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Sportfreunde Stiller Fußball, Prosa, Pop und Pubertät

04.05.2006 ·  „Wer, wenn nicht wir?“ fragten sich die seit jeher leidenschaftlich für Fußball entflammten Sportfreunde Stiller. Im ausverkauften Festsaal Casino der Frankfurter Universität wagte das künstlerisch nicht unumstrittene Trio die kulturelle Blutgrätsche.

Von Michael Köhler
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„Wer, wenn nicht wir?“ fragten sich die seit jeher leidenschaftlich für Fußball entflammten Sportfreunde Stiller. Im ausverkauften Festsaal Casino der Frankfurter Universität wagte das künstlerisch nicht unumstrittene Trio aus dem bayerischen Germering bei München die kulturelle Blutgrätsche und vereinte zudem unverblümt Literatur mit Musik. Florian Weber, hauptberuflich Schlagzeuger bei den Sportfreunden, erlaubte sich eine Popmusik-Prosa namens „You'll Never Walk Alone“ - benannt nach der populären englischen Stadionhymne. Ein nicht nur inhaltlich schmales Bändchen über Teamgeist und Abseitsregel, Instrumentenkauf und Probenraum, Bruderliebe und Panini-Tauschbörsen - abwechselnd im Rollenspiel vorgetragen vom Autor sowie seinen beiden Bandkollegen Rüdiger Linhof und Peter S. Brugger.

Abgesehen davon, daß Weber einmal zu oft betonte, die pubertären Banalitäten über das Aufwachsen in der Provinz seien selbstverständlich rein fiktiv, amüsierten sich sowohl die Sportfreunde Stiller als auch ihre Fans köstlich bei der Premierenlesung. Sei es nun über rudimentäre Schambehaarung, den körperlichen Vergleich beim Duschen mit den Teamkollegen, das erste selbstgeschossene Tor oder aber den Sieg, der im spartanischen Englisch des Queen-Evergreens „Wiiii aa se Schampions mei Freend“ Lobpreisung erfährt.

Sportive Kracher und karger Indie-Rock

Selbst dürftig Genuscheltes und hastig Verhaspeltes wurde von den Zuhörern mit reichlich Zwischenapplaus quittiert. Optisch untermalt wurden die zumeist recht pointenarmen Szenarien über torturenreichen Lateinunterricht, ein alkoholschwangeres Wochenende ohne Eltern oder den Ritus des allwöchentlichen Ministrantendienstes von Webers auf Leinwandhintergrund projizierten Karikaturen.

Abrupter Szenenwechsel nach der ersten Halbzeit. Schließlich galt es für die Sportfreunde Stiller, auch noch das aktuelle Album „You Have To Win Zweikampf“ zu bewerben. Man ahnte schon: auch hier dominiert die wichtigste Nebensache der Welt. Kaiser Franz Beckenbauer, die Fifa und Maskottchen Goleo gerieten sicherlich ins Schwärmen über sportive Kracher und kargen Indierock mit eindeutigem Inhalt. Einer näheren Betrachtung unterzogen werden nicht nur die „Niederungen des italienischen Fußballs“, sondern auch die Frisur von Tennislegende Björn Borg und ein Party-Gassenhauer der Münchner Fun-Punk-Band United Balls, „Pogo in Togo“.

Eine auf Charterfolg getrimmte WM-Hymne

Einigermaßen aus dem Rahmen fiel der Song, den Bassist Rüdiger beisteuerte. „Rüde hat keinen blassen Schimmer von Fußball, darum heißt sein Stück auch Tischtennis“, spöttelte Sänger Peter S. Brugger ein wenig kleinkariert. Die ganz offensichtlich auf Charterfolg getrimmte WM-Hymne „'54,'74,'90, 2006“ schließlich zielt auf einen deutschen Dribbelsieg im Endspiel hin - die Hoffnung stirbt zuletzt.

Quelle: F.A.Z., 04.05.2006, Nr. 103 / Seite 56
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