23.04.2009 · Mehr als 30 Eigenproduktionen wird das Frankfurter Schauspiel in der nächsten Spielzeit herausbringen. Darunter viele Klassiker. So gibt es eine Doppelinszenierung von „Ödipus“ und „Antigone“ auf der großen Bühne. Das Stück „Das weiße Album“ setzt einen epochemachenden Tonträger der Beatles in Szene.
Klassisch fängt die Intendanz von Oliver Reese an: mit einer Doppelinszenierung von Michael Thalheimer, der „Ödipus“ und „Antigone“ von Sophokles auf die große Bühne des Schauspielhauses bringt. Einen Tag später schon, am 2. Oktober, beginnt die Saison im Bockenheimer Depot, das der neue Sprechtheater-Chef in Zukunft intensiv nutzen will: In der Regie von Michael Simon, der unter anderem als Bühnenbildner bei William Forsythe und Heiner Goebbels gearbeitet hat, wird „Cabaret“ gezeigt mit der Musik von John Kander und Fred Ebb, choreographiert von Irene Klein. So schließt sich in gewisser Weise ein Kreis, schließlich verbindet man das Depot nach wie vor mit Forsythe, mit Tanz und mit interdisziplinären Kunstprojekten.
Es geht Schlag auf Schlag: Am 3. Oktober werden die Kammerspiele, vormals „Kleines Haus“, wiedereröffnet mit der Adaption eines Textes von Paul Auster: „Stadt aus Glas“ ist Teil der New-York-Trilogie des amerikanischen Autors, dessen Romane, wie Regisseurin Bettina Brunier gestern sagte, sie schon vor zehn Jahren süchtig gemacht hätten. Am 9. Oktober wird in den Kammerspielen Ibsens „Hedda Gabler“ in Alice Buddebergs Inszenierung Frankfurter Premiere haben: Die Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen wird dort schon im Frühsommer zu sehen sein. Die Zusammenarbeit zwischen dem Ruhrgebietstheater und dem Frankfurter Haus wird in den nächsten Jahren weitergeführt. Am 10. Oktober stehen Tschechows „Drei Schwestern“ auf den Brettern des Schauspielhauses, Regie führt Karin Henkel.
„Roter Ritter Parzival“ als „Familienstück“
Als Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum ist erstmals am 17. Oktober in den Kammerspielen Patrick Marbers Stück „Hautnah“, inszeniert von Christoph Mehler, zu sehen. In den Kammerspielen sollen junge Autoren und innovative Theaterwerke künftig ihren festen Platz haben. Michael Quast ist in Patrick Barlows „Der Messias“ vom 29. Oktober an auf der großen Bühne zu sehen: Mit seiner „Fliegenden Volksbühne“ wird der Kabarettist, Schauspieler, Mundartsprecher regelmäßig in den Kammerspielen auftreten. Nachdem Quast ihm per SMS mitgeteilt habe, er werde nun doch nicht künstlerischer Leiter des Frankfurter Volkstheaters, habe er, Reese, sich entschlossen, ihn am Schauspiel mehr einzubinden, erläuterte der künftige Intendant.
Und auch dieses Werk steht im Herbst auf dem Programm: „Peterchens Mondfahrt“ nach Gerdt von Bassewitz in der Version von „Showcase Beat le Mot“. Das Stück für Kinder von fünf Jahren an bildet den Auftakt einer Reihe von Inszenierungen für die jüngeren und die jüngsten Theaterbesucher. Reese zeigte sich ein wenig verwundert darüber, dass sein Vorstoß, im Schauspiel mehr Kinder- und Jugendtheater zu machen, in der Frankfurter Szene auf so viel Ablehnung traf: Er habe schließlich niemandem etwas wegnehmen, sondern vielmehr etwas anbieten wollen. So versteht sich auch „Roter Ritter Parzival“ als „Familienstück“, das in der Regie von Markus Bothe am 14. November herauskommt.
Tribut an die Beatles
Der neue Spielort „Box“ im Foyer des Schauspielhauses wird im Oktober mit der Uraufführung des Stücks „Abgesoffen“ von Carlos Eugenio López eröffnet: Zwei Killer unterhalten sich über die Leiche im Kofferraum. Viele weitere Premieren folgen in der Spielzeit 2009/2010, unter anderen werden Werke von Racine, Ödön von Horváth, Brecht, Camus, Hauptmann, Goldoni, Wedekind zu sehen sein. Und der Klassikerbegriff wird konsequent erweitert: Roland Schimmelpfennigs Stück „Das weiße Album“ setzt einen epochemachenden Tonträger der Beatles in Szene.