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Schauspiel Frankfurt Die philosophische Intendantin

31.05.2007 ·  Ein schwieriger Anfang, ein versöhnlicher Mittelteil: Elisabeth Schweeger und ihr Publikum haben endlich zueinandergefunden. 2009 verlässt sie das Schauspiel. Kulturdezernent Felix Semmelroth hat verkündet, bald einen neuen Theaterleiter zu präsentieren.

Von Michael Hierholzer
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Das Unbehagen am Sprechtheater gehört zu den Frankfurter Kulturtraditionen. Und in der Branche der Theatermacher gilt die Bankenstadt seit langem als besonders hartes Pflaster. Dies muss Elisabeth Schweeger am Anfang ihrer Intendanz so verinnerlicht haben, dass sie mit unnachgiebigem Auftreten das Publikum erst einmal vor den Kopf stieß und ihm ein paar harte Brocken und jede Menge schwer verdauliche Kost vorsetzte.

Dabei trumpfte sie mit großen Namen auf: Kein Geringerer als Peter Greenaway führte bei der Eröffnung der ersten Spielzeit unter der bis dahin für die experimentelle Bühne des Staatsschauspiels München, den Marstall, verantwortlichen Prinzipalin Regie.

Der Internationalität der Stadt gerecht werden

Sein üppig ausgestattetes Bühnenwerk „Gold“ sorgte allerdings sogleich für höchstes Befremden und Ablehnung. Überhaupt sagte den Besuchern die ganze postmoderne Regie-Richtung nicht zu, die von der mit allen Wassern der französischen Dekonstruktions-Philosophen gewaschenen Theaterfrau favorisiert wurde.

2001 kam Elisabeth Schweeger nach Frankfurt. Vorangegangen war eine Intendantensuche, bei der eine Panne der anderen folgte. Zuerst träumte die Spitze des Magistrats von Dieter Dorn, damals Chef der Münchner Kammerspiele und immer noch einer der profiliertesten Theaterleute Deutschlands. Als er abwinkte, kaprizierte sich die Stadt auf einen Dorn-Schüler, Jens-Daniel Herzog, der nur leider gerade in Mannheim einen Vertrag als Oberspielleiter am Nationaltheater der Neckarstadt abgeschlossen hatte.

Ulrich Schwab, ebendort Generalintendant und einst mit tiefem Groll aus Frankfurt geschieden, tobte: Frankfurt versuche in seinem Größenwahn, auf gänzlich unmoralische Weise dem hilflosen Mannheim den neuen Schauspielchef auszuspannen. So nahm der Frankfurter Magistrat davon Abstand. Und kam auf Schweeger. Unvergessen die erste Spielplan-Pressekonferenz, auf der neben einem kleinlauten Kulturdezernenten namens Hans-Bernhard Nordhoff eine äußerst energische Intendantin auftrat, die von der Notwendigkeit sprach, in Frankfurt eine Vielfalt zeitgenössischer Ausdrucksformen vorzustellen und der Internationalität der Stadt gerecht zu werden.

Neue Besucherschichten erschlossen

Diese Ankündigung hat Elisabeth Schweeger gewiss wahr gemacht. Inzwischen aber ist auch bei ihr die Einsicht gewachsen, in Zeiten der Sprachverarmung vor allem auf intakte Texte, elaboriertes Sprechen und ein auf die Schauspieler konzentriertes Theater zu setzen. Viele Klassiker-Produktionen der vergangenen Jahre zeugen davon. Manche Besucher mag sie zu Beginn ihrer Intendanz verprellt haben, dafür hat sie neue Schichten für das Haus erschlossen, nicht zuletzt mit Veranstaltungen wie dem „Bucovina Club“ oder der „Russen-Disco“.

Elisabeth Schweeger und ihr Publikum haben zueinandergefunden. Auch wenn sie ihre größten Erfolge nicht unbedingt auf dem Feld erzielt hat, das zu beackern sie anfangs für besonders geboten hielt. In der noch laufenden Spielzeit war es Brechts „Dreigroschenoper“, die für ein ausverkauftes Haus sorgte. Dabei stellt die Inszenierung von André Wilms, die wegen der schweren Erkrankung des Regisseurs vom Ensemble vollendet wurde, das Singspiel nicht ins Brecht-Museum, sondern lässt es überraschend frisch und zeitgenössisch wirken.

Andere Produktionen wie etwa Christof Nels Interpretation der „Bakchen“ des Euripides finden dagegen oft nicht die Beachtung, die sie verdient hätten, obwohl es um aktuelle Fragen wie das Wiederstarken der Religionen geht. Unbestreitbar ist, dass Schweeger mit ihren philosophischen Salons der Theorie so viel Platz eingeräumt hat, wie es der Stadt Adornos gebührt. Nun hat die Intendantin angekündigt, ihren Vertrag nicht über den Herbst 2009 hinaus verlängern zu wollen. Und Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU), der nach der Umwandlung der Städtischen Bühnen in eine GmbH formal gar nicht den Nachfolger bestimmt, hat verkündet, noch in diesem Jahr einen neuen Theaterleiter zu präsentieren. Die Unterschrift unter dessen Vertrag leistet dann nach dem GmbH-Gesetz der Geschäftsführer.

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Jahrgang 1955, Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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