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„Sonic Youth“ Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

18.06.2007 ·  „Sonic Youth“ klingen immer noch absolut einzigartig in der Gitarrenlandschaft. In den 26 Jahren ihres Bestehens haben sie den Kultstatus als eine der einflussreichsten Alternative-Rockbands der Welt nie verloren.

Von Lotta Görgen
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Sie hätten, so erzählten zwei Damen, die gerade vom Wurststand zurückgekommen waren, soeben in der Schlange hinter Thurston Moore gestanden. Der Musiker habe geduldig gewartet und, als die Reihe an ihm war, nach einem Würstchen verlangt. Auf Deutsch. Dann sei er unverrichteter Dinge abgezogen, da es keine Würste mehr gegeben habe. Sicher, dachte man da, Thurston Moore steht im Wiesbadener „Schlachthof“, wo an diesem Abend ein Konzert seiner Band „Sonic Youth“ kurz bevorsteht, brav in der Schlange und will Wurst.

Guter Scherz. Dann jedoch – „Sonic Youth“ standen längst auf der Bühne – sagte Thurston Moore folgenden Satz: „Den nächsten Song widme ich dem Typ, der vor mir in der Schlange stand und mir, nachdem ich 20 Minuten gewartet hatte, die letzte Bratwurst vor der Nase weggeschnappt hat.“

Schlüsselmomente des Lebens

Glücklicherweise hielt Moore trotz Hunger auf der Bühne eineinhalb Stunden durch. Wenngleich es wie üblich Kim Gordon war, deren körperlicher Einsatz das größere Energiedepot voraussetzte, vom heftigen Haareschütteln bis zum manischen Sich-im-Kreis-Drehen mit ausgebreiteten Armen. Kurz gesagt: Sie war fantastisch. Als nach rund einer Dreiviertelstunde die ersten Akkorde der Sonic-Youth-Hymne „Teenage Riot“ ertönten, erlebte man als Zuschauer einen dieser Schlüsselmomente, in denen man davon überzeugt ist, dass man noch in 50 Jahren stolz darauf sein wird, in jenem Moment am richtigsten Ort auf der Welt gewesen zu sein. Das mag damit zu tun haben, dass „Sonic Youth“ in den 26 Jahren ihres Bestehens den Kultstatus als eine der einflussreichsten Alternative-Rockbands der Welt nie verloren haben. Die New Yorker klingen auch heute noch absolut einzigartig in der Gitarrenlandschaft.

Aus ihrem gigantischen Repertoire spielte die Band an diesem Abend nicht, wie vorab kolportiert wurde, ihr legendäres, 1988 erschienenes Album „Daydream Nation“, sondern vor allem die aktuelle Veröffentlichung „Rather Ripped“, die womöglich ebenfalls eine der gelungensten ist, wenngleich darauf, wie so häufig, wenig Hits zu finden sind. Der unverkennbare Stil der Band bedeutet ja, dass Lieder verheißungsvoll anfangen, dann nicht das Erwartete liefern und das Publikum wie beiläufig mitnehmen in ebenso verzwickte wie berauschende Gefilde.

Wenn man sich dann in den Akkordschleifen verheddert hat, finden die Gitarren auf Umwegen wieder zum Thema. Die klassischer Musik ähnelnden Strukturen der Songs bewirkten daher, dass man nahezu das ganze Konzert in einem „Kenn’ ich. Ach nee, doch nicht. Oder?“-Stadium verbrachte. Hinterher wurde lediglich moniert, dass keine T-Shirts zum Kauf angeboten wurden, mit denen man sich an den denkwürdigen Abend erinnern und vielleicht auch ein wenig angeben könnte.

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