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Zirkus Carl Busch Clown mit Nikolausmütze

Winterpause ade: Der Weihnachtszirkus Carl Busch zeigt in Frankfurt ein Programm voller Poesie für die gesamte Familie.

© Rosenkranz, Henner Vergrößern Mensch oder Puppe? Im „1. Frankfurter Weihnachts-Circus“ an der Borsigallee kommen die Zuschauer ins Grübeln.

Früher, als die Zirkuskunst noch ein echtes Volksvergnügen war, machten die fahrenden Betriebe eine Winterpause. Heute, da der Zirkus in Konkurrenz mit Kino, Sport, Disko und den anderen modernen Unterhaltungsformen ums Überleben kämpft, können sich die verbliebenen Unternehmen dieser Branche ein solches Innehalten nicht mehr erlauben. Die Antwort auf die immer stärker werdende Konkurrenz heißt Weihnachtszirkus. In Holland kann seit langem fast jede größere Stadt einen solchen Weihnachtszirkus bieten, in Deutschland ist diese Mode mittlerweile auch angekommen.

Hans Riebsamen Folgen:    

Frankfurt macht da keine Ausnahme. Carl Busch präsentiert jetzt an der Borsigallee den „1. Frankfurter Weihnachts-Circus“. Kenner mögen darüber streiten, ob diese Zählung richtig ist. Tatsache ist aber, dass hier in der Stadt noch nie ein Zirkus mit einem speziellen Weihnachtsprogramm gastiert hat. Dieses hat die Zirkusfamilie Wille zusammengestellt und ist mit seinem eher poetischen denn sensationsheischenden Gestus ganz auf Familien zugeschnitten. Damit der Weihnachtsfrieden nicht von den radikalen Gegnern von Tierdressur gestört wird, hat das Unternehmen Carl Busch von vornherein auf Wildtiere verzichtet. Nur sechs niedliche Ponys traben zur Freude der kleinsten Besucher durch die Manege.

Kunst der mechanischen Puppe

Etwas Besonderes will man bei Carl Busch mit einer Nummer bieten, die es in Deutschland noch nicht gegeben hat. Fündig geworden ist Zirkusinhaberin Marion Wille in England. „Circle of Two“ nennt sich das Duo Celia Mendizabal und Ralph Taylor, das an der Borsigallee unter dem Namen Dodo und Bambolina auftritt. Die beiden Künstler erwecken die uralte Kunst der mechanischen Puppe zu neuem Leben. Diese Puppe besteht aus Fleisch und Blut. Aber wenn Bambolina in abgezirkelten eleganten Bewegungen tanzt und geht, fragt man sich unwillkürlich, ob unter ihrer Haut nicht Zahnräder die Glieder antreiben. Sogar am Trapez behält Celia Mendizabal ihren poetisch-mechanischen Zauber bei. Dieses Duo ist eine wirkliche Entdeckung.

Auch mit den Clowns der Familie Tony Tonito aus Spanien hat Carl Busch einen guten Griff getan. Die Tonitos machen schon in der dritten Generation Späße - in klassischer Zirkusmanier, also mit einem klugen Weißclown, der am Ende immer der Gelackmeierte ist. Und mit einem dummen sowie mit einem saudummen August. Letzterer ist elektrisch geladen und schafft es, aus der Ferne eine Lampe durch Fingerschnippen an- und auszuschalten. Die drei Spanier bilden eine lustige Truppe, die auch Zuschauer in ihre Nummern einbindet, ohne diese allerdings zu beschämen.

Illusion und Zauberei, Artistik und Gesang

Sogar Illusion bietet der Weihnachtszirkus von Carl Busch auf. Dennis Rush ist einer der wenigen Zauberer in Deutschland, die sich auf Groß-Tricks spezialisiert haben. Mit David Copperfield kann sich der aus einem Ort bei Karlsruhe stammende Rush gewiss nicht messen. Aber er vermag wie dieser, in verblüffender Weise schöne Damen ins Nichts verschwinden zu lassen. Für das intime Zirkuszelt, das 600 Zuschauer fasst, hat seine Zauberei genau die richtige Dimension.

Artistik darf bei einem Weihnachtszirkus nicht fehlen. Der Deutsch-Spanier Amando balanciert in seiner Rola-Rola-Nummer auf Rollen. Dass das eine nicht ganz einfache Kunst ist, ließ sich während der Premiere am Dienstagabend bei einem eleganten Sturz beobachten. Umso größer war der Applaus, als seine waghalsige Übung dann doch klappte. Vielleicht war aber alles auch nur ein Scheinsturz. Über der Manege schwebt die Artistin Lijana an Seidentüchern, und Kollegin Ninia lässt brennende Reifen um ihre Hüften kreisen.

Auf ein Orchester verzichtet Carl Busch. Dafür tritt eine Sängerin auf. Alexandra Gerbey aus der Ukraine kann sich zwar nicht mit der Callas messen. Aber hat die Callas jemals Verdi am Trapez gesungen?

Der 1. Frankfurter Weihnachts-Circus von Carl Busch ist bis zum 6. Januar im Zelt auf dem Grundstück Borsigallee 24 vor dem Park-and-Ride-Parkhaus zu sehen. An Werktagen, also auch am 24.Dezember, findet um 16 Uhr eine Vorstellung statt. An Sonn- und Feiertagen sind Shows um 14.30 Uhr und 18 Uhr angesetzt. Hotline 0177/ 2746896. Haltestelle Kruppstraße der U4 und U7.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 20.12.2012, 12:00 Uhr

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