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Rudolf Olden Der Mann, der Hitler früh durchschaute

Er schrieb gegen Hitler, verteidigte Carl von Ossietzky und starb im Exil: In Frankfurt erinnert die Deutsche Nationalbibliothek an den Journalisten und Rechtsanwalt Rudolf Olden.

© Deutsche Nationalbibliothek Vergrößern Journalist gegen Hitler - Anwalt der Republik: Rudolf Olden

Sein Leben endet in einem torpedierten Passagierschiff auf dem Atlantik. Zwei Kriege zuvor beginnt es im wilhelminischen Deutschland, das sich in seinem Fall etwas bunter ausnimmt als in Heinrich Manns „Professor Unrat“.

Rudolf Olden, der am 14. Januar 1885 in Stettin zur Welt kommt, hat eine Schauspielerin zur Mutter und einen Mann zum Vater, der für die Bühne schreibt, auf der Bühne steht, sich aus dem Leben seiner Gefährtin aber bald verabschiedet. Zwar unterstützt er die Mutter und ihre drei Kinder, Rudolfs Bruder Balder aber kommt es später so vor, als habe er den Vater nur alle vier Jahre gesehen. Andererseits gibt es da noch Tante Hedwig, eine Fürstin Liechtenstein, von deren Mann, Fürst Rudolf, der Neffe den Vornamen hat. Nach dem Abitur beginnt Olden, Verwandter von Schauspielern und Adligen, im Jahr 1903 ein Jurastudium. Nach dem ersten Staatsexamen versucht er sich später für kurze Zeit in einem kaufmännischen Beruf, tritt dann aber doch lieber in den Justizvorbereitungsdienst ein.

Die Referendarszeit, mit Stationen in Frankfurt und Bad Homburg, verläuft gleichförmig, vom Krieg, der seine Generation verschlingen wird, ist noch nichts zu spüren. Nach Hause schreibt Olden, „des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr“ bestimme „das einschläfernde Gleichmaß des täglichen Lebens“. Während dieser Zeit versucht Olden sich als Schriftsteller. Ausgerechnet im Tagebuch Arthur Schnitzlers hat sich ein Hinweis darauf erhalten. „Novelle, Mscrpt. von Olden (Stephi schrieb es) gelesen“, heißt es dort am 17. November 1913.

Der Mann, der Hitler durchschaute © Deutsche Nationalbibliothek Vergrößern Die englische Ausgabe von Oldens Hitler-Biographie kam 1936 heraus

„Ich fühle mich zum Journalisten nicht geeignet“

Aus dem Versuch, dem schriftstellernden Vater zu folgen, dessen Stücke der Sohn sich als Reclam-Hefte kaufen kann, wird lange nichts. Auch den Journalismus, aus dem er später eine Karriere macht, verwirft Olden noch: „Ich fühle mich zum Journalisten nicht geeignet und gedenke nicht, noch einmal Schiffbruch in einem Beruf zu erleiden, den ich gezwungenermaßen ergreife, der mir nicht liegt und in dem ich bestimmt nichts ersprießliches leisten werde.“

Dann beginnt der Krieg. Olden rückt als Freiwilliger zum Dragonerregiment 24 in Darmstadt ein und legt sein zweites Staatsexamen als Notprüfung ab. Er nimmt an der Besetzung Belgiens und am Frankreich-Feldzug teil und wird im Frühjahr 1915 an die Ostfront versetzt. Im Mai berichtet er Tante Hedwig von drei Wochen in Russland. Zeitweilig sei er wohl der „nördlichste deutsche Soldat“ gewesen, den es gab, „mit Freude und immer mit einem vergnügten Gesicht dabei“.

Bei Kriegsende ist alles anders. Olden befindet sich in Wien, ist das, was man in den ideologischen Kämpfen der Weimarer Republik einen Frontkämpfer nennen wird, besitzt den Rang eines Leutnants, ist Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse und hat von all dem, was er gesehen hat, gründlich die Nase voll. Zum Glück, schreibt er seiner Mutter am 17. November 1918, befinde sich die Führung des Staates „in Händen besonnener, das beste des Ganzen wollender“ Personen. Nicht für ihn die Suche nach der reinen Weimarer Regierungslehre, die den von seinen Bürgern ungeliebten neuen Staat in den folgenden Jahren zur leichten Beute der Extremisten macht.

1920 aus dem Justizdienst entlassen

In diesen Tagen entscheidet Olden sich für eine Zukunft als Journalist und den Berufsweg, der nach der nationalsozialistischen Machtergreifung seine Flucht aus Deutschland erforderlich machen wird. Das Deutsche Exilarchiv, das ihm in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt eine reich ausgestattete, sehr sehenswerte Ausstellung widmet, erinnert mit ihm an einen der frühesten Warner vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten. Am 4. November 1923 beginnt Olden in der Wiener Zeitung „Der Tag“ eine Reihe mit dem Titel „Deutsche Köpfe“. Die erste Folge widmet er Adolf Hitler. Er schreibt: „Es ist Zeit, sich mit den Absichten seiner Partei ernsthaft zu beschäftigen, denn man sieht nicht mehr viel von Widerständen, die ihren Sieg aufhalten können.“ Vier Tage später putscht Hitler in München.

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