Mit einer breiten Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung zu einem Beitritt der Stadt Hanau zur Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main GmbH am Montag rechnet Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Den Beitrittsbeschluss hat der Magistrat bereits gefasst. Alle zwei Jahre soll der Beschlussvorlage zufolge in Hanau Bilanz gezogen und über die Fortsetzung der Mitgliedschaft befunden werden.
Am Freitag erläuterten Kaminsky, Albrecht von Kalnein, Geschäftsführer des Kulturfonds, sowie Ruth Wagner, Vorsitzende des Kulturfonds-Kuratoriums, die geplante Zusammenarbeit. In den vergangenen Monaten habe sich durch kontinuierliche Annäherung ein positiver Wandel der Einstellung Hanaus zum Kulturfonds ergeben, sagte Kaminsky, der einen Beitritt in den im Jahr 2007 gegründeten Kulturfonds bisher abgelehnt hatte.
Hauptgrund war das parallele Bestehen des Kulturfonds und der Kulturregion Rhein-Main. Dieser gehören nach Angaben Wagners 33 Kommunen an, die im Jahr zehn Cent pro Einwohner zahlen. Der Kulturfonds hat - ohne Hanau - nur sechs Mitglieder, darunter das Land Hessen. Die Kommunen steuern pro Einwohner zwei Euro jährlich bei. Das Land verdoppelt diesen Betrag. Der Beitrag der Stadt Hanau wird pro Jahr bei etwa 180000 Euro liegen. Der Kulturfonds unterstützt nach den Worten von Geschäftsführer von Kalnein überregional bedeutsame Projekte in den Gesellschafterkommunen Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden sowie dem Hochtaunus- und dem Main-Taunus-Kreis. Sie stellen jeweils Anträge auf eine Förderung, über die der 24 Mitglieder zählende Kulturausschuss des Kulturfonds unter dem Vorsitz von Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs (CDU) entscheidet, der zweimal jährlich zusammenkommt. Stellvertretende Vorsitzende sind Michael Cyriax (CDU), Landrat des Main-Taunus-Landkreises, Ingmar Jung, Staatssekretär im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) sowie Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU).
Hanau erweitere die Qualität des Kulturfonds
Der Kulturfonds organisiert zudem Veranstaltungs- und Ausstellungsreihen zu bestimmten Schwerpunkten wie zu Beginn zum Thema Expressionismus und aktuell zur Romantik im Rhein-Main-Gebiet. Hanau beteiligt sich daran am 26.Oktober mit einem szenischen Märchenspiel von Mitgliedern der Brüder-Grimm-Märchenfestspiele im Comoedienhaus Wilhelmsbad unter der Überschrift „Grimms Grimmig“. Von der Mitgliedschaft im Kulturfonds erwartet Kaminsky einen Imagegewinn sowie eine Stärkung der Stellung Hanaus als „Kulturhochburg“ im Osten des Rhein-Main-Gebiets. Vor allem das Freiluftfestival Brüder-Grimm-Märchenfestspiele mit rund 75.000 Besuchern pro Saison besitze ein großes Potential für eine größere überregionale Strahlkraft. Das könne die Stadt Hanau allein nicht ausschöpfen. Auch mit einer stärkeren Verankerung der Hanauer Museumslandschaft mit dem Museum im Schloss Philippsruhe, den Museen in Steinheim und Großauheim, dem Goldschmiedehaus sowie dem Hessischen Puppenmuseum in Wilhelmsbad in der überregionalen Wahrnehmung rechnet Kaminsky. Außerdem erhofft er sich Unterstützung bei seinen Plänen für ein Brüder-Grimm-Kulturzentrum in der Hanauer Altstadt. Der Beitritt solle aber auch ein Bekenntnis der Stadt Hanau zur Rhein-Main-Region sein.
Nach den Worten Wagners erweitert Hanau die Qualität des Kulturfonds. Zum Thema Expressionismus könne die Stadt den hier geborenen Komponisten Paul Hindemith einbringen, für die Romantik die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die auch große politische und geschichtliche Bedeutung besäßen. Auch die Neuaufstellung der Staatlichen Zeichenakademie, die um eine Berufsakademie erweitert wird, sei für den Kulturfonds von Gewicht. Fondsgeschäftsführer von Kalnein sprach von einem großen bürgerschaftlichen Engagement für die Kultur in Hanau. Das passe zum Kulturfonds, der ebenfalls auf einer Bürgergesellschaft aufbaue. So flössen außer den Landesgeldern zunehmend auch hohe Summen von großen Kulturstiftungen in das Budget des Kulturfonds ein. Jährlich könne die Organisation um die 4,5 Millionen Euro zur Förderung der Kultur ausschütten.