschöpfung“, das schon ein paar Jahre lang immer wieder neue Diskussionen in Medien und Gesellschaft entfacht. Doch widerspricht nicht der Bühnentanz von seinem Wesen her der Vorstellung eines ausgebrannten Menschen und damit auch eines ausgebrannten Körpers?

Mei Hong Lin jedenfalls, die noch bis Ende der Spielzeit 2012/13 als Tanztheaterdirektorin am Staatstheater Darmstadt die künstlerische Verantwortung tragen wird, geht da energisch ran. Sie beschreibt das Thema solide über die Erzählung einer konkreten Geschichte. Hauptperson Lala ist, laut Programmheft, Chefredakteurin eines Modemagazins. Alles prasselt auf sie ein, es wird ihr zu viel, sie geht zum Psychoanalytiker, träumt etwas, arbeitet wieder, erhält einen netten Heiratsantrag, träumt wieder, steigt in Szenen der Vergangenheit ein, taucht auf, einiges Hin und Her, riesige Gefühlsschwankungen, am Ende der Abschied vom Analytiker und die Begegnung mit einem albernen Mann.

Lala fantasiert vor Kleeblättern

Die Couch steht nicht auf der Bühne. Dirk Hofacker hat den Bogen einer Chaiselongue quasi nach oben verdoppelt zu einem ovalen, weißen, breiten Rahmen mit Öffnungen an den Seiten und je einem Regalbrett. So können die Tänzer an den Wänden hochlaufen, hinabrutschen, auf erhöhter Position sitzen, von dort herabhängen.

Wenn Lala (Andressa Miyazato) vorne liegt und fantasiert, öffnet sich nach hinten ein Raum mit riesigen grünen Kleeblättern. Zunächst tummelt sich dort ein hell und kindlich gekleidetes Völkchen. Wie die Trolle, die einst beim Fernsehsender Arte Bocksprünge machten, hüpfen sie tumb-fröhlich und mit lustig eckigen Armen herum. Eine Frau im gleichen Rot wie Lala taucht dort auf, statt Hosenanzug wie diese, trägt sie Kleid, wackelt mit den Hüften, biegt sich lasziv und gebietet über das Wimmelvölkchen. Version selbstsichere Frau.

Kinn hoch, blinzeln, lächeln

In einem späteren Traum wuseln fast nackte Männer um Lala herum und tragen sie. Schließlich erscheint die Lala der Vergangenheit, als Kind, und seine Eltern, die sich streiten, ein anderes Paar, ebenfalls in Hellblau, und der Heiratsantrags-Mann tanzt mit einer anderen Frau. Wer genau wer ist und welche Beziehungen zu wem unterhält, bleibt streckenweise rätselhaft. Doch dass sowohl Lala als auch das Kind Lala (Rie Akiyama) schrecklich leiden, wird deutlich.

Sie kauern, liegen, schreien lautlos, dann laut, zerfließen. Lala rafft sich immer wieder mühsam auf, knickt abermals ein. Als sie ihr Trauma aus der Kindheit noch einmal durchleidet, da wirkt sie endlich gelöst. Doch kaum begegnet sie dem männlichen Fotomodell, versucht sie sich wieder in Posen. Kinn hoch, blinzeln, lächeln. Vielleicht muss Lala das Frau-Sein ganz neu lernen. Mei Hong Lin lässt das Ende jedenfalls nicht wie märchenhaftes Glück aussehen.

Der Inszenierung mangelt es an Stil

Andressa Miyazato gestaltet das Thema bravourös mit Nuancen der Verwunderung, Angst, Leid und Wut in Gesicht und Gliedern. Die Ernsthaftigkeit der Figurendarstellung kollidiert mit den artifiziellen Außen- und Innenwelten. Das hypernervöse Getue der Lala-Untergebenen, ihre Pantomime, ihr Zähnezeigen, Springen, Kullern, Showtanzen zur wechselhaften Musik von Serge Weber sorgt bloß drei Minuten lang für tänzerische Spannung, wird nervtötend und distanziert die Geschichte sehr vom normalen Wahnsinn, den viele Zuschauer aus ihrer Arbeitswelt kennen. Zumal auch noch Lalas Analytiker (Wout Geers) eine zwielichtige geifernde Figur ist. Am Ende führen beide einen Kampf- und Liebestanz auf, er „pflückt“ ihre Tränen und lässt sie gehen. Im Sujet steckt viel Wahrheit, aber der Inszenierung mangelt es an Stil.

Weitere Aufführungen am 26. Dezember, 18 Uhr, und 29. Dezember, 19.30 Uhr. 13. Januar, 18 Uhr, und 19. und 26. Januar, jeweils 19.30 Uhr

Quelle: F.A.Z.
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