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The XX in Frankfurt Von Rocktraditionen weit entfernt

15.01.2010 ·  Dunkel, warm und gute Stimmung: The XX überzeugen in der ausverkauften Frankfurter Batschkapp mit perfekten Arrangements. Die Band verlässt sich auf die musikalische Idee, die sie 2009 zu Lieblingen des Popbusiness und der Popfreunde machte: Ruhe und Beschränkung.

Von Sebastian Reif
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Ein halbes Jahr voller Schulterklopfen reicht, um die Schüchternheit abzulegen. Seit im August das selbstbetitelte Debütalbum von The XX erschien, haben Romy Madley Croft und Oliver Sim außerdem gelernt, dass teenagerhaftes Herumdrucksen auf der Bühne ihren Songs nicht nutzt, obschon sie gerade erst an der Schwelle zum Twen stehen. Also verlassen sie sich nun auf die musikalische Idee, die sie 2009 zu Lieblingen des Popbusiness und der Popfreunde machte: Ruhe und Beschränkung. Und sie verlassen sich auf ihren Hausproduzenten Jamie Smith hinter ihnen am Pult mit den digitalen und elektronischen Instrumenten, der seit dem Ausscheiden des vierten Mitglieds Baria Qureshi im Herbst um so wichtiger geworden ist.

Dunkel und warm ist es in der ausverkauften Frankfurter Batschkapp, die Stimmung hervorragend während der 55 Minuten, die dieses Konzert nur dauert. Zwei Xe leuchten auf der Bühne unter dem Pult hervor. Überhaupt kommt das Licht oft von unten, strahlt monochrom in Blau oder Weiß von hinten an dem Trio aus London vorbei in den Raum, was das gezügelte Tempo der Songs ins Erhabene steigert. Das „Intro“ des Albums ist auch als Konzertbeginn perfekt.

Gebremster Groove

Ein tiefes Brummen breitet sich aus, erst vom Pult, dann aus Sims Bass, von Madley Croft folgt das kleine Gitarrenmotiv im dünnen Achtziger-Sound, dann der Beat im richtigen Moment und schließlich der wiegende Chorgesang der beiden. Das reicht, um den Ton zu setzen, der gleich im Anschluss von der Single „Crystalized“ weitergetragen wird. So macht das in dieser Zeit, in der breite Gitarren und zappelige Beats vorherrschen, keine zweite Popband. Es hat eine ähnliche Wirkung wie vor 30 Jahren, als das Cardiffer Trio Young Marble Giants mit trocken-zarten Liedern den Lärm von Spätpunk und New Wave überragte.

Sicher, die Gitarren und Beats der frühen The Cure sind hier auch zu vernehmen. Überhaupt kommt kaum ein Zuhörer umhin, die Referenzmaschine anzuwerfen, ob Madley Croft in Stimme und Aussehen überraschend an Tracey Thorn vom Duo „Everything But The Girl“ erinnert oder die neue Single „VCR“ in Melodie und Inhalt mit DavidBowies „Heroes“ spielt. The XX halten dennoch unbeirrt ihre Liebe zum R & B dagegen. Sie entwickeln sie sogar weiter, indem sie mittlerweile auf ihre Aaliyah- und Womack-&- Womack-Coverversionen verzichten und sich stattdessen die aktuelle R-&-B-Rappel-Nummer „Do you mind“ von Kyla aneignen – im um die Hälfte gebremsten Groove.

Tanzender Stepper-Remix

Ihren feinen Sinn für Grooves beweisen sie häufiger, erst recht mit der zehn Minuten dauernden Version von „Infinity“. Das Stück bäumt sich gegen Ende in eine regelrecht existenzialistische Schwere auf, die die Intensität der unglaublichen Bassfrequenzen weiterspinnt, mit denen Smith ein paar Minuten vorher den Saal zum Vibrieren brachte.

Von Rocktraditionen ist das weit entfernt. Vielmehr docken The XX damit unmittelbar an die aktuelle britische Musik rund um Dubstep und seine Folgen an. Romy Madley Croft und Oliver Sim wissen, dass Jamie Smith, der Lockenkopf unterm schwarzen Kapuzenshirt, eben nicht nur wichtig ist, sondern die Band prägt. Wohin das führen könnte, zeigt das Konzertende: Nach der ersten Zugabe bleibt das Licht aus, doch statt eines zweiten Livestücks knallt aus den Boxen Smiths tanzender Stepper-Remix von „You’ve Got The Love“, im Original von Florence & The Machine. Diesem Club-Hit werden bestimmt bald eigene von The XX folgen.

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