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Veröffentlicht: 31.07.2014, 21:21 Uhr

Kunstverein Familie Montez Ohne Wasser, ohne Strom

Der Kunstverein Familie Montez muss in seinem neuen Domizil unter der Honsellbrücke weiterhin improvisieren. Was nun werden soll, weiß auch Mirek Macke nicht.

von
© Frank Röth Will nicht aufgeben, will nicht aufgeben, will nicht aufgeben: Mirek Macke sucht nach einer Lösung.

Eigentlich ist alles da.“ Und schon muss Mirek Macke lauthals lachen. Denn die Betonung liegt auf eigentlich. Dabei hat sich das neue Domizil unter der Honsellbrücke auf Anhieb etabliert. Nach der großen Eröffnungsschau zum Ende des Exils, während dessen der aus der einst so lebendigen Frankfurter Off-Szene hervorgegangene Kunstverein Familie Montez mit Arbeiten von am Ende 300 Künstlern ein Jahr lang durch Deutschland tourte, zeigte die um einige illustre Gäste wie Gregor Hildebrandt, Manfred Peckl oder Phillip Zaiser erweiterte Klasse Friedemann Hahn an der Mainzer Kunstakademie als zweite Ausstellung „Im Dschungel“. Und wenn von morgen an Elizabeth Dorazio und Max Weinberg ihre Arbeiten präsentieren, verspricht das einer der Höhepunkte des Frankfurter Kunstsommers zu werden.

Christoph Schütte Folgen:

Während die Brasilianerin freilich derzeit noch an ihrer Installation arbeitet, mit der sie eines der beiden Gewölbe bespielt, wird der mittlerweile 86 Jahre alte Weinberg während der Dauer der Ausstellung von einer Hebebühne aus eine gewaltige, rund 40 Quadratmeter messende Fläche malerisch gestalten. Und auch sonst ist Macke eigentlich mehr als zufrieden, habe sich doch gezeigt, dass es für einen Ort wie diesen „einen wirklichen Bedarf“ gebe in der reichhaltigen Frankfurter Kulturszene. Die Künstler kommen ebenso wie die Kunstbetrachter und neugierige Gäste, Jugendliche und Sportler vom vor der Tür gelegenen Hafenpark, und immer wieder auch schauen zufällige Flaneure auf ihrem Spaziergang für einen Kaffee herein.

Noch kein Vertrag von der Stadt

Drinnen gibt es eine Bühne für Konzerte, eine kleine Bibliothek, Tische, Sessel, eine Bar, Teppiche und ein Klavier und einen Raum für die vereinseigene Sammlung, und auch sonst ist eigentlich alles einigermaßen großartig. Wie gesagt, eigentlich. Einigermaßen. „Bis Sonntag war ich glücklich.“ Dann nämlich erst hat sich herausgestellt, dass sich so bald nichts bessert im Provisorium. Zwar stimmt es schon, bei Familie Montez war es im Grunde niemals anders. Strom und Wasser freilich gab es immer. Auch als der Verein vor vielen Jahren noch „Offoff“ war, kaum mehr als ein Club mit gelegentlichen Ausstellungsbetrieb. Jetzt aber soll es - „bei guter Witterung“ - noch gut und gern ein halbes Jahr lang dauern, bis die Mainova Strom und Wasser bereitstellen kann.

Von einer Heizung ist ohnehin noch nicht die Rede und von der Stadt und namentlich dem Verkehrsamt hat der Vorsitzende des Kunstvereins noch immer keinen schriftlichen Vertrag. Was bedeutet, dass Macke nicht einmal die Müllabfuhr bestellen kann. Und selbst sehen muss, wo er damit bleibt. Strom bezieht er derzeit von Raab Karcher, seinem Nachbarn auf der anderen Seite der Honsellbrücke, der Familie Montez damit einstweilen sponsert. Partys aber kann er auf dieser Basis kaum veranstalten, was nicht nur für alle Nachtschwärmer schade ist, sondern ein durchaus ernsthaftes Problem darstellt. Deckt der Verein doch seit jeher seine Kosten für die Ausstellungen und den Betrieb vornehmlich aus den Einnahmen zu den Veranstaltungen.

Familie über Wartezeit verzweifelt

Dabei war vor dem Umbau alles da. Der Mousonturm, der die Gewölbe der Honsellbrücke bis vor ein paar Jahren nutzte, hatte diesbezüglich selbstredend auch Bedarf. Doch im Zuge der Sanierung, sagt Macke, habe man die Anschlüsse zurückgebaut. „Natürlich habe ich damit gerechnet, dass das alles nicht ganz einfach wird. Aber das ist wirklich ein bisschen hart.“ Den Kaffee kocht er derzeit immerhin mit Mineralwasser. „Aber nur mit Kaffee und Kuchen kann man den Ort nicht unterhalten.“ Bis Ende des Jahres ist der Ausstellungsbetrieb schon durchgeplant, und wiewohl alle Familienmitglieder ehrenamtlich arbeiten, koste, so Macke, „doch auch ein Provisorium Geld“. Und das muss irgendwo herkommen, auch wenn das Kulturamt den Verein großzügig unterstützt.

Der Immobilienentwickler Ardi Goldmann hat ihm derweil versprochen, Toiletten zu spendieren, um die leidigen Dixi-Klos zu ersetzen. Ohne Anschluss an die Kanalisation aber hilft das erst einmal nichts. Wie es weitergehen soll? Wenn es bis Januar oder gar Februar dauern sollte, werde es eng. „Ich war echt verzweifelt, als ich das gehört habe“, sagt das Familienoberhaupt des Kunstvereins über die langen Wartezeiten. „Aber ich sage mir jeden Tag: Ich geb’s nicht auf, ich geb’s nicht auf, ich geb’s nicht auf.“ Wie ein Mantra. Wäre ja auch noch schöner, nach all den Schwierigkeiten der vergangenen Jahre. Denn eigentlich ist wirklich alles da. Wäre alles da. Wenn.

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