28.07.2010 · Die Puppenspielerin Miriam Hilpert betreibt in Frankfurt das „Theater aus dem Koffer“ und zeigt im Gallus-Theater „Der Kleine aus dem All“.
Von Jürgen Richter, FrankfurtZwischen Abfall und Fundsachen ragt eine komplizierte Konstruktion aus Zahnrädern, Ketten, Kurbeln und einem Fernrohr empor. Sie schafft die Verbindung zu fernen Planeten und öffnet den Weg zu begehrten Rohstoffen. Doch an Stelle wertvoller Metalle beamt die kleine Forscherin Lisa einen grünen Drachen zur Erde. Der passt mit seiner Bilderbuchoptik perfekt zur Zielgruppe der Kinder von drei Jahren an, für die Miriam Hilpert sich ihr Puppentheaterstück „Der Kleine aus dem All“ ausgedacht hat.
Hilpert, die abwechselnd die phantastischen Gestalten und Geräte in Bewegung setzt, bringt das grüne Kuschelmonster mit einer blauen Ratte zusammen, die sich als ebenso sympathisch erweist. Nur eine kapriziöse Holzwurmdame widersteht der allgemeinen Harmonie, obwohl sie ebenso originell und handzahm ist wie ihre beiden Mitspieler. Gestaltet hat Hilpert, die als Puppenbauerin zu ihrem Metier gekommen ist, alle drei. Mit abgerundeten Körpern und großen Sinnesorganen sind ihre Figuren auf Freundlichkeit und Kontaktfreude geradezu programmiert.
Puppenbaukurse für Kinder
Hilpert ist während des Studiums der Kunstgeschichte durch Ferienjobs in den Semesterferien zum Figurentheater gekommen. Beim Frankfurter Klappmaul-Theater machte sie ein Praktikum. Dort war sie vor allem für Bühnenbild und Puppengestaltung zuständig, konnte ihre Schneiderausbildung umsetzen und ihre Liebe zur plastischen Gestalt verwirklichen. Caruso, den tragischen Clown aus dem Stück „Eiszeit“, hat sie aus dieser Zeit als Lieblingsfigur in Erinnerung. An drei Produktionen der Truppe war sie als Spielerin beteiligt. Auch für andere Bühnen hat sie Figuren entworfen und gebaut, kam damit aber nicht auf ihre Lebenshaltungskosten.
Für die Bezeichnung „Theater aus dem Koffer“, den Namen ihrer kompakt ausgestatteten Bühne, gab ihr ein Kind das Stichwort. Zu ihrem Stück „Der Kleine aus dem All“ wurde sie durch ihre Arbeit als Betreuerin in einer Kindertagesstätte inspiriert. In solchen Einrichtungen bietet sie Puppenbaukurse für Kinder an, die immer mit einer kleinen Inszenierung gekrönt werden. Ihre spielerische Improvisation musste Hilpert sich allerdings von einem Regisseur dramaturgisch und erzählerisch straffen lassen. In ihrem Bruder Jakob Hilpert, der in Berlin beim Film arbeitet, traf sie auf einen Partner mit Kompetenz und Verständnis. Die Puppenspielerin, die zu Hause eine Tochter von anderthalb Jahren bei Laune hält, will ihr Kinderpublikum trotzdem weniger durch Spannung fesseln als durch jene Magie, die aus allen Theaterzutaten entsteht, von den Puppen über die Musik bis hin zum Licht. Zusammen kam das alles bei der Premiere ihres ersten Märchens, als sie nach dem Schlussapplaus Mädchen und Jungen vor und hinter die Bühne trieb, wo sie wohl die Erklärung mancher Geheimnisse erwartete.
Unterwegs auch im Dienst der Jugendzahnpflege
Ihren Start hat Hilpert durch einen Zuschuss des Frankfurter Kulturamts und die Beratung Gordon Vajens vom Theaterhaus geschafft. Seit ihrem ersten Auftritt im April hat sie zweimal im Frankfurter Gallus-Theater gastiert. Dort tritt sie in einem Monat wieder auf, Gastspiele wird es auch im Theaterhaus an der Frankfurter Schützenstraße, in Bürgerhäusern und kleinen Spielstätten geben. Nebenbei ist Hilpert mit Dieter Brunner im Dienst der Jugendzahnpflege mit unterhaltsamer Aufklärung unterwegs. Ihr eigenes Repertoire jedoch will sie nächstes Jahr mit einem neuen Stück ebenfalls ausbauen. Die Idee steht, die Ausstattung aus Dekorationen, Puppen und Schattenfiguren wird garantiert wieder in einen Koffer passen.
„Der Kleine aus dem All“ ist am 29. August von 15 Uhr an und am 30. August von 11 Uhr an im Frankfurter Gallus-Theater, Kleyerstraße 15, zu sehen.