25.11.2005 · Mit seinem neuen Album „Mighty Rearranger“ im Koffer befindet sich Robert Plant auf Mini-Tour durch Deutschland. Bei „Whole Lotta Love“ ging es zum Auftakt in der Frankfurter Jahrhunderthalle fast zu wie einst bei Led Zeppelin.
Als abwechslungsreichen Trip durch verschiedenste Musikstile und Länder haben rund 2.500 Fans den Auftakt zur Mini-Deutschlandtour von Robert Plant gefeiert. Der frühere Frontmann der Rockband Led Zeppelin ließ am Donnerstag abend in der fast ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle mit seiner anderthalbstündigen Show keine Wünsche offen.
Zwar verleugnete der eigenwillige Musiker nicht sein in den vergangenen Jahren gewachsenes Faible für Weltmusik. Über weite Strecken bestimmte aber der energiegeladene Rock im Stil von Led Zeppelin den Abend, teilweise wurde auch das eine mit dem anderen kombiniert. Neben Stücken seiner alten Erfolgsband und Solomaterial überraschte Plant mit Cover-Versionen, etwa dem Jimi Hendrix- Klassiker „Hey Joe“.
Mit teilweise sexuell eindeutigen Texten...
Seine 1968 in London gegründete einstige Formation schrieb in den siebziger Jahren Rockgeschichte. Sie gilt bis heute als eine der erfolgreichsten und einflußreichsten Bands überhaupt. Mit ihrer Musikmischung aus Rock, Blues und experimentellen Sounds, teilweise sexuell eindeutigen Texten und entsprechenden provozierenden Bühnenshows sorgten Led Zeppelin einst für Aufsehen. Obwohl sie sich den allgemeinen geltenden Spielregeln des Musikgeschäfts verweigerten, verkauften sie ähnlich viele Platten wie etwa die Beatles oder Michael Jackson.
Das Ende der Band wurde durch den tragischen Tod des Schlagzeugers John Bonham nach einer Alkohol- und Drogenorgie im September 1980 eingeleitet. Seither hat Robert Plant verschiedene Soloprojekte veröffentlicht. Er hat dabei immer wieder mit seinem einstigen Partner Jimmy Page sowie mit schillernden Persönlichkeiten zusammengearbeitet und mit diversen Musikstilen experimentiert.
Mit seinem jüngsten Album „Mighty Rearranger“ knüpfte Plant stilistisch wieder an Led Zeppelin-Zeiten an. In Frankfurt gelang es dem 57jährigen, einerseits eine Zeitreise in die Vergangenheit anzutreten und sich andererseits aber auch auf der Höhe der heutigen Zeit zu präsentieren. Plants typische blonde Lockenpracht hatte sich nicht verändert, als er auf der räucherstäbchen-geschwängerten Bühne ans Mikro trat. Unverwechselbar sind weiter seine Stimme und die beschwörenden Posen.
...und Wildheit trotz fortgeschrittenen Alters
Plant agierte als Zeremonienmeister, der mit witzigen Ansagen die Stimmung zusätzlich anheizte. Dabei ließ er den jungen Musikern seiner neuen Band The Strange Sensation bei bis zu zehnminütigen Stücken genügend Raum, ihr Können zu demonstrieren. Bei aller Wildheit waren die Musiker perfekt aufeinander abgestimmt. Das Programm und die Stücke selbst steckten voller Überraschungen. Führte die Reise eben noch nach Afrika, ging es wenig später nach Spanien. Ließ man eben noch zu sphärisch-meditativen Klängen seinen Gedanken freien Lauf, wurde man aus diesen von einer Sekunde auf die andere mit rockigen Ausbrüchen gerissen.
Höhepunkt des Abends war die letzte Zugabe: Bei „Whole Lotta Love“, dem größten Hit von Plants Ur-Band, ging es auf der Bühne und im Zuschauerraum fast zu wie einst bei Led Zeppelin. Nur ein paar neue Zutaten erinnerten daran, daß man sich im Jahr 2005 befand: Die Musiker bauten afrikanische Trommeln und Gesänge in den Song ein. Die Fans - darunter auch sehr junge Besucher - machten rege Gebrauch von ihren Fotohandys und Digitalkameras.
„Besser als das Original 1980“, rief nach der Show begeistert ein Konzertbesucher, der schon vor 25 Jahren beim damals als „epochal“ bewerteten letzten Auftritt von Led Zeppelin in der Frankfurter Festhalle dabei war.