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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Kurt Beck Tragende Rolle nur noch beim Rosenmontagszug

 ·  In Mainz hat sich Beck wohl gefühlt: Nur Pfiffe im Fußballstadion, Beutels Pannenserie und die Nürburgring-Pleite sind ihm an die Nerven gegangen.

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Beim nächsten Rosenmontagszug muss Kurt Beck (SPD), wenn seine Nachfolge bis dahin wie geplant geregelt ist, nicht mehr als Landesvater ganz vorne auf der Ehrentribüne vor dem Staatstheater stehen. Vermutlich wird der noch bis 2016 gewählte Ministerpräsident, der am Freitag Abend seinen vorzeitigen Rücktritt zum Jahresende angekündigt hat, noch nicht einmal sein Fernsehgerät zu Hause in der Südpfalz einschalten, um die Motivwagen rund um das Thema „Nürburgring-Pleite“ zu ertragen. Dass er am 8. Februar zur Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ ins Kurfürstliche Schloss kommt, wo er bald zwei Jahrzehnte lang als „König Kurt“ regelmäßig Hof hielt, scheint ebenfalls nicht eben wahrscheinlich. Denn das Lachen - vor allem das über bissige Büttenreden - dürfte dem in Rheinland-Pfalz über einen langen Zeitraum unangefochten regierenden Ministerpräsidenten inzwischen vergangen sein. Seine einst so positiven Umfragewerte sind durch die Eifel-Affäre, die den Steuerzahlen viele Millionen Euro kostet, jedenfalls kräftig eingebrochen. Bis dahin hat sich Beck im „goldischen Mainz“, anders als bei seinem Gastspiel als SPD-Bundesvorsitzender im rauhen Berlin, eigentlich immer wohl gefühlt.

Zuletzt nur nicht mehr bei den Fußballspielen des FSV Mainz 05. Nachdem ihn einige Fans bei der Eröffnung des neuen und von Rheinland-Pfalz zu einem guten Teil mitfinanzierten Stadions ausgepfiffen hatten, verschenkte der bekennende Kaiserslautern-Fan tief verärgert seine Dauerkarte. Bei dem von jedermann unentgeltlich zu besuchenden Freiluft-Konzert für alle Landeskinder, mit dem im Mainzer Regierungsviertel seit einigen Jahren das Ende der Sommerferien begangen wird, war er dagegen am 11. August noch einmal ganz volksnah zu erleben. Der Sieg des SPD-Kandidaten Michael Ebling bei der Oberbürgermeisterwahl in diesem Frühjahr gehörte für Beck wohl gleichfalls zu den wenigen Glanzpunkten der jüngeren Vergangenheit.

Bei der Verabschiedung des durch etliche Pannen am Ende nicht mehr länger tragbaren Ebling-Vorgängers, Jens Beutel (SPD), präsentierte er sich im Frankfurter Hof dagegen als strenger und unversöhnlicher Parteichef: der zwar viel redete, aber dabei kaum ein Wort und fast kein lobendes über den aus dem Amt scheidenden Rathauschef verlor. Dass der 63 Jahre alte Pfälzer ganz anders und durchaus charmant sein kann, bewies er zuletzt vor zwei Tagen. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Ebling schaute der Landesvater in der Wohnung von Rosalina Röseler in Gonsenheim vorbei, die dort ihren 109. Geburtstag feierte - womit sie die derzeit älteste Mainzerin und die zweitälteste Rheinland-Pfälzerin ist. „Ein so stolzes Alter zu erreichen und trotzdem noch ein selbstbestimmtes Leben führen zu können“ sei ein Segen, so Beck, der sich nun ja selbst mit ganzer Kraft der Aufgabe widmen kann, es ohne Affären und Aufregung Rosalinde Röseler nachzutun.

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Jahrgang 1962, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

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