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Verlage Russisch Brot und Träume

25.05.2009 ·  Seit 20 Jahren ist es ein bewährtes Konzept: Alle zwei Jahre treffen sich die kleinsten unter den Verlagen bei der Mainzer Minipressenmesse. Viel Geld verdient jedoch keiner von ihnen mit seinem Messestand.

Von Friederike Haupt, Mainz
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Diese sechzig Menschen haben einen Traum. Während vom Privatfernsehen sozialisierte Teenager Deutschlands gesuchtester Superstar oder das nächste Topmodel werden wollen, träumen sie, die an diesem Nachmittag im Erbacher Hof in Mainz mit ihren Notizblöcken rascheln, den großen Bildungsbürgertraum vom eigenen Buch. Die Mainzer Minipressenmesse soll ihn in greifbare Nähe rücken, vor allem der Vortrag „Wie vermarkte ich mein Manuskript?“.

Vorn steht Sandra Uschtrin, die Fachbücher und eine Literaturzeitschrift herausgibt, und macht sich ans Desillusionieren. Erstens: Große Verlage bekommen jede Woche 400 unverlangt eingesandte Manuskripte. Zweitens: Die Chance, dass das 401. besondere Beachtung findet, ist eher gering. Drittens: Es gibt ja viele schöne Berufe, nicht nur den des Schriftstellers. „Gehen handgeschriebene Manuskripte?“ will eine zierliche Frau mit wallendem Haar wissen. Uschtrin: „Geht gar nicht.“ Enttäuschung im Publikum. Sie wollen doch alles richtig machen: Zeilenabstand, Schriftgröße, Mappe. Was ist denn nun das Richtige? In der vorletzten Reihe werden Erdbeeren herumgereicht, leise tuscheln zwei Frauen, andere bringen mit dem Füllfederhalter Merkenswertes aufs Papier. Nach zwei Stunden ist der Vortrag zu Ende: Dann geht es zu den Messezelten am Main, in die Sonne, dorthin, wo Bratwurstduft den Träumer in der Nase kitzelt.

Mehr geblättert als gekauft

Alle zwei Jahre, vier Tage lang, treffen sich nur kleine und Kleinstverlage: Das ist das Konzept der Mainzer Minipressenmesse, die in diesem Jahr zum 20. Mal stattgefunden hat. Das Konzept geht auf. Diesmal sind 360 Aussteller und Tausende Besucher in den zwei weißen Riesenzelten zusammengekommen. Großes Gewusel, große Freude über jeden Interessierten an den Ständen. Die Faustregel: Wer länger als zehn Sekunden ein Buch mustert, befindet sich gleich mitten in einem Gespräch darüber. Dazu bewirtet mancher Verleger seine Gäste mit Russisch Brot in Buchstabenform. Günther Fiedler offeriert Sprudel, gut gekühlt, „ab 17 Uhr auch Sekt“.

Der Leverkusener arbeitet als Buchbindermeister und präsentiert auf der Messe seine „Seemannspost“, kleine Notizblöcke mit Einbänden aus buntbeklebten Briefumschlägen, fünf Euro das Stück, handsigniert. Fiedler, mit Kapitänsmütze, „weil ich direkt am Rhein wohne“, erzählt gern aus seinem Leben – so halten es fast alle Aussteller. Viel Geld verdient keiner von ihnen mit seinem Messestand. „Unsere Bücher sehen auch in Ihrem Regal gut aus“, wirbt ein Schild. Trotzdem wird mehr geblättert als gekauft.

Fast schon ein Riese

So ist es auch am Tisch von Alex Czinczel, die in London ihren Master in „Printmaking“ macht und extra für die Messe angereist ist. Dabei verkauft sie Sachen, die jedes Mädchenherz höherschlagen lassen: Kalender, Leporellos, genähte Tierchen. Spaß macht ihr der Besuch in Mainz trotzdem, und alte Bekannte von anderen Messen hat sie auch schon erspäht. Beliebter Treffpunkt der Literaturfreunde ist aber nicht nur die Messe; auch bei den Lesungen, die abends um Besucher konkurrieren, werden gern Hände geschüttelt, Visitenkarten getauscht, Happen genascht und – auch das – Autoren vorgestellt.

Der Mainzer Verleger André Thiele schenkt Rosé in der Galerie „ka5“ aus, bevor sein Schützling Mathias Ullmann aus seinem Debütroman „Josephsmacher“ liest. Thiele war in diesem Jahr zum ersten Mal Aussteller statt Besucher, seinen Verlag gibt es erst seit 2005. „Wir wollen kein Kleinverlag bleiben“, sagt er. Doch mit seinen verschiedenen Autoren und Veröffentlichungen ist er auf der Mainzer Minipressenmesse fast schon ein Riese.

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