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Status Quo : Drei Akkorde reichen

  • -Aktualisiert am

Sie suchen den vierten Akkord, wie sie witzeln: Rick Parfitt (links) und Francis Rossi von Status Quo Bild: AP

Was den Rock 'n' Roll von Elvis Presley in der Frühzeit auszeichnete, genügte „Status Quo“ für eine 42 Jahre währende Karriere: ganze drei Akkorde. Auf der Suche nach dem vierten Akkord gastiert die Boogie-Rock-Institution in Deutschland.

          Was den Rock ’n’ Roll von Elvis Presley in der Frühzeit auszeichnete, genügte „Status Quo“ für eine 42 Jahre währende Karriere: ganze drei Akkorde. Auf der Suche nach dem vierten Akkord gastiert die Boogie-Rock-Institution in der Frankfurter Jahrhunderthalle Höchst.

          Mit einem Hauch Selbstironie betitelte das britische Quintett sein 33. Album „In Search Of The Fourth Chord“ – und produzierte doch wieder eine Handvoll Songs, die genau diese Suche vermeiden. Eine wie immer auch geartete Entwicklung erwartet ohnehin keiner mehr von Francis Rossi, Rick Parfitt und ihren drei Kollegen: weder die treuen Fans noch erbitterte Gegner. Wozu auch – mit dem Uralt-Blues-Schema haben die Musiker mehr als 110 Millionen Alben verkauft und sich hübsche Villen an exotischen Orten gebaut.

          Schwimmen auf der Retro-Tour-Welle

          Da kann man sich dann auch vor dem Publikum der Jahrhunderthalle mal wieder zum Horst machen, in der Uniform von Jeans, Turnschuhen, Hemd Verrenkungen wagen und breitbeinig auf abgegriffener Uralt-Telecaster Hymnen aus drei Jahrzehnten schrammeln. Oder wie wild den nicht mehr gar so behaarten Kopf schütteln. Die Illusion in schlichtem weißen Ambiente erfüllt noch immer ihren Zweck, auch wenn nicht mehr ganz so viele Zuhören wie zu Karriere-Hochzeiten. Die aber haben glänzende Augen, wenn sie sich mit ihren Stars an die wilden Jugendzeiten erinnern.

          Die Recken auf der Bühne wiederum scheinen sich mit monatelangen Tourneen durch halb Europa abzulenken von langwierigen Prozessen mit ehemaligen Mitgliedern, überstandenem Entzug und schwierigen Bypassoperationen. Wie man vermeidet, dass im Großväteralteralter Langeweile aufkommt, lernen auch „Status Quo“ offenbar von den „Rolling Stones“, die am Anfang der Retro-Tour-Welle standen.

          Chuck Berry zum Abschluss

          „Status Quo“ enttäuschte in den vergangenen Jahren die Fans, wenn aktuelles Material die innig geliebten Klassiker verdrängte. Jetzt besinnen sich die Veteranen tatsächlich auf Tugenden von vorgestern. Mit erstaunlicher Wirkung fackeln sie ihr puristisches Feuerwerk ab. Überwiegend Hymnen der siebziger Jahre, darunter Evergreens wie „Caroline“, „Paper Plane“, „Gerdundula“ und „Down Down“ mischen sich mit gerade mal sechs Songs jüngeren Datums. Auch wenn viele glauben, zumindest diese Pionierleistung sei „Status Quo“ zuzuschreiben, als sie um 1970 vom seither komplett negierten Psychedelik-Pop zum Boogie-Shuffle wechselten, so stammt das Konzept doch von anderen. Als perfekte Blaupausen dienten den nimmermüden Briten „Canned Heats“ „Let’s Work Together“, „Steamhammers“ „Junior’s Wailing“ und „The Doors’“ „Roadhouse Blues“.

          Was bewirkt eigentlich, dass man mindestens mit dem Fuss wippen muss bei den Veteranen? Ist es die Schlichtheit der Harmonie, das chronische Beharren auf dem bewährten Drei-Akkorde-Muster, oder ist es nur der stramme Rhythmus, der so sehr an volkstümliche Marschmusik erinnert? Haben wir etwa einen Narren an Rick Parfitts stoischem Nichtgesang gefressen? Oder mögen wir Keyboarder Andy Bowns schon virtuos zu nennende Einlagen an der Mundharmonika und Akustikgitarre? „Status Quo“ jedenfalls halten das flotte Tempo gute 90 Minuten bis zum Finale durch. Rocken einmal rund um die Welt und retour. Graben „Roll Over Lay Down“, „What You’re Proposing“ und „Whatever You Want“ aus. Zum endgültigen Abschied mit Handküsschen kommt dann aber ausgerechnet jener Song, der schon ganze Generationen an Musikern beflügelte: Chuck Berrys „Bye Bye Johnny“.

          Quelle: F.A.Z.

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