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Kultusministerin Henzler legt Lehrplan vor Grundlage für Islamunterricht

09.02.2012 ·  Das hessische Kultusministerium hat am Donnerstag ein Kerncurriculum für Islamischen Religionsunterricht in der Grundschule vorgelegt und damit eine wichtige Voraussetzung für die Einführung dieses Faches geschaffen.

Von Ralf Euler, Wiesbaden
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Das hessische Kultusministerium hat am Donnerstag ein Kerncurriculum für Islamischen Religionsunterricht in der Grundschule vorgelegt und damit eine wichtige Voraussetzung für die Einführung dieses Faches geschaffen. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern muslimischer Verbände und Interessengruppen - Sunniten, Schiiten und Ahmadiyya - habe die Inhalte für einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht in deutscher Sprache erarbeitet, teilte Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) am Donnerstag mit. Ein derart breiter Konsens der Muslime sei „bundesweit einmalig“.

Mit dem 39Seiten umfassenden Papier seien die fachlichen Grundlagen für Islamischen Religionsunterricht gelegt, sagte Henzler weiter. Das Kerncurriculum sei „sehr anspruchsvoll“ und werde es Schülern muslimischen Glaubens ermöglichen, die Dimension der eigenen Religion zu erkennen, sich mit anderen Religionen auseinanderzusetzen und dabei Wertschätzung und Toleranz gegenüber Andersgläubigen zu erlernen. Der Unterricht solle den Kindern helfen, „das eigene Leben verantwortlich und selbständig zu gestalten“.

Der Lehrplan gilt derzeit noch als Entwurf

Ob das Fach Islamische Religion in Hessen tatsächlich eingeführt wird, ist allerdings noch offen. Das Integrationsministerium von Henzlers Parteifreund Jörg-Uwe Hahn sucht dafür noch nach einem verlässlichen Partner auf islamischer Seite. Sollte sich bis zum Ende dieses Jahres niemand finden, will die CDU/FDP-Landesregierung zum Schuljahr 2013/2014 Islamkunde als Teil des Ethik-Unterrichts einführen. Auch dafür wäre das jetzt vorliegende Kerncurriculum eine gute Grundlage, meint Henzler.

Der Lehrplan gilt derzeit noch als Entwurf und soll bis Ende März eine informelle Anhörung durchlaufen, bei der unter anderem Stellungnahmen des Amts für Lehrerbildung und der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte einzuholen sind. Schließlich muss das Papier dem Landeselternbeirat zur Zustimmung vorgelegt werden; mit einem Veto - das von der Landesregierung zudem noch überstimmt werden könnte - ist nach Ansicht von Henzler allerdings kaum zu rechnen.

„Ein wichtiger Schritt zur Einführung des islamischen Religionsunterrichts“

Das Kerncurriculum ist die verbindliche Grundlage für den Unterricht in allen Fächern der Primarstufe (erste bis vierte Klasse). Es legt fest, was alle Kinder am Ende ihrer schulischen Laufbahn können und wissen sollten. Wesentliche Ziele des Islamischen Religionsunterrichts sind demnach Grundkenntnisse des Glaubens sowie die Förderung der Kritikfähigkeit und der Toleranz anderer Religionen, Kulturen, Auffassungen und Lebensweisen. Anhand des Korans und der Überlieferungen des Propheten Mohammed sollten ethische Handlungsmaßstäbe wie die Bewahrung der Schöpfung, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Achtung und Toleranz gegenüber Andersgläubigen vermittelt werden, heißt es in dem Entwurf.

Der Islamische Religionsunterricht beziehe sich auf die „Kerngehalte“ der Disziplinen der Islamischen Wissenschaften, die man auch als Islamische Theologie oder Islamische Studien bezeichnen könne. Er solle dazu beitragen, dass Schüler zentrale Glaubensaussagen und die religiöse Praxis „altersgerecht verstehen und deuten können“. Ein weiteres Element sei „das kontinuierliche Einüben in ein friedliches Miteinander“ in der Gesellschaft. „Grundlage für einen gelingenden interreligiösen Dialog ist, seine eigene Religion zu kennen und andere Religionen zu verstehen.“ Die Kinder sollen befähigt werden, Menschen anderer Religionen mit Achtung und Aufgeschlossenheit zu begegnen. „Gott hat die Religionen gesandt, damit die Menschen hier auf dieser Erde in Frieden zusammenleben und glückselig werden“, heißt es im Curriculum.

Aus Sicht des FDP-Landtagsabgeordneten Mario Döweling ist das Kerncurriculum „ein wichtiger Schritt zur Einführung des islamischen Religionsunterrichts“. Umso erfreulicher sei es, dass die mit Muslimen unterschiedlicher Glaubensrichtungen besetzte Arbeitsgruppe sich einvernehmlich auf die Inhalte habe verständigen können.

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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