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„Kurze Nacht“ der Wiesbadener Galerien Nachts sind alle Bilder schwarz und weiß

Ellsworth Kelly setzt den Trend: In der „Kurzen Nacht“ der Wiesbadener Galerien ist Überraschendes zu sehen.

© Sick, Cornelia Vergrößern Kontraste: In Wiesbaden folgt die Kunst dem Ellsworth-Kelly-Prinzip, hier im Bellevue-Saal.

Im Museum Wiesbaden ist derzeit ein Rückblick auf das Lebenswerk Ellsworth Kellys zu sehen, ein veritables Großereignis nur aus den schwarzen und weißen Bildern des Künstlers, zu dem sich auch die Wiesbadener Galerien etwas haben einfallen lassen. In diesen Tagen ist auch in ihren Räumen alles schwarz und weiß. Die gemeinsame Aktion der Interessengemeinschaft der Wiesbadener Galerien, deren Ausstellungen am Wochenende beim alljährlichen Frühlings-Rundgang der „Kurzen Nacht“ zu besichtigen waren, zeigt unterschiedliche Auffassungen des Themas und Qualitäten. Gibt es im Landesmuseum noch bis zum 24. Juni Monochromes und Wuchtiges aus der Hand Kellys zu bestaunen, setzen die Galerien meist auf das kleine Format.

Es ist verständlich, dass sich viele der teilnehmenden Kunsthändler aus dem eigenen Fundus bedienen - einfach einmal zusammenhängen, was man so Schwarzes und Weißes im Bestand hat. Spannender sind starke Einzelpositionen wie die großformatigen, figurativen Kreidezeichnungen von Uwe Ernst, die im Bellevue-Saal (Wilhelmstraße 32) präsentiert werden. Der Realismus des 1947 geborenen Künstlers ist von metallischer Härte, hier blitzen ein zeichnerisches Können und eine Lust am Handwerklichen auf, die heute selten geworden sind. Ernsts Werk mit seinen intensiven Schwarzwerten ist eines der überraschendsten bei diesem Rundgang.

Eine kleine Entdeckung des Rundgangs

In der Galerie Rother (Adelheidstraße13) ist eine Gruppenausstellung zu sehen, die Arbeiten von Pablo Picasso, Thomas Reifferscheid, Antoni Tàpies oder Silvia Willkens versammelt. Dazu kommen Werke von Peter Herkenrath, dessen Nachlass die Galerie verwaltet, eine sehr eigene Position des deutschen Informel, wie einige Tusche-Arbeiten zeigen. Überraschend auch einige Blätter des 1987 verstorbenen Wiesbadener Malers Erwin Filter, der sich zwischen Abstraktion und Figuration nie ganz entscheiden wollte. Die hier gezeigten Arbeiten aus den sechziger Jahren sind eine kleine Entdeckung des Rundgangs, genauso wie einige kostbare Grafiken Picassos.

Die Galerie Hafemann (Oranienstraße48) zeigt nur einen Künstler, nämlich den in Wiesbaden bestens bekannten Hans Bernhard Becker. „Das Bernsteinzimmer“ heißt seine Ausstellung, eine große Wandinstallation aus zum Teil geborstenen Hinterglasmalereien, in die Zeitungsausschnitte und Bilder aus Magazinen eincollagiert worden sind. Ganz in der Nähe stellt die Galerie Witzel (Kaiser-Friedrich-Ring 63) abstrakte Skulpturen Werner Pokornys vor, neue Arbeiten, deren archetypische Gestalt an die Kunst der klassischen Moderne anschließt. Ihnen stehen kleine Papierarbeiten von Birgit Luxenburger in altertümlichen Rahmen gegenüber, die auf schöne Weise zwischen Gegenstand und abstrakter Form changieren. Die Gallery 21 (Luxemburgplatz 6) zeigt mit Ivan Gejko einen figurativen Maler, dessen Kunst hier zum ersten Mal zu sehen ist. Man sieht, dass der Künstler an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften Illustration studiert hat. Seine Figurenbilder folgen stets mehr zeichnerischen als malerischen Prinzipien.

Ausschließlich Skulpturen aus Marmor präsentiert die Galerie Haasner (Saalgasse 38). Mit Gerson Fehrenbach, Migu Michael Syed und Sarah Atzeni sind Künstler aus drei Generationen versammelt, die sich der abstrakten Skulptur verschrieben haben. Kleinschmidt Fine Photographs (Taunusstraße 43) präsentiert mit Michael Schnabel schließlich einen Künstler, der sich schon lange dem Thema Schwarzweiß widmet und fotografische Nachtstücke zeigt. Nächtliche Berge fotografiert er mit sehr langen Belichtungszeiten. Es sind dunkle Bilder, an manchen Stellen ins Graue oder Rötlich-Violette fliehend, düstere Veduten, romantische Kompositionen, deren Glanz nicht im Gegenwärtigen liegt. Im Gegenteil: Sie sind ganz aus der Zeit gefallen.

Quelle: F.A.Z.

 
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