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Rockband City tourt wieder : Solange die Blutwerte stimmen

  • -Aktualisiert am

Ostrock-Legenden: Toni Krahl (Gesang) und Fritz Puppel (rechts, Gitarre) von City Bild: Junker, Patrick

Auf immer „Am Fenster“: Seit 40 Jahren pflegt die Berliner Rockband City ihren größten Erfolg.

          Seit etlichen Jahren stehen die Musiker der Band City zur glatten Platte, doch waren ihre Frisuren nicht immer so pflegeleicht. Als die Band im Jahr 1977 mit dem Lied „Am Fenster“ den Durchbruch feierte, waren die Haare der Bandmitglieder noch lang, und der Schlagzeuger trat grundsätzlich barfuß auf. Damals galt das als rebellisch. 40 Jahre später spielt City immer noch in fast gleicher Besetzung, nur der Keyboarder wurde 1982 ausgetauscht. „Man kann sich in zehn Minuten verkrachen“, sagt Sänger Toni Krahl: „Aber eine Band 45 Jahre lang zusammenzuhalten dauert ein halbes Leben.“ Über zehn Millionen Platten hat City mittlerweile von „Am Fenster“ verkauft und geht anlässlich des Jubiläums wieder auf Tour. „Wir hören erst auf, wenn wir die ganze Welt damit beglückt haben“, sagt Gitarrist Fritz Puppel.

          Der Gitarrist war schon dabei als die Band sich 1972 in Ost-Berlin gründete. Damals mussten die Rockmusiker noch Gitarren und Drumsticks hinterherjagen, weil es im Osten die passenden Instrumente nicht gab. Um auf den gleichen Gitarrensaiten wie etwa die Rolling Stones zu spielen, engagierten die Musiker bulgarische Schmuggler, die die nötige Ausrüstung aus dem Westen besorgten. Für eine Gitarre, die dort 2000 D-Mark kostete, verlangten die Bulgaren gerne den fünffachen Preis. Natürlich in Westgeld, das erst eingetauscht werden musste. „Drüben beschaffte man sich halt Drogen, bei uns Geld und Instrumente“, sagt Toni Krahl.

          Gegen Sowjet-Einmarsch in Prag protestiert

          Als der 1975 als Sänger zur Band stieß, hatte er schon mehrere Monate im Gefängnis gesessen. Er hatte gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag protestiert und war deshalb „wegen staatsfeindlicher Hetze“ zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Auch bei City geriet Krahl immer wieder mit DDR-Funktionären aneinander, obwohl die Band sich mit politischen Botschaften zurückhielt. „Wir wollten einfach nur gute Songs machen“, erinnert sich Krahl im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch schon mit ihrer Art hätte die Band angeeckt, denn anpassen wollten sie sich nicht. „Wir sind in Görlitz oder Zittau aufgetreten und haben Remmidemmi in den Saal gebracht“, sagt Puppel: „Da war die sozialistische Schwerkraft für ein paar Stunden außer Kraft gesetzt.“

          Bild: dpa

          Trotzdem drückten die Funktionäre immer wieder beide Augen zu, weil die Band der DDR viele Devisen einbrachte. Nach dem großen Erfolg von „Am Fenster“ durfte City regelmäßig im Westen auftreten. Die Erlöse von Konzerten und Schallplattenverkäufen landeten allerdings größtenteils in der Staatskasse. „Für die waren wir ein Betrieb wie Meissener Porzellan“, sagt Puppel. Und obwohl die Freiheit des Westens lockte, kehrten die Musiker stets zurück in ihre Heimat, . Schließlich lebten dort Freunde, Familie und die meisten Fans.

          Die Band drohte zu zerreißen, als Georgi Gogow im Jahr 1982 seine Kollegen verklagte. Als Geiger, Bassist und Komponist von „Am Fenster“ hatte der Bulgare viel zum Erfolg von City beigetragen. Seine Managerin und Frau Traudl wollte gemeinsam mit ihm die anderen Mitglieder rauswerfen. Doch weil die Klage erfolglos blieb, flog stattdessen Gogow aus der Band. City fanden allerdings keinen gleichwertigen Ersatz, weshalb das markante Geigenmotiv von „Am Fenster“ jahrelang mit dem Keyboard gespielt wurde. Erst ein Jahrzehnt später versöhnte Gogow sich mit seinen Kollegen und tritt seitdem auch wieder mit ihnen auf. „Wir haben frühzeitig den gesamten Mist durchgemacht, den eine Band nur durchmachen kann“, sagt Krahl dazu.

          Anlässlich des vierzigjährigen Geburtstags ihres großen Hits sind City derzeit auf Jubiläumstournee. Neben ihren Erfolgstiteln präsentieren sie auch die Songs ihres neuen Albums „Das Blut so laut“. Obwohl die Rocker alle um die 70 Jahre alt sind, ist eine weitere Tour im Herbst schon in Planung. „Uns sitzt weder die Bank noch eine Plattenfirma im Nacken“, sagt Krahl: „Aber solange die Blutwerte noch stimmen, machen wir weiter.“

          City spielt am Sonntag, 21. Mai, von 19 Uhr an im Capitol in Offenbach

          Quelle: F.A.Z.

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