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Tom Jones Unbegrenzte Haltbarkeit

06.10.2009 ·  Tom Jones zeigt sich mit 69 Jahren unbeeindruckt von Konventionen und Traditionen. Mit noch immer perfektem Hüftschwung und verführerischem Augenaufschlag trotzt das unverwüstliche Sexsymbol mehrerer Generationen in der seit Wochen ausverkauften Frankfurter Alten Oper dem nagenden Zahn der Zeit.

Von Michael Köhler
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Sexuelle Bedürfnisse lassen bekanntlich auch im Alter nicht nach – sie werden nur aufgrund noch immer herrschender gesellschaftlicher Tabus kaum öffentlich thematisiert. Tom Jones, walisischer Testosteronhengst alter Schule mit erstaunlichem Langzeiteffekt im schnelllebigen Showgeschäft, der programmatisch seit mehr als vier Dekaden den Beinamen „Tiger“ trägt, zeigt sich mit 69 Jahren unbeeindruckt von Konventionen und Traditionen. Mit noch immer perfektem Hüftschwung und verführerischem Augenaufschlag trotzt das unverwüstliche Sexsymbol mehrerer Generationen in der seit Wochen ausverkauften Frankfurter Alten Oper dem nagenden Zahn der Zeit.

Mehr als nur ein Hauch Las-Vegas-Flair liegt in der Luft, wenn der virile Entertainer in perfekt nostalgischen Kulissen wie aus dem Fundus der einst populären ZDF-Reihe „Starparade“ nicht nur die Damenwelt betört.

Luftbefeuchter für die kostbare Stimme

Mit neuerdings natürlich ergrautem Haupthaar und Kinnbart besitzt Tom Jones noch immer genügend Anziehungskraft – da gerät der ausführliche Querschnitt durchs Repertoire mit nicht allzu vielen Zugeständnissen an die Vergangenheit fast zur Nebensache, besticht der ehemalige Staubsaugervertreter aus Trefforest, Pontypridd, doch in erster Linie durch Qualität, Talent und Selbstironie. Schlicht virtuos beschwört das zehnköpfige Ensemble inklusive zweier fabelhafter Chordamen in knappen Mary-Quant-Minikleidern mit luftigen Arrangements die Swinging Sixties und klingt doch vor allem eines: zeitlos.

Wie sehr Tom Jones auch im reifen Pensionsalter noch die künstlerische Herausforderung sucht, unterstreichen zahllose Auszüge aus dem aktuellen, zum Teil erstmals selbst komponierten Album „24 Hours“. Geflissentlich achtet der Sänger, der auf Tournee seine kostbare Stimme täglich mit einem Luftbefeuchter in Form hält, darauf, nicht das Etikett „Oldie“ angeheftet zu bekommen.

Tadelloses Stimmvolumen

Statt mit einem seiner zahllosen Evergreens bestreitet Jones den Auftakt mit dem exklusiv von den U2-Mitgliedern Bono und The Edge für ihn komponierten „Sugar Daddy“ – eine ironische Bestandsaufnahme über seinen Werdegang als berüchtigter Womanizer im Rhythm-’n’-Blues-Stil. Wohl auch deshalb, weil das Image des charmanten Verführers 2006 ad absurdum geführt wurde: Von Queen Elizabeth II. wurde er zum Knight Bachelor geschlagen, von der eigenen Gattin Linda, mit der er seit 52 Jahren verheiratet ist, setzte es wegen allzu intensiver außerehelicher Aktivitäten Hiebe.

Selbstverständlich greift Tom Jones mit nach wie vor tadellosem Stimmvolumen auch auf seine Klassiker zurück: Schon beim dritten Song schunkelt das Auditorium zünftig im Dreivierteltakt, wenn „Delilah“ ein weiteres Mal vom eifersüchtig Gehörnten gemeuchelt wird.

Treffendes Porträt über sich selbst

Zur Hochform läuft Jones bei „I’ll never fall in love again“, „It’s not unusual“ und „What’s new, Pussycat“ auf. Letzte Zweifler überzeugt ein Country-Akustik-Set mit „He’ll have to go“ und „Green, green grass of home“. Wie maßgeschneidert auch der Ausflug in den Memphis Soul mit Otis Reddings „Hard to handle“. Da wirken Publikumsfavoriten aus späteren Phasen wie „Kiss“ und „Sex Bomb“ in rasanten Techno-Versionen fast schon ein wenig zu gewöhnlich.

Messerscharf schildert Tom Jones den Charakter von James Bond in der 007-Hymne „Thunderball“ und gibt gleichzeitig auch ein treffendes Porträt über sich selbst ab: „His days of asking are all gone. His fight goes on and on and on. But he thinks that the fight is worth it all.“

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