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Städel-Erweiterung Unter dem Gras wölbt sich die Kunst

 ·  Der Erweiterungsbau der Architekten Till Schneider und Michael Schumacher soll als begehbare Skulptur beeindrucken, ohne die darin gezeigten Werke zu dominieren. Und sich harmonisch in den Städel-Komplex einfügen.

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Das Städel wird größer. Viel größer. Es gewinnt etwa 3000 Quadratmeter Fläche, auf der sich die oft mit riesigen Formaten hantierende Kunst nach 1945 auf großzügige Weise entfalten kann. Und es erhält einen Erweiterungsbau, der zwar die historischen Gegebenheiten des renommiertesten Frankfurter Kunstmuseums berücksichtigt, aber auch auf unaufdringlich spektakuläre Weise als benutzbare architektonische Skulptur des 21. Jahrhunderts bestechen will.

Links und rechts der Haupttreppe, die vom zentralen Eingang am Mainufer aus zu den Alten Meistern führt, geht es künftig hinab zur Moderne. Zunächst gelangt man auf die Ebene des Alten Foyers, von dort aus führt eine Treppe unterhalb des Metzlersaals zu den neuen Gartenhallen. Sie liegen im Wesentlichen unterirdisch, besitzen aber eine sanft geschwungene, begrünte, begehbare Kuppel und werden mittels einer Vielzahl von Oberlichtern mit Tageslicht versorgt. Die Architekten des Büros „schneider + schumacher“, das Anfang 2008 als Gewinner aus einem internationalen Wettbewerb hervorgegangen ist, nennen sie „Augen“.

„Wir wollten keine ,white box' bauen“

Hier wie überall bei diesem Erweiterungsbau lautet das Leitmotiv „Balance“: „Die Restauratoren hätten am liebsten nur Kunstlicht“, sagt Michael Schumacher, „die Besucher wollen, schätze ich mal, lieber Tageslicht.“ Im fertigen Gebäude wird es eine wohlabgewogene Mischung aus beidem geben. Als grundlegenden Balanceakt verstehen die Baumeister, Architektur und künstlerischen Inhalt in einer Weise zu verbinden, die beides zur Geltung kommen lässt. So wird sich das Publikum im Idealfall sowohl für das Gebäude als auch für die darin ausgestellte Kunst begeistern: „Der Bau“, erläutert Schumacher, „will sich nicht der Kunst unterordnen, und er will die Kunst nicht dominieren“.

Till Schneider ergänzt: „Wir wollten keine ,white box' bauen, sondern einen Gesamtraum mit einer sehr speziellen Atmosphäre.“ Die Räume seien nicht auf ständige Veränderungen hin angelegt, man könne die Wände nicht einfach verschieben, aber es sei möglich, sie langfristig anders zu gliedern.

Aus dem „Frankfurter Bewusstsein“ heraus

Die Wände gehen nicht ganz bis zur Decke, so sind die einzelnen Räume, auch wenn sie in sich relativ geschlossen sind, doch Teil eines größeren Ganzen. Und dieses wiederum soll sich harmonisch in den bestehenden Städel-Komplex einfügen. Dennoch soll man in Zukunft schon bei einem Blick in den Garten erkennen, dass hier eine Kraft wirksam ist: „Der künstlerische Geist hebt von unten den Deckel, da ist ein kraftvoller Druck“, beschreibt Schumacher die gewünschte Anmutung.

Sie setzten, führt er aus, auf einen positiven Überraschungseffekt, seien aber auch darauf bedacht gewesen, etwas aus dem „Frankfurter Bewusstsein heraus zu schaffen“. Nach Goethe müsse man ja etwas erwerben, um es zu besitzen: So sei es mehr als eine Frage der Höflichkeit gewesen, auf Geschichte und Baugeschichte des Städel-Museums Rücksicht zu nehmen. Wenn eine Architekur vielfache Assoziationen wecke, mache sie das reicher, sagt Schneider: „Wir können nicht leugnen, dass uns auch die Serie ,Raumpatrouille' mit den Abenteuern der Orion in gewisser Weise beeinflusst hat.“ Dort gibt es eine Unterwasser-Tanzbar, deren Fenster stark an die „Augen“ des Erweiterungsbaus erinnern.

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Jahrgang 1955, Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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