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„Zuflucht Literatur“ Ein fröhlicher Islam

03.06.2010 ·  Der Westen hat ein falsches Bild vom Islam. Das musste zur Kenntnis nehmen, wer der Soziologin Fatima Mernissi im Haus am Dom lauschte. Ganz so fröhlich scheint es aber doch nicht zuzugehen im Raum der „500 medialen Kanäle“, die Westler nicht kennen.

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Der Westen hat ein falsches Bild vom Islam. Das musste zur Kenntnis nehmen, wer der marokkanischen Soziologin Fatima Mernissi im Haus am Dom lauschte. Dort feierte die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika ihren 30. Geburtstag mit einem internationalen Lesefest unter dem Leitwort „Zuflucht Literatur“. Zum Auftakt des viertägigen Festivals sprach Moderator Ruthard Stäblein vom Hessischen Rundfunk mit dem Hindi-Schriftsteller Uday Prakash, mit Ilija Trojanow, dem deutschen Autor aus Bulgarien, und eben mit Fatima Mernissi, die von der sexuellen Aufklärung muslimischer Moderatorinnen in den islamischen Medien schwärmte. „Das klingt ja nach einem fröhlichen Islam“, wunderte sich Stäblein über diesen „Hoffnungsschimmer“.

Ganz so fröhlich scheint es aber doch nicht zuzugehen im Raum der „500 medialen Kanäle“, von denen Westler keine Ahnung haben. Warum sonst will Mernissi, die in den Vereinigten Staaten promoviert hat, in ihrer Heimat Marokko von niemandem erkannt werden, um in Ruhe forschen zu können? Aber: „Wenn Christen beichten, ist das auch eine schreckliche Sache“, fand sie, als sie sich Ende der Sechziger im Westen zurechtfinden musste: „Andere Gemeinschaften, andere Gewohnheiten.“ Auf den 500 Kanälen, die um die islamische Deutungshoheit ringen, gibt es zum Beispiel kein einziges Porno-Programm. Und in New York sollte sie damals niemandem ins Gesicht sehen, um keine Beziehung zu provozieren. Kein Wunder, dass sie jetzt ein Buch schreibt, das den Titel „Warum der Islam den Westen das Fürchten lehrt“ tragen soll.

Wahre Wunder von der Dolmetscherin

Während die Zuhörer kamen und gingen, die Türen des voll besetzten großen Saals auf und zu schlugen, vollbrachte Jutta Himmelreich als Simultandolmetscherin wahre Wunder. Dabei kam es auf einzelne Sätze gar nicht an, denn die Diskussion wimmelte von Gemeinplätzen. Prakash trug eine Passage aus seinem Roman „Doktor Wakanka“ vor, unterstützt von Birgitta Assheuer, die aus der deutschen Übersetzung las: die Geschichte eines Arztes, der, wiewohl gottesgläubig, in den heiligen Schriften wie in der Medizin Werkzeuge des Teufels sieht. Im Übrigen habe Indien Probleme, seine vielen Sprachen und Kulturen zu integrieren. Man wisse ja noch nicht einmal, ob der Islam per Handel oder per Gewalt ins Land gekommen sei.

Trojanow las aus einem noch unveröffentlichten Manuskript unter dem Titel „Requiem auf die Zukunft“. Überall findet Romanheld Zeno die „Wundmale“ der Zerstörung, die Eroberer und Walfänger hinterlassen haben. Die Ökologie strebe nach einem gemeinsamen Gut, dem Erhalt der Schöpfung, nicht nach kleinlichem individuellem Heil, so Trojanow. Als sich Stäblein über das Lob der Bindung an eine Gemeinschaft in Zeiten der Debatten über die glückverheißende Befreiung von selbiger wunderte, konterte der Autor: „Öffentliche Debatten bestehen vor allem aus fiktionalen Widersprüchen.“ Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite.Claudia Schülke

Zum Abschluss des Lesefests sprechen und lesen heute (Freitag) Faraj Bayrakdar, Mansur Rajih, Pegah Ahmadi und Carlos Aguilera von 20 Uhr an im Literaturhaus Frankfurt, Schöne Aussicht 2.

Quelle: F.A.Z.
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