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Veröffentlicht: 08.05.2017, 17:22 Uhr

Tini in Frankfurts Festhalle Violetta lebt ihren Traum

Als Hauptdarstellerin einer Telenovela ist Tini weltberühmt geworden. Nun verzückt sie ihre Fans in der Festhalle zu Frankfurt.

von Michael Köhler
© Junker, Patrick Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin: Tini in der Festhalle

Die jungen Mädchen im Alter zwischen sieben und vierzehn Jahren vor der Frankfurter Festhalle strahlen Glückseligkeit aus. Viele sind wie Prinzessinnen verkleidet, tragen eingedrehte Locken, posieren mit Glitzerstaub im Antlitz und dem aufgetragenen Schriftzug „Tini“ auf rosa Wangen. Für die noch ungeschminkten Konzertbesucherinnen besorgt das vor der Halle professionell ein Make-up-Service. In der Festhalle halten alle aufgeregt die Smartphones in die Höhe, schießen wackelige Fotos vom Bühnengeschehen oder zeichnen es als Video auf. Textsicher singt der Saal ganze Strophen von spanisch- oder englischsprachigen Popsongs mit. Die Eltern sitzen derweil daneben und teilen die Glücksmomente ihrer Augensterne.

Nicht wenige der vielen minderjährigen Besucher wissen am frühen Samstagabend ohnehin längst, was da rund neunzig Minuten lang auf sie zurollen wird. Stunden zuvor, kurz nach der Mittagsessenszeit, absolvierten sie schon einmal die gleichen Rituale: Mit unermüdlicher Leidenschaft brüllten sie kollektiv „Tini, Tini“, hielten „Tini I Love You“Transparente in die Luft oder schwangen regenbogenfarbene Leuchtstäbe hin und her.

Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin

Wer in Zeiten kultureller Globalisierung möglicherweise doch noch nicht von Tini gehört haben sollte, befrage einfach die jungen Töchter im familiären oder nachbarlichen Umfeld. An den Wänden von deren Jugendzimmern hängen gewiss Poster von Tini. Die heißt mit bürgerlichem Namen Martina „Tini“ Stoessel und ist eine argentinische Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin. Seit der deutschen Erstausstrahlung einer argentinischen Kinder-Telenovela namens „Violetta“ in drei Staffeln zu insgesamt 240 Folgen auf dem Disney Channel ist seit dem Jahr 2014 auch hier die Fangemeinde stetig gewachsen. Stoessel verkörperte von 2012 bis 2015 die Hauptrolle in der Serie und drehte parallel serienbezogene Kinofilme: Darin ist sie als Violetta Castillo die Tochter eines alleinerziehenden Vaters. Ihre Mutter, ein berühmter Gesangsstar, verstarb früh. Mit ihrem Vater zieht sie von Madrid nach Buenos Aires. Dort nimmt sie gegen den Willen des Vaters heimlich Klavierstunden an der Musikschule Studio 21. Ähnlichkeiten zu „Hannah Montana“, jener Serie, mit der einst die Karriere von Miley Cyrus begann, sind dabei durchaus beabsichtigt.

Nach dem Ende der Telenovela nahm Stoessel die gleiche Abzweigung wie Kollegin Cyrus: eine nach dem Vorbild Madonna aufgebaute Sangeskarriere. In der Festhalle trumpft die zwanzig Jahre alte Tini in rund einem Dutzend reichlich knapper Kostümierungen auf. Mit reichlich nackter Haut, wie sie auch die Showgirls in Las Vegas zeigen, macht sie Stars wie Britney Spears und Christina Aguilera Konkurrenz. Tinis Songs, zumeist im wuchtigen Techno-Disco-Beat gehalten, sind stimmlich einwandfrei interpretiert und werden von einem Chor unterstützt. Das Programm setzt sich aus Stücken vom im vergangenen Jahr veröffentlichten Solodebüt „Tini“, reichlich „Violetta“-Material sowie Coverversionen von Beyoncé-, Idina- Menzel- und Justin- Bieber-Songs zusammen. Etwa zur Halbzeit des Konzerts darf ein Akustikset nicht fehlen.

Vielköpfige Tänzertruppe zur Seite

Die hymnischen Songs, die fotogenen Posen und die dramatische Inszenierung der abwechslungsreichen Show lassen an die Übertragungen des Eurovision Song Contest denken. Für Lieder wie „Don’t Cry For Me“, „Si Tú Te Vas“, „All You Gotta Do“ oder „Sigo Adelante“ würde Tini sicherlich „Douze Points“ kassieren, dürfte sie denn an diesem Wettbewerb teilnehmen. Für die Beschallung sorgt eine ganz in Weiß gekleidete Begleitband. Für zahlreiche Choreographien steht der überschlanken Tini, die sich nach jedem Song polyglott mit „Gracias“, „Danke schön“ und „Thank You“ bedankt, eine vielköpfige Tänzertruppe zur Seite.

Untermalt wird die nach einem exakten Zeitplan absolvierte Show mit jeder Menge Videoclips aus sämtlichen Karrierephasen. Als interessant erweisen sich vor allem jene Momente, als der noch unentdeckte Teenager zu Hause in der heimischen Küche singt, lacht, tanzt und Faxen macht. So starten also Weltkarrieren, mag sich der eine oder andere im Publikum denken und Martina Stoessel alias Tini vielleicht demnächst nacheifern wollen.

Klare Ansage an Immobilien-Investoren

Von Matthias Alexander

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