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Veröffentlicht: 02.05.2017, 13:37 Uhr

Schlachthof in Wiesbaden Professionelle Bahnen zum Boulespielen

Seit acht Jahren soll die Brache rund um den alten Schlachthof in Wiesbaden verschwinden. Jetzt rollen Planierraupen, um den Kulturpark weiter zu bauen.

von , Wiesbaden
© Cornelia Sick Multifunktional: Kinder und Jugendliche sollen auf der Fläche später spielen und skaten können.

 „Vom Hinterhof zu einer der besten Freizeit- und Kulturadressen Wiesbadens“ wollte die ehemalige Kultur- und Umweltdezernentin Rita Thies (Die Grünen) die Brachfläche um den historischen Wasserturm am ehemaligen Schlachthof entwickeln. Acht Jahre nach der Verkündung des großen Ziels

Ewald Hetrodt Folgen:

arbeitet sich daran jetzt eine jüngere Generation von Kommunalpolitikern ab. Die seit wenigen Wochen für Umwelt und Kultur verantwortlichen Dezernenten Andreas Kowol (Die Grünen) und Axel Imholz (SPD) haben gerade begonnen, den Süden des Areals neu zu gestalten.

Wiesbadener Bekenntnis zur Jugendkultur

Es liegt im Südosten des Hauptbahnhofs zwischen der Murnaustraße und den Gleisen. Wegen des raschen Bevölkerungswachstums wurde hier um 1900 der bestehende Schlacht- und Viehhof mit großem Aufwand erweitert. 90 Jahre später musste er jedoch geschlossen werden. Seine Einrichtungen entsprachen nicht mehr den Hygienerichtlinien der Europäischen Union.

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Von den Bauten ist heute nur noch der 3 Meter hohe, für fünf Millionen Euro sanierte Wasserturm vollständig erhalten. Dort sind die Szenekneipe 60/40 und die für kleinere Veranstaltungen gedachte Räucherkammer untergebracht. Sechs Millionen Euro hat die Ende 2012 eröffnete Veranstaltungshalle des Kulturzentrums gekostet. Es gilt als das Wiesbadener „Bekenntnis zur Jugendkultur“ und ist die Antwort auf die Brotfabrik in Frankfurt, die Centralstation Darmstadt und das Mainzer Kulturzentrum.

Ganz in der Nähe befindet sich die „Schlachthoframpe“, von der aus die Nationalsozialisten Wiesbadener Juden nach Theresienstadt deportieren ließen. Sie dient seit 2010 als Mahnmal und Gedenkort. Lauter geht es im nördlichen Teil des Areals zu. Ein Beachvolleyball-Feld, ein Kinderspielplatz und andere Freizeitangebote sollen vor allem junge und ganz junge Menschen anlocken.

Bauabschnitt ist mit einer halben Million Euro veranschlagt

Mehr als zwei Millionen Euro habe die Stadt bislang in die Tiefbauarbeiten gesteckt, berichtet Kowol. Im Süden des Schlachthofes sorgen Planierraupen gerade dafür, dass aus einer unansehnlichen Brache eine Multifunktionsfläche wird. Aber daneben entsteht eine ganz spezielle Anlage: Der erfolgreiche Wiesbadener Sportclub „La Boule Joyeuse“ bekommt 16 Bahnen, die auch für erstklassige Turniere geeignet sind. Für den Verein sei das wichtig, betont der Vorsitzende Peter Weise. Seine besten Leute sind in der Bundes- und in der Hessenliga vertreten. Momentan treffen sich die Hobby-Boulespieler noch an jedem Mittwoch- und Freitagabend auf einer provisorischen Bahn am Wasserturm. Aber schon Ende Mai wollen sie die neue Anlage in Besitz nehmen.

Auch zum Skaten und für Streetball wird dann Platz sein. Der gesamte Bauabschnitt ist mit einer halben Million Euro veranschlagt. Vollendet ist der Kulturpark damit aber noch nicht. Es fehlen noch öffentliche Toiletten sowie die geplanten Graffitiwände und Grillplätze.

Damit dürfe man jetzt nicht mehr allzu lange warten, meint Kowol. Er zeigt sich zuversichtlich, die noch ausstehenden Arbeiten im nächsten Doppelhaushalt unterbringen zu können. Dass die Flächen rund um den Schlachthof nicht wieder bebaut würden, bedeute eine ökologische Aufwertung für das Salzbachtal, erklärt Kowol. In den Genuss der guten Luft sollen vor allem die Radfahrer kommen. Für sie werde von hier aus ein Weg bis zum Rhein hinunter führen, versprach der neue Umweltdezernent.

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