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Kulturelle Begegnung Fremd im eigenen Land

Junge Migranten diskutieren mit Grünen-Parteichef Cem Özdemir. Viele wollen einfach nur das Beste aus ihren Möglichkeiten machen.

© dpa Macht sich für ein liberales Staatsbürgerschaftsrecht und die gleichzeitige Annahme mehrerer Staatsbürgerschaften stark: Cem Özdemir.

Erst neulich, sagt die Studentin Merveille Mubakemeschi auf dem Podium, habe sie sich fast mit ihrer Mutter gestritten. Mubakemeschi wurde im Kongo geboren und kam mit fünf Jahren nach Deutschland. Inzwischen studiert sie Politikwissenschaften in Berlin, singt in einer Band. Sie sagt, sie habe Goethe gelesen und wisse mehr über die deutsche als die kongolesische Geschichte. Als sie ihrer Mutter neulich sagte, dass sie sich trotzdem als Kongolesin fühle, habe die gelacht, sagt Mubakemeschi: Was denn an ihr überhaupt noch kongolesisch sei, fragte die Mutter. In dem Moment sei Mubakemeschi auch klargeworden, was sie von Deutschland trenne: die Angst, trotz perfekter Integration nicht als Deutsche anerkannt zu werden.

Bis zum Abitur war Mubakemeschi Stipendiatin der Start-Stiftung. Als Projekt der gemeinnützigen Hertie-Stiftung fördert diese seit zehn Jahren Jugendliche aus Migrantenfamilien. Mubakemeschi und elf weitere junge Erwachsene hat die Journalistin Ruth-Esther Geiger in dem Buch „Deutschland - meine Option?“ porträtiert, das am Dienstag bei einer Diskussion vor etwa 120 Zuhörern in der Bethmann-Bank vorgestellt wurde. Dabei ging es um die Frage, wie Deutschland Talente wie Mubakemeschi halten könne und ob dieses Land überhaupt eine Option für sie sei. Schließlich, so schreibt der Journalist Harald Martenstein im Vorwort, hätten Menschen trotz mehrerer Identitäten nur ein Leben und wollten das Beste aus ihren Möglichkeiten machen.

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Um sich ihr Können zu beweisen, machte sie das Abitur

Knapp 960 000 Menschen sind laut dem Statistischen Bundesamt 2011 nach Deutschland eingewandert. Zum letzten Mal war die Zahl 1996 so hoch. Allein in Frankfurt leben Menschen aus 170 Nationen. Grünen-Parteichef Cem Özdemir warb dafür, Probleme künftig nicht mehr auf die Ethnie oder Religion zu beziehen, sondern nach sozialen Gründen zu suchen. Prügelten sich junge Migranten, werde oft die Religion als Ursache vermutet, sagte Özdemir. Seien Deutsche gewalttätig, nehme man dagegen an, die Erziehung sei schiefgegangen.

Dass sie offenbar anders seien, hätten sie in der Schule mehrmals erfahren, erzählten Mubakemeschi und die 24 Jahre alte deutschtürkische Lehramtsstudentin Sevin Isikli. Ein Lehrer von Mubakemeschi gab vor, sie nicht zu verstehen, obwohl die Schülerin eine Eins in Deutsch hatte. Isikli erzählte, ihre Grundschullehrerin habe ihr trotz Einsen und Zweien vom Gymnasium abgeraten. Ihr Vater arbeitet in der Catering-Logistik, die Mutter ist Hausfrau. Da bekomme sie sicher nicht die nötige Unterstützung, habe die Lehrerin Isikli damals gesagt. Sie machte trotzdem Abitur. Sie habe sich damit gegenüber der Lehrerin auch beweisen wollen, so die Studentin.

Özdemir warb für ein liberales Staatsbürgerschaftsrecht und die Möglichkeit, mehrere Staatsbürgerschaften anzunehmen. Je mehr Deutschland zulasse, umso besser gelinge die Integration der Migranten, sagte er. Mubakemeschi sagte, sie wünsche sich, dass man sich irgendwann nicht mehr erklären müsse, dass es irgendwann egal sei, woher man komme, wenn man doch hier lebe. „Das wäre doch am besten.“

Quelle: F.A.Z.

 
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