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Whitney Houston in Frankfurt Mit einem bisschen Hilfe der Fans

01.06.2010 ·  In London sind viele Fans entsetzt aus ihren Konzerten gelaufen. In der Frankfurter Festhalle feiert Whitney Houston dagegen einen Etappensieg. Auch wegen der Geduld des Publikums.

Von Michael Köhler
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Dunkle Wolken ziehen am Abendhimmel auf. Nicht nur über dem Rhein-Main-Gebiet. Auch die in den vergangenen Monaten so desaströs in Ungnade gefallene amerikanische Entertainerin Whitney Houston führt die Regenbringer mit im Gepäck. Allerdings nur dezent in Form eines Videos für die Atmosphäre im Hintergrund. Auf einer runden Leinwand, die wie ein gigantisches Spiegeltor in eine ferne Märchenwelt wirkt, tobt sich die Schlechtwetterfront aus.

Derweil gospelt die 46 Jahre alte Sangesdiva herrlich inbrünstig die Ballade „Didn’t Know My Own Strength“. Ein spätes Selbstbekenntnis, das absolut glaubhaft wirkt. Inzwischen hat „Miss Houston“, wie eine sonore Stimme aus dem Off die Sängerin ankündigte, die letzte deutsche Station einer ellenlangen Welttournee, die vor Monaten im fernen Japan unter denkbar ungünstigen Vorzeichen startete, schon nahezu abgehakt.

Bitten von Fans und angebliche Schulden

Nicht erst seit sich Houston anschickte, auf Drängen ihres Mentors Clive Davis, den Bitten der Fans angeblich auch aufgrund hoher Schuldenberge nach jahrelanger Bühnenabstinenz zu entsprechen und ein Comeback zu wagen, sammelt sie negative Schlagzeilen. Drogen und Alkohol, unschöne Gerichtsprozesse, Prügel vom Ehemann samt anschließender schmutziger Scheidung sind vor aller Augen in ihrem Leben geschehen.

Derzeit untergräbt die seit 1985 ungeheuer erfolgreiche Künstlerin ihren guten Ruf von einst mit zwei weiteren großen Schwierigkeiten: Zumindest in Teilen hat sie ihre einstige Fünf-Oktaven-Stimme eingebüßt, auch optisch hat der Lebensstil der vergangenen Jahre sie geprägt. Beides kann Whitney Houston in der mit rund 4200 Zuschauern unterbesetzten Festhalle nicht entkräften. Doch liefert die einst als „The Voice“ Apostrophierte in knappen 90 Minuten auch kein weiteres Debakel wie bei den vorigen Stationen ihrer Tour.

Feuchte Hautpartien

Schweiß steht Whitney Houston schon zum Eröffnungssong „For The Lovers“ auf der Stirn. Feuchte Hautpartien tupft sie ungeniert trocken – längst hinüber ist der makellose Glamour ihrer Glanzzeit. Dazwischen schneuzt sie sich in die stets griffbereiten Taschentücher. Um jeden Ton ringt sie gequält mit verquollen-müdem Gesichtsausdruck, als leide sie an Allergien oder gar Ärgerem. Das Letzte an Kraft und Würde presst der ehemalige Männerschwarm der Generation Golf aus sich heraus und erzielt, immerhin, einen Etappensieg.

Keine wirklich nennenswerten Ausfälle gilt es zu verzeichnen, auch wenn die Stimme arg angegriffen wirkt und Houston ausgerechnet beim gefühlvollen „I Will Always Love You“ ein wenig patzt. Aber mit dem episch in die Länge gezogenen Unplugged-Medley, das auch noch im tadellosen Zustand „Saving All My Love“, „Greatest Love Of All“, „I Learned From The Best“ und den Gänsehaut-Spiritual „I Love The Lord“ serviert, macht Whitney Houston den Lapsus wieder wett.

Geduldiges Frankfurter Publikum

Großen Anteil am Gelingen der heiklen Mission hat nicht nur das Ensemble inklusive gemischtem Chorquartett. Ohne das geduldige Frankfurter Publikum, das nicht wie anderenorts lauthals buht oder gar vorzeitig den Saal verlässt, sondern dem innig verehrten Superstar bedingungslose Liebe entgegenbringt, mit Zwischenrufen Mut macht und Durchhaltewillen zeigt, gelänge Whitney Houston nicht das Unmögliche. Fragt sie anfänglich noch zaghaft: „Are you with me?“, wirkt sie wenig später selbstsicher, wenn sie bekennt: „Tonight, I’m feeling good“.

In drei mehr oder minder unvorteilhaften Outfits präsentiert sich Whitney Houston. Selbst an Choreographien wie wir sie von Beyoncé und Co. gewohnt sind, wagt sie sich im Gespann mit vier muskulösen Tänzern heran – auch wenn ihre tänzelnden Schritte mitunter an das Watscheln eines Pinguins erinnern. Ein wenig viel Geplauder leistet sie sich. Mitunter minutenlang. Intimität versucht sie zu erzeugen, wenn sie reichlich banal an ihre Freundschaft mit Michael Jackson erinnert: „He called me Whitney, I called him Michael“. Für die Fans und für sie zählen letztlich nur überschwenglicher Beifall über Minuten und „Whitney, you’re the best“-Rufe, bis das Hallenlicht längst wieder gnadenlos die Realität illuminiert.

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