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Kunstsammlung „An einem passenden Orte zur öffentlichen Beschauung“

 ·  Ein Konditor, ein Kaufmann und eine Malerfamilie, allesamt Nachbarn auf der Zeil, haben im 18. und 19. Jahrhundert Kunst zusammengetragen. Ihre Sammlungen zeigt das Historische Museum von August an in seiner Dauerausstellung.

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Es war die Zeit, als auf der Zeil noch nicht die Kaufhauskonzerne regierten. Vielmehr wohnten an der Straße damals wohlhabende und vornehme Frankfurter. Die Maler- und Kunsthändlerfamilie Morgenstern etwa, der Kaufmann Johann Georg Christian Daems oder der Bäcker Johann Valentin Prehn. Wobei die Bezeichnung Bäcker eine kleine Untertreibung ist, denn Prehn gehörte zu jenen gehobenen Konditoren, bei denen die Reichen einkauften. Als im Jahr 1792 Franz II. in Frankfurt zum Kaiser gekrönt wurde, schuf Prehn aus fester farbiger Masse ein vielteiliges Tortenkunstwerk, das er selbst als „allegorische Vorstellung“ bezeichnete. Was er genau damit meinte, wissen wir nicht, vielleicht hat er die Reichsinsignien in Zucker nachgeformt.

Das Geschäft mit Kuchen und Torten hat sich jedenfalls gelohnt - sonst hätte der Konditor wohl nicht das „Prehnische Gemäldekabinett“ zusammentragen können, eine Gemäldegalerie mit mehr als 800 kleinformatigen Gemälden, eine Kollektion, wie es sie in Deutschland wohl kein zweites Mal gegeben hat. Neben diesen Miniaturgemälden hat Prehn aber auch all das gesammelt, wofür sich im 18. Jahrhundert vor allem wohlhabende Patrizier, Bankiers, Kaufleute und Professoren begeistern konnten: Skulpturen, Kupferstiche, Münzen, Medaillen, Antiquitäten, ethnologische Objekte, Naturalien, Kuriositäten und Bücher.

Des Konditors Geheimnis

Die Medaillen, Antiquitäten und Kuriositäten der Prehnischen Sammlungen sind längst in alle Winde zerstreut, erhalten hat sich jedoch die Gemäldesammlung, deren berühmtestes Bild das „Paradiesgärtlein“ ist, jenes Kunstwerk eines unbekannten oberrheinischen Meisters, an dem heute kaum ein Städel-Besucher unberührt vorbeigeht. Just jenes Gärtlein wird aber fehlen, wenn Mitte August das Historische Museum im renovierten Burnitzbau von 1842 und im Stauferbau aus dem 12. und 13. Jahrhundert das Frankfurter Sammler- und Stiftermuseum eröffnet. Ein Raum dort wird dem Konditor Prehn und seinem Gemäldekabinett gewidmet, das heute aus 805 kleinformatigen Originalen, Kopien und Bildfragmenten besteht.

Es bleibt des Konditors Geheimnis, warum er gesammelt, bei wem er seine Schätze gekauft und wer ihn dabei beraten hat. Immerhin wissen wir, dass er seine Bilder in seinem Haus an der Zeil zur Schau stellte. Denn der Maler Carl Morgenstern hat 1829 ein Aquarell des Prehnischen Bildersaals geschaffen: Darauf ist zu sehen, dass an den Wänden und um die niedrigen Schränke herum, die das Miniaturkabinett beherbergten, flächendeckend etwa hundert kleine und mittelgroße Gemälde hingen. Prehn schätzte, was damals in Frankfurt in Mode war: niederländische, flämische und deutsche Werke des 17. und 18. Jahrhunderts. Im Auktionskatalog von 1824 tauchen die Namen berühmter Maler auf: Cranach der Ältere, Hans Holbein der Jüngere, Jan Brueghel, Tizian, Fragonard. Der eine oder andere Verkäufer mag Prehn bewusst oder unbewusst getäuscht haben, denn manche der damaligen Zuschreibungen haben sich als falsch erwiesen. Aber es finden sich nachgewiesenermaßen auch Originale vor allem regionaler Maler wie Flegel, Schütz, Seekatz und Morgenstern in der Sammlung.

Das Morgensternsche Miniaturkabinet

Apropos Morgenstern. Die Malerfamilie wohnte in der Nachbarschaft. Prehn stand in freundschaftlichem Kontakt mit Johann Friedrich Morgenstern, und der verkaufte oder schenkte dem Konditor wiederholt eigene Werke. Ihr Geld verdienten die Morgensterns über drei Generationen hinweg zu einem Gutteil mit der Restaurierung von Gemälden. Sie reinigten, festigten, firnissierten Bilder - auch der Sammlung Prehn - und besserten schadhafte Stellen aus. Der Ruf Johann Ludwig Ernst Morgensterns und mehr noch der seines Sohnes Johann Friedrich als Restauratoren reichte weit über Frankfurt hinaus, Aufträge gingen ein aus Straßburg, Aachen, Leipzig, Zürich und sogar aus Mexiko, wie einem Brief Johann Friedrichs an seinen zur Ausbildung in Italien weilenden Sohn Carl zu entnehmen ist.

Im Sammler- und Stiftermuseum wird auch den Morgensterns ein eigener Raum gewidmet. Das verdanken sie einem Entschluss, den Johann Ludwig Ernst Morgenstern 1798 fasste: Damals begann er damit, eine Sammlung mit von ihm gefertigten Kopien berühmter Meister aus der alten, der mittleren und der neuen Zeit anzulegen. Er malte die Bilder der berühmten Niederländer, Italiener oder der deutschen Meister freilich nicht in Originalgröße, sondern in verkleinertem Maßstab nach. Herausgekommen ist das Morgensternsche Miniaturkabinett, das am Ende 205 kleine Gemälderepliken enthielt.

Nun allen Bürgern zugänglich

Drei Generationen der Malerfamilie Morgenstern, nämlich Johann Ludwig Ernst als Initiator sowie sein Sohn Johann Friedrich und sein Enkel Carl haben 40 Jahre lang Bilder kopiert und zusammengestellt, bis die drei dreiflügeligen und gekrönten Klappschränkchen, die Johann Ludwig Ernst 1798 als Behältnis der Sammlung hatte fertigen lassen, bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Das Miniaturkabinett sollte seinem Erfinder ursprünglich wohl erlauben, sich in die Denk- und Arbeitsweise jener Maler hineinzuversetzen, deren Gemälde Sammler dem Restaurator Morgenstern anvertrauten. Von einem bestimmten Punkt an mag die Sammlung der Werkstatt Morgenstern aber auch als illustrierter Werkkatalog gedient haben. „Seht her“, sollten die Miniaturen dem Betrachter zurufen, „diese Meister hier beherrschen jeden Stil.“

Enkel Carl Morgenstern, der das Kabinett vollendete, erhob die dreiflügeligen Klappschränke mit einem dezidierten Bildprogramm, in deren Mittelpunkt als heilige Dreifaltigkeit Raffael, Giovanni Battista Piazzetta und Dürer standen, am Ende zu Altären der Kunst. In Frankfurt hat das Morgensternsche Kabinett die vergangenen zwei Jahrhunderte überdauert - und wird nun wieder allen Bürgern zugänglich gemacht.

An die Stadt vermacht

Und noch eine Kunstsammlung aus einem der vornehmen Wohnhäuser an der Zeil hat sich dank eines großzügigen und vorausschauenden Sammlers bis in die Gegenwart weitgehend erhalten: Zusammengetragen hat die damals 328 Gemälde der Handelsmann Johann Georg Christian Daems, dessen Haus gegenüber von jenen der Prehns und der Morgensterns lag. Daems hat sich auf holländische, flämische und Frankfurter Künstler vom 16. bis zum 19. Jahrhundert kapriziert. Seine Sammlung vermachte er testamentarisch der Stadt, allerdings mit der Auflage, die Gemälde „an einem passenden Orte zur öffentlichen Beschauung und Benutzung für Künstler“ zu präsentieren.

Dafür wurde das bekannte Ariadneum an der Seilerstraße ausgewählt, ein Ausstellungsort, dessen Name sich auf sein berühmtestes Objekt bezog, die „Ariadne auf dem Panther“ von Johann Heinrich Dannecker aus der Skulpturensammlung des Bankiers Simon Moritz von Bethmann. Frankfurt nahm die Daemssche Schenkung zum Anlass, alle im städtischen Besitz befindlichen Gemälde zusammenzuführen. Ergänzt durch Gemälde der Museumsgesellschaft, durch die erwähnte Prehnische Sammlung und Bilder des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, wurden 260 Gemälde aus der Sammlung Daems 1867 in die Räume des Saalhofs überführt. Sie gehörten zum Gründungsinventar des elf Jahre später gegründeten Historischen Museums im Leinwandhaus. Anderthalb Jahrhunderte nach Daems’ Tod geht sein Wunsch nach einer öffentlichen Beschauung seiner Bilder mit der Einrichtung der Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter“ nun abermals in Erfüllung.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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