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Städelschule Zitronensaft ins verkniffene Auge

 ·  Beim traditionellen „Rundgang“ der Frankfurter Städelschüler lassen sich junge Talente und ausgefallene Arbeiten entdecken. Die Variationsbreite an Inhalten und Techniken ist wie immer groß.

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Junge Künstler entfalten selbst bei den Titeln ihrer Werke viel Phantasie: Den durchaus diskussionswürdigen Satz „Good Taste is the End of Art“ hat Caroline Bühler auf eine Wand in der Städelschule über ihre Zeichnungen geschrieben, die sie auf nicht kitschfreien Gold- und Silberfolien präsentiert. „Bald wird mir die Sonne ihr Zitronenlicht ins verkniffene Auge träufeln“, lautet Silja Nordhoffs aparte Bezeichnung für eine ihrer farbenfreudigen Abstraktionen im großen Format – und daneben hat die marketingbewusste Nachwuchsmalerin einen Pappbecher mit ihren Visitenkarten befestigt.

So viel Auswahl ist selten

Kunstfreunde auf Entdeckungsreise: In großer Zahl eilten sie schon am Freitag herbei, um sich beim traditionellen Rundgang zum Ende des Wintersemesters in der Städelschule abermals nach vielversprechenden jungen Talenten umzusehen. In diesem Jahr sind es 167 Städelschüler, die ihre Gemälde, Zeichnungen, Objekte, Installationen oder Architekturmodelle ausstellen. So viel Auswahl ist selten, eine so große inhaltliche und formale Variationsbreite aber auch – die Städelschule zeigt Kontinuität.

Yuki Higashino ist eine anziehende Hommage an Clara Schumann gelungen: mit einem Porträt, einem Video ihres Domizils in der Myliusstraße und der Aussage ihres Chefs am Hoch’schen Konservatorium, wo sie von 1878 bis 1892 unterrichtete: Madame Schumann sei und bleibe an diesem Institut die einzige Frau – die er als Mann betrachte. Der fast vergessene Reiz schwarzweißer Fotografie ist in einem Raum gleich zweimal zu erleben: im Riesenformat auf Guillermo Faivovichs eindrucksvoller Aufnahme vom Arecibo Observatory. Gegenüber zeigt Samuel Forsythe seine im Wechsel von Licht und Schatten faszinierende Serie „fugue state“ mit bedruckten, in sich verschlungenen Papierfahnen.

Carmina Conradt stellt auf einem Video ihre umfänglichen Vorbereitungen für eine Fotoarbeit vor, mit der sie an der Ausstellung „Kunststudenten stellen aus“ in der Bonner Bundeskunsthalle teilnimmt. Auch der Städelschüler Flo Maak gehört zu den Auserwählten. „Off cuts, finished, unfinished“ nennt Shane Monroe ein sorgfältig an eine Wand gelehntes Ensemble von Brettern, die aus einer Portikus-Ausstellung stammen und die er nur zum Teil bearbeitet hat. Dazu hat er Rosensträucher aus dem Städelgarten gestellt, der ja demnächst durch die Erweiterung des Städel-Museums zur Baugrube wird. Mit einer konzeptuellen Arbeit sind die kanadischen Studenten Eric Bell und Kristoffer Frick vertreten: Über einem Industrieboden zeigen sie einen mit Ornamenten verzierten leeren Rahmen und gegenüber das Foto eines brutalistischen Gebäudes samt ebensolcher Skulptur, beides von globaler Tristesse.

„Lieber Maler, male mir“

Positiver sieht es in der Architekturklasse aus, etwa mit dem fragilen Modell „time, transition, motion“ von Mohammed Subarkah. Mehr als einen doppelten Boden hat Per Oskar Leus Werk: Er machte den Berliner Künstler ausfindig, den Kippenberger einst für seine Serie „Lieber Maler, male mir“ beschäftigte. Dieser malte nun auf Bitten Leus einen Koffer, wie ihn der Städelschulprofessor und derzeitige Rektor Michael Krebber benutzt, der Assistent von Kippenberger war. Und vor dem Gemälde liegt der gemalte Koffer in zersägtem Zustand – ein Hinweis auf eine Arbeit Krebbers.

Das hat es noch nie in der Städelschule gegeben: Einen „Städelshop – men & women fashion“. Claus Rasmussen, gelernter Schneider, hat die Garderobe des ganzen Lehrkörpers kopiert, perfekt inszeniert und zeigt dahinter die Malerei von Simon Denny.

An diesem Samstag und Sonntag von 10 bis 20 Uhr im Hauptgebäude der Städelschule Dürerstraße 10 und in den Bildhauerateliers in der Daimlerstraße 32-36.

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Von Matthias Alexander

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