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Sommerausstellungen Fotografie und Mythos

27.06.2008 ·  Am Anfang war der Mythos. Aber der Mythos war nicht einfach und klar. Sondern vielschichtig und verworren. Und wer's nicht glaubt, dem sei etwa ein Blick in die „Griechische Mythologie“ von Robert von Ranke-Graves empfohlen. Oder ein Besuch im Frankfurter Liebieghaus.

Von Michael Hierholzer
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Am Anfang war der Mythos. Aber der Mythos war nicht einfach und klar. Sondern vielschichtig und verworren. Und wer's nicht glaubt, dem sei etwa ein Blick in die „Griechische Mythologie“ von Robert von Ranke-Graves empfohlen. Dann wird er erkennen, dass die Versionen einer jeden Sage ohne Zahl, die meisten Figuren keineswegs charakterlich eindeutig zu fassen und selbst die Götter nicht mit deutlich umrissenen Eigenschaften versehen sind. Wie überhaupt von stiller Einfalt und edler Größe nicht viel zu spüren ist, wenn man sich in die Erzählungen vertieft, in denen ein Hauptmotiv die Hybris ist: Wer sich untersteht, die Götter herauszufordern, wird mit Körperpein nicht unter Häutung bestraft. Das Mensch-Tier-Mischwesen Marsyas beispielsweise. Der Silen wagte es, ein besserer Musiker zu sein als der Lichtgott Apoll. Es bekam ihm gar nicht gut.

Ein Besuch im jüngst wiedereröffneten Antiken-Flügel des Frankfurter Liebieghauses führt einem all dies vor Augen. „Die Launen des Olymp - Der Mythos von Athena, Marsyas und Apoll“ (bis 21. September) ist eine in jeder Hinsicht erstaunliche Ausstellung. Sie vereint die Frankfurter Athena mit dem Marsyas aus den Vatikanischen Museen zum ersten Mal seit 2000 Jahren zu der ursprünglichen Skulpturengruppe, wie Myron sie geschaffen hat. Diese fasst zwei Augenblicke aus dem Mythos rund um die Erfindung des Aulos genannten Blasinstruments zusammen. Die Schau stellt zwar die dionysische Welt, der Marsyas angehört, der apollinischen gegenüber, zeigt aber auch, dass hier wie dort düstere Züge den Charakter verdunkeln. Glänzend präsentiert, mit vielen wertvollen Leihgaben und verhaltenen Hinweisen auf die Gegenwart des Mythos, gewährt die Schau auch Einblick in das Menschliche, Allzumenschliche aller Epochen.

Die Vorbehalte, auf die man im Zusammenhang mit der Fotografie trifft, haben mit jenen überraschend viel gemein, die dem Mythos gelten: Um Reduktion von Komplexität, um eine Vorform von Erkenntnis, um schlichte Lösungen geht es aber auch beim Lichtbild-Medium nicht notwendigerweise. So ist der Titel „Real“ für eine Ausstellung mit „Fotografien aus der Sammlung der DZ Bank“ (bis 21. September), die derzeit im Städel-Museum zu sehen ist, weniger die Behauptung, mit der Kamera immer der Wirklichkeit auf der Spur zu sein, als eine Aufforderung, sich mit der allgemein nicht angezweifelten These auseinanderzusetzen, ein Foto bilde die Realität ab. Dass es so einfach nicht ist, belegen die Arbeiten der Fotokunst, die in dieser Schau versammelt sind.

Auf einem Bild, das derzeit im Museum für Moderne Kunst Frankfurt zusammen mit drei anderen von Andreas Gursky bei der Präsentation „Cocoon/Frankfurt. . .“ (bis 17. August) zu sehen ist, bringt der Künstler überraschenderweise in der Arbeit selbst zum Ausdruck, dass er die Bilder komponiert: Er ist Teil der Fotografie und hält ein Stück jenes Grundmusters in der Hand, das er mittels Computer zu breitleinwandformatigen Gebilden zusammenfügt. Um, wie in diesem Fall, die geschlossene Welt eines Techno-Clubs atmosphärisch dicht ins Bild zu setzen.

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