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„Yamato“ Hochleistungssport für die Seele

 ·  Es wird wieder in rasender Geschwindigkeit um die Wette getrommelt: Das japanische Trommelensemble „Yamato“ kommt mit seinem neuen Programm „Shin-On“ in die Alte Oper.

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Das Ungetüm ist mannshoch und wiegt fast 500 Kilogramm. Die japanische O-Daiko erscheint in der Welt der Schlaginstrumente wie ein Riese unter Zwergen. Trotz der gewaltigen Ausmaße ist diese fassförmige Trommel nicht ohrenbetäubend laut. Doch die Vibrationen, die der Trommelschlag auslöst, sind am ganzen Körper zu spüren. Die O-Daiko ist wegen ihrer Größe die augenfälligste, aber längst nicht die einzige unter den vielen klassischen japanischen Trommeln, die unter dem Begriff Taiko geführt werden.

Ursprünglich wurden die Trommeln bei religiösen Ritualen und Festlichkeiten geschlagen, bevor im 20. Jahrhundert die Trommel-Musik sich zu einem eigenen Genre entwickelte. Doch ihre heutige Popularität erlangte die Taiko-Musik erst in den vergangenen Jahren, als sich viele Japaner wieder für traditionelles Brauchtum zu interessieren begannen.

Energie und Kraft

Masa Ogawa war als junger Mann Anfang der neunziger Jahre auch eher von den Ausmaßen einer großen Trommel im Shintoschrein seines Heimatdorfes fasziniert, als dass er sich damals schon für die Musik begeistert hätte. Eher spontan kam die Idee, mit einigen Freunden ein Trommelstück einzustudieren, das sie dann im Schrein aufführten. Aus der Idee ist längst Masa Ogawas Lebensinhalt geworden und aus dem Projekt die international wohl bekannteste japanische Taiko-Gruppe, „Yamato – The Drummers of Japan“.

Obwohl sich „Yamato“ ganz bewusst in die mehr als 1500 Jahre alte Tradition der Taiko stellen, klammerten sie die religiösen oder auch metaphysischen Aspekte dieses klassischen Trommelspiels in ihren bisherigen Shows weitgehend aus. Ogawa, der die Gruppe 1993 in Nara gründete und ihr heute als künstlerischer Leiter vorsteht, sah seine Kompositionen eher als eine neue Form der Volksmusik. Mit dem jüngsten Programm „Shin-On“, das „Yamato“ derzeit auf einer Europa-Tournee präsentieren, hat sich diese Sichtweise etwas geändert. „Shin-On“ heißt „Herzschlag“ und meint den Schlag, der „die Seele trifft und den Schlag des menschlichen Herzens mit dem göttlichen Schlag der Trommel übereinstimmen lässt. Auf diesen Ursprung wollten wir die Show zurückführen“, erklärt Ogawa das Konzept.

Als Symbol von Energie und Kraft steht die O-Daiko im Zentrum der Show. Geschlagen wird sie von Takeru Matsushita, seit mittlerweile mehr als einem Jahrzehnt bei „Yamato“ dabei und nach Ogawas Rückzug von der Bühne nunmehr auch der Frontmann der zehn Trommler. Matsushitas muskulöse Arme künden davon, dass „Yamato“-Shows trotz aller meditativen Momente eben doch auch Sportfeste sind, bei denen gesprungen, getanzt und – zum Entzücken des Publikums – immer wieder in rasender Geschwindigkeit um die Wette getrommelt wird.

Training von früh bis spät

Das perfekte Zusammenspiel der Bewegungsabläufe der Musiker ist Resultat eines harten Proben- und Trainingsprogramms, das die Ensemble-Mitglieder nahezu rund um die Uhr fordert. Die Tage beginnen mit gemeinsamem Joggen, dem sich nach dem Frühstück das Krafttraining anschließt, bei dem die kleineren Trommeln, die Shimedaikos, als Gewichte zum Einsatz kommen. Nach dem Mittagessen wird intensiv an den Stücken geprobt und wem dann immer noch nicht die Arme lahm sind, der kann nach dem Abendessen noch mit Einzeltraining fortfahren.

Was sich nach gewaltigem Drill anhört, ist für die Mitglieder von „Yamato“ Mittel zum Zweck. Nur mit entsprechender Fitness kann die Gruppe die langen Tourneen mit etwa 150 Auftritten im Jahr bewältigen. Zwar hat „Yamato“ in Asuka mittlerweile ein Ausbildungs-, Proben- und Wohngebäude errichtet, in dem auch der Nachwuchs trainiert wird, doch einen Austausch des Ensembles gibt es während der Tourneen im Grunde nicht. Nur im Falle ernsthafter Erkrankungen oder Verletzungen würde eventuell ein Ersatz eingeflogen werden, doch mit solch einem Problem war „Yamato“ in den vergangenen Jahren noch nie konfrontiert. Wer ständig die O-Daiko durch die Gegend wuchten muss, hat wahrscheinlich ohnehin die Kraft der zwei Herzen.

Und wie Ogawa im Gespräch noch mit einem zufriedenen Lächeln anmerkt, wird der Ton der Taiko-Trommeln neuerdings auch bei Therapien eingesetzt: „Yamato“ auf Krankenschein sozusagen. Auch ohne akute Therapiebedürftigkeit ist „Yamato“ demnächst in Frankfurt zu erleben.

Von 29. August bis 3. September ist „Shin-On“ in der Alten Oper zu sehen. Am Samstag gibt es außerdem eine Nachmittagsvorstellung um 16 Uhr, am Sonntag eine um 14 Uhr.

Quelle: F.A.Z.
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Von Matthias Alexander

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