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Schauspiel Frankfurt Immer wieder Freitag

04.05.2007 ·  Philosophie und Spiel als Sinn des Theaters: Robert Lehniger hat „Friday, I'm in Love“ nach Motiven aus dem Roman „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe inszeniert.

Von Claudia Schülke
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Echte Berührung macht müde, gespielte ist nur professionell. Ruth weiß sich nicht mehr zu helfen. Sie will Freitags Freiheit spielen, aber unversehens wird aus der fiktiven Filmszene mit dem Kollegen eine echte Liebesszene im Schlamm. Ruth kommt ins Philosophieren. Stehen Schauspieler auf der Bühne, um geliebt zu werden? Kommen die Zuschauer ins Theater, um sich zu verlieben? Sieht der Zuschauer den Schauspieler an wie Robinson seinen Freitag?

„Wie stellen Sie sich das vor? Was soll ich machen?“ fragt Ruth Marie Kröger ihr Publikum. Und das Publikum lacht amüsiert bis verlegen. „Wir spielen, um herauszufinden, was wir einander sind, allein zu zweit auf einem Meer aus Dunkelheit“, fährt die Schauspielerin fort. Wenn der Moment real ist, obgleich gespielt, dann hat sich Robinson in Freitag verliebt. Und der Zuschauer in den Schauspieler.

Wie im Tollhaus

Das ist der Sinn des Theaters – behauptet jedenfalls die Schlüsselszene des neuen Stücks in der Experimentierbühne des Frankfurter Schauspiels, Schmidtstraße 12. Robert Lehniger hat „Friday, I’m in Love“ nach Motiven aus dem Roman „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe inszeniert: als Dreharbeit an einem Robinson-Film nach einer Bruchlandung auf einer einsamen Insel.

Auf einer Leinwand im Hintergrund rollen des Meeres und schäumen der Liebe Wellen, auf einer zweiten Leinwand zur Rechten krallen sich die Finger des Schiffbrüchigen in den Sand, wie die Hände des Schauspielers Robert Hoffmann in einer unvergessenen Verfilmung Anfang der sechziger Jahre. Zwischen Palmenwedeln und Trockeneisnebel, einem Regalaufbau und einer Blockhauswand von Joep van Lieshout vergewissern sich nunmehr fünf kannibalistisch eingeschwärzte Schauspieler ihrer künstlerischen Berufung.

Dabei geht es oft zu wie im Tollhaus. Immer wieder springen die Filmdarsteller aus ihren wechselnden Rollen. Ein Grill und ein Wasserball verirren sich in die Einstellung mit den Kannibalen, die auf der rechten Leinwand wie auch die übrigen Filmszenen zu verfolgen ist. Deklamation und Agitation an einem Mikrofon im Vordergrund wechseln mit den Dreharbeiten im Hintergrund. Mikros werden wie Lanzen durch die Gegend geschleppt, die Klappe klappt, und Friday brüllt „Cut!“

Unbändige Spiellust

Die Crew versucht wie Robinson Bausteine für ein neues Leben zusammenzusetzen, aber mittendrin kommt es auf dem Set zu Spannungen und Konflikten, der Film gerät in Gefahr – bis Anne Müller nach einem guten Happen bemerkt: „Ich könnt’ schon wieder.“ Zwischen Wünschen, Träumen und Utopien wird eine Flagge gehisst mit der Parole: „Keine Angst!“

Anderthalb Stunden lang schlagen sich Mathias Max Herrmann, Martin Butzke und Aljoscha Stadelmann mit den beiden Kolleginnen durch das witzige Experiment inmitten einer wuchernden und verrottenden Natur, die der eine als erotisch, der andere als obszön empfindet. Liebe und Tod hausen wie immer nah beieinander. Robinsons Papagei musste sterben.

Warum? Und was heißt überhaupt „mein“ und „dein“? will der zu abendländischem Selbstbewusstsein erwachte Freitag wissen, der noch nie eine Wochenend-Liste gewissenhaft abgearbeitet hat, um seinem Burnout zu entkommen wie der gestresste Robinson. Schon ob der unbändigen Spiellust muss sich das Publikum in dieses Ensemble aus wild gewordenen Sinnsuchern verlieben und wünscht ihnen eine kräftige Dusche danach – für das Friday-Ganzkörper-Make-up.

Weitere Aufführungen am 12., 18. und 31. Mai jeweils um 20.15 Uhr.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1958, feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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