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Kulturfonds Rhein-Main „Rhein-Main ist viel romantischer, als wir bisher alle glauben“

 ·  Handel, Finanzen und schnelle Verkehrsströme prägen das Rhein-Main-Gebiet. Beim Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main will man sich nun mit der romantischen Seite der Region beschäftigen.

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Romantik und Rhein-Main-Region, das klingt nach einem Widerspruch. Denn das Image der Region ist ein anderes, es wird von Handel, Finanzen und schnellen Verkehrsströmen geprägt. Allerdings hat die in den vergangenen Monaten geführte Diskussion um ein Romantikmuseum in Frankfurt den Weg ein wenig bereitet. „Wir sind viel romantischer, als wir bisher alle glauben“, sagt Albrecht von Kalnein, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main. Der vor gut vier Jahren gegründete Fonds will sich nach dem „Phänomen Expressionismus“ nun unter dem Titel „Impuls Romantik“ zwei Jahre lang mit der romantischen Seite der Region beschäftigen.

Dabei hat der Fonds natürlich auch die Brentanos im Blick, Erben eines Frankfurter Handels- und Bankhauses, die in Frankfurt residierten, Begründer des Brentanoparks waren und die in Oestrich-Winkel das Brentanohaus als Sommerresidenz besaßen. Für Kalnein sind sie „typisch Rhein-Main“, denn sie hielten sich an keine Gemarkungsgrenzen, entwickelten Ideen, die weit in die Welt hineinreichten und nach Ansicht Kalneins bis heute aktuell sind. Letztlich zeigten sie auch, wie dicht Geld und Geist seit jeher zusammengehört haben, gerade in Rhein-Main.

Hänsel und Gretel eröffnen den romantischen Weg

Das Programm „Impuls Romantik“ umfasst deshalb eine gemeinsam mit der Kulturregion, der „kleinen Schwester“ des Fonds, eingerichtete „Via Brentano“ mit zehn Veranstaltungen von Bingen bis Aschaffenburg, Konzerte zum Deutschen Chorfest im Juni in Frankfurt, eine Tagung mit der Frage nach den romantischen Landschaftsgärten in der Region. Insgesamt 15 vom Fonds geförderte musikalische oder literarische Projekte, Ausstellungen und Park-Führungen sind bisher vorgesehen, weitere sollen folgen. Den Auftakt macht die Ausstellungseröffnung „Hänsel und Gretel im Bilderwald - Illustrationen romantischer Märchen aus 200 Jahren“ am Dienstag im Frankfurter Goethe-Haus. Die Ausstellung ist bis zum 15. Juli zu sehen.

Wie eng der Zusammenhang zwischen Kultur und Geld im Rhein-Main-Gebiet ist, bekommt der Kulturfonds regelmäßig seit seiner Gründung im Dezember 2007 zu spüren. Damals haben, angeschoben von Ministerpräsident Roland Koch (CDU), die Städte Frankfurt und Darmstadt sowie die Kreise Main-Taunus und Hochtaunus gemeinsam mit dem Land den Fonds gegründet. Rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres ist, ein wenig überraschend, die Stadt Wiesbaden beigetreten.

„Wir müssen einen langen Atem haben“

Kritik gibt es dennoch, derzeit aus den eigenen Reihen, etwa aus dem Main-Taunus-Kreis. Grund ist die Tatsache, dass die Mitgliedschaft in keiner regionalen Gesellschaft so viel kostet wie im Kulturfonds: Für jeden Einwohner sind pro Jahr zwei Euro zu entrichten. Allerdings wird der Einsatz auch nirgendwo anders so versüßt: Das Land Hessen verdoppelt den Betrag der Kommunen. Für Kalnein kommt dank der dadurch erreichten „Qualität und Strahlkraft der Projekte“ sogar „die Kraft der Drittmittel“ noch hinzu. Etwa die vom Kulturfonds initiierte Tanzoffensive habe so prononciert 2009 ihre Arbeit aufnehmen können, dass sie für andere, Unternehmen und Stiftungen, förderwürdig gewesen sei. „Die Mitgliedschaft im Kulturfonds bringt jedem etwas.“ Und mit Blick auf die Entscheidung der Landeshauptstadt meint Kalnein: „Wiesbaden wird diesen Schritt nicht bereuen.“ Die Forderung Wiesbadens, den Beitritt davon abhängig zu machen, Frankfurt aus dem Namen des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main zu streichen, ist Kalnein zufolge überbewertet worden, Es könne in einer GmbH keine „Sonderbehandlung“ für einzelne Gesellschafter geben, Name und Regularien des Fonds stünden fest.

Ginge es nach Kalnein, hätten die Verantwortlichen jeden Grund, mit „Genugtuung und ein wenig Stolz“ festzustellen, dass trotz manchen politischen Wachwechsels und trotz „Schuldenbremse“ alle Akteure an ihrer Zusage aus dem Jahr 2007 festhalten und ihre Beiträge leisten. Denn der Jahresetat des Kulturfonds beläuft sich derzeit auf 5,5 Millionen Euro. Das ist eine Summe, die keiner anderen regionalen GmbH zur Verfügung steht. „Wir spielen damit in der Liga der Kunststiftung NRW oder der Kulturstiftung Sachsen mit“, sagt Kalnein. In Hessen gebe es keine andere öffentliche Kulturförderin diesen Zuschnitts. Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax (CDU) hatte es jedoch argwöhnisch gemacht, als er Anfang des Jahres eine Rücklage von mehr als zwei Millionen Euro bemerkte. Kalnein verteidigt diese mit Beschlüssen der Gesellschafter und der Tatsache, dass nicht gleich jeder Euro verplant sei: „Wir müssen einen langen Atem haben.“

Kalnein, der nach dem vorzeitigen Rückzug von Herbert Beck derzeit kommissarisch die Geschäfte führt, sieht den Fonds sogar „moralisch in der Pflicht“, einmal geförderte, gelungene Projekte auch weiter zu unterstützen. Vorausgesetzt, sie entsprächen „höchsten Qualitätsansprüchen“. Dank dieser habe sich der Kulturfonds in den vergangenen vier Jahren zur „Exzellenz-Initiative Kultur für Rhein-Main“ entwickelt. Der Fonds habe Profil gewonnen, sagt Kalnein. Nun soll auch das der Region abgerundet werden, indem man zeigt, dass Rhein-Main „gar nicht so unromantisch ist“ - trotz des pulsierenden Wirtschaftslebens.

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Jahrgang 1955, Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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