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Sopranistin Barbara Zechmeister Mit der Stimme kann man spielen

 ·  Die Sopranistin Barbara Zechmeister ersingt sich die russische Seele.

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Emma ist eine deutsche Protestantin. „Die einzige Nichtrussin in der Oper“, sagt Barbara Zechmeister. Bis zum 2.November tritt die Sopranistin in der kleinen Partie der Oper „Chowanschtschina“ von Mussorgski in der Bearbeitung von Schostakowitsch auf. Regisseur Christian Pade hatte die Geschichte von den Machenschaften der Fürstenfamilie Chowanski während des Strelitzen-Aufstands unter Zar Peter dem Großen schon 2005 inszeniert. Unter der musikalischen Leitung von Lawrence Foster ist die Inszenierung jetzt zum zweiten Mal wiederaufgenommen worden. Regieassistent Orest Tichonow hat sie abermals einstudiert - eine beachtliche Leistung nach sieben Jahren Pause.

„Ich liebe die russische Seele“, schwärmt die Sängerin, obwohl die beiden fürstlichen Titelhelden, Vater und Sohn Chowanski, ihrer Emma im ersten Akt an die Wäsche wollen. Die altgläubige Marfa rettet die Fremde nach einem inbrünstigen Gebet auf Russisch, denn die deutsche Übersetzung findet nur in Übertiteln statt. Zechmeister meint die emotionale Tiefe der russischen Musik, wie sie sie schon im Alter von 15 Jahren bei ihrer Klavierlehrerin, einer russischen Emigrantin, kennengelernt hatte. In diesem Sommer hat sie auch Dostojewskis Roman „Der Spieler“ gelesen: als Vorbereitung auf Prokofjews gleichnamige Oper, die im Januar in der Regie von Harry Kupfer Premiere hat. Dann wird sie „diese unsympathische“ Generalstochter Polina singen, die der Titelheld (Frank van Aken) anhimmelt.

„Meine Mutter singt noch heute im Chor“

Aufgewachsen sei sie „sehr bodenständig“ als Tochter eines Schreiners in Tauberfranken bei Bad Mergentheim. Sie weiß schönes Holz zu schätzen und hat ihre Wohnung am Mainufer mit Möbeln aus der Hand ihres Vaters eingerichtet. Die Familie war musikalisch: „Meine Mutter singt noch heute im Chor.“ Als ihr älterer Bruder Klavierunterricht bekam, wollte sie das auch und setzte sich mit ihren sieben Jahren durch. Mit zehn sang sie im Schulchor, mit 14 lernte sie Geige spielen. Bis zur Oberstufe hatte sie sich vom Alt über den Mezzo in den Sopran des kleinen Schulchores vorgearbeitet, in dem sie auch Stimmbildung erhielt. „Mein Bruder brachte Opernplatten nach Hause. Mit ihm zog die Klassik bei uns ein“, erinnert sie sich. An der Staatlichen Hochschule für Musik Heidelberg/Mannheim ließ sie sich zur Musiklehrerin ausbilden. Ihre Gesangslehrerin Eva-Maria Molnár erkannte ihre Begabung.

Aber Zechmeister wollte einen soliden Abschluss. Sie machte das erste Staatsexamen, verzichtete aber auf ein Referendariat und studierte an der Mannheimer Opernschule, wo sie schon als Gast mitgewirkt hatte. Sie ließ sich von Rudolf Piernay ausbilden. Nach drei Jahren wurde sie vom damaligen Intendanten Sylvain Cambreling an die Frankfurter Oper gerufen, wo sie 1996 als Laura in Verdis „Luise Miller“ unter der Regie von Christoph Marthaler debütierte. Seitdem hat sie vor allem Mozart gesungen. Schon mit der Opernschule war sie als Königin der Nacht in Schwetzingen und Nowosibirsk aufgetreten. In Frankfurt sang sie sich von einem leichten Sopran zum anderen: Barbarina, Ännchen, Zerlina, Despina. „Das ist eine gute Art, sich stimmlich weiterzuentwickeln“, sagt sie. Später sang sie die Pamina, Elvira und die Gräfin Almaviva, eine Partie, in der sie sich gern abermals versuchen würde: „Ich liebe Mozart.“ Als „logische Folge“ habe sie Strauss im Auge. „Man lernt immer Neues kennen wie jetzt die russischen Welten und entwickelt sich mit jeder neuen Chance weiter.“ Auch die Marguerite in Gounods „Faust“ sei für sie ein „Traum“ gewesen, den sie wiederholt träumen möchte. Aber: „Ich werde nie Isolde sein.“

Die „Carmen“, die fehlt ihr noch

Dafür ist sie eine Freia und eine Rosalinde geworden. „Operette ist gesangstechnisch genauso schwer wie Mozart. Das sollte man nicht unterschätzen“, fährt sie fort. Intendant Bernd Loebe hat sie nicht unterschätzt: Zur Wiederaufnahme der „Fledermaus“ im vorigen Dezember an der Frankfurter Oper kürte er sie zur Kammersängerin - „eine Überraschung, die ihm gelungen ist“. Auch im „Walzertraum“ und in „La Périchole“ war sie dabei. Immer wieder hat sie ähnlich bedrängte Frauen wie Emma gesungen: etwa die Schwester in Sallinens „Kullervo“ und die Livia bei der Uraufführung von Glanerts „Caligula“. Die Vielfalt ihres Berufs fasziniert sie: von Nanetta in „Falstaff“ bis zu Mimi und Musette in „La Bohème“. Sie hat ihre Partien nie gezählt. Aber die Micaëla aus „Carmen“, die fehlt ihr noch.

Zechmeister lebt gern in Frankfurt. Ihren Arbeitsplatz kann sie zu Fuß erreichen. Etwas weiter hat sie es zu Dr. Hoch’s Konservatorium, wo sie als Dozentin tätig ist. Ihr intensiver Einsatz hat sie gelehrt, mit der Stimme zu haushalten. Doch bei allem klugen Einsatz der Technik zugunsten des physischen Stimmapparats empfindet sie sich als intuitiven Typ: „Ich versuche, mich meinen Partien über die Gefühlsebene zu nähern.“ Wenn ihr Publikum sich innerlich berührt fühlt, ist sie glücklich: „Das ist das schönste Lob.“

Aufführungstermine

Die Oper „Chowanschtschina“ ist am Freitag, am Sonntag sowie am 2. November von jeweils 18 bis 22 Uhr in der Oper Frankfurt zu sehen.

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