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Ulrich Peltzer ist Stadtschreiber von Bergen-Enkheim Die andere Stadt

 ·  Von Donnerstag an ist Ulrich Peltzer Stadtschreiber von Bergen-Enkheim. Im Literaturhaus verriet er am Mittwoch, weswegen Frankfurt für ihn eine echte Metropole ist.

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Um zu wissen, ob er in einer Stadt leben kann, reichen Ulrich Peltzer zwei Blicke – einer auf die Speisekarten, der andere auf die Immobilienanzeigen. Sein Rezept für schnelles Städte-Scouting verriet der in Berlin lebende Schriftsteller im Literaturhaus Frankfurt, wo Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) und Ortsvorsteher Helmut Ulshöfer (Die Grünen) Peltzer als neuen Stadtschreiber von Bergen-Enkheim vorstellten.

Was der 1950 in Krefeld geborene Autor in den vergangenen zwei Jahren in Frankfurt an Immobilienannoncen und Speisekarten gesehen hat, scheint ihn nicht abgeschreckt zu haben. Mehrfach ist Peltzer in dieser Zeit am Main zu Besuch gewesen, um zusammen mit dem Regisseur Christoph Hochhäusler für das Drehbuch zu dessen Film „Unter Dir die Stadt“ zu recherchieren. Am Dienstag sind die Frankfurter Dreharbeiten für das Werk zu Ende gegangen. Was Peltzer bei seinen Gesprächen mit den Angestellten und Managern von Frankfurter Banken hat lernen können, in deren Kreis die Dreiecksgeschichte angesiedelt ist, wird ihm aber auch noch beim Schreiben seines nächsten Romans von Nutzen sein. Die Geschichte eines Sales Managers von Mitte fünfzig handele davon, wie viel Geld man brauche, um glücklich zu sein, und was das Glück ausmache, sagte Peltzer. An der literarischen Beantwortung dieser für seine Romane typischen Fragen will Peltzer in seiner Zeit als Bewohner des Berger Stadtschreiberhauses weiterarbeiten.

Peltzer studierte Philosophie und Sozialpsychologie

Welcher Zusammenhang zwischen den klaren Tatsachen der wirklichen Welt und den unendlich feinen Schattierungen des menschlichen Bewusstseins besteht, hat Peltzer schon immer fasziniert. Er debütierte 1987 mit dem Berlin-Roman „Die Sünden der Faulheit“, dem Buch über eine Stadt, die er kannte, seit er Westdeutschland zwölf Jahre zuvor verlassen hatte, um im damaligen West-Berlin Philosophie und Sozialpsychologie zu studieren.

Sein bislang letzter Roman, „Teil der Lösung“, kam vor zwei Jahren heraus. Noch immer sind die Geschichten, die er in seinen Romanen erzählt, gesättigt mit den Spuren, die das, was sich an politischen und sozialen Entwicklungen gerade ereignet, im Leben der Menschen hinterlässt. Dabei geht es ihm weniger um die Wiedergabe von Ereignissen und Handlungen als um die Formen, die sie zur Folge haben – in einer Seele oder einem Buch.

„Die Frage nach den Lebensumständen des Protagonisten ist immer eine poetologische Frage“

Ihm gehe es darum, eine Sprache zu finden, die Korrespondenzen aufmache zwischen der Welt und den Figuren des Romans. „Die Frage nach den Lebensumständen des Protagonisten ist immer eine poetologische Frage.“ Dass Peltzer, der darauf achtet, wie sich die Welten, in denen seine Figuren leben, in deren Gedanken und Bewusstsein niederschlagen, auch ein geübter Beobachter Frankfurts ist, verriet seine scharfsichtige Bemerkung, einerseits verfüge die Stadt über ein außerordentliches Angebot an Hochkultur, andererseits brauche sie wie jede Kommune einen gewissen Humus, aus dem sich die Hochkultur speisen könne, der ihr aber fehle.

Ansonsten jedoch war der Berliner Schriftsteller voll des Frankfurt-Lobes. Nirgendwo in Deutschland sei die „Dynamik von internationaler Finanzwelt und internationalem Prekariat“ so stark ausgeprägt wie hier. Nach dem Gespräch mit dem Vorstand einer Großbank lande man 150 Meter weiter in einem ganz anderen politischen und sozialen Milieu. Dass die Stadt es schaffe, ihre enorme Vielfalt und Heterogenität auszuhalten, mache sie zu einer echten Metropole. „Es ist ein Pfund, mit dem sie viel zu wenig wuchert.“ Das klingt ganz danach, als habe Frankfurt einiges zu bieten, was zumindest zu Ulrich Peltzers Glück ein Jahr lang beitragen kann.

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Jahrgang 1972, Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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