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Rihanna Fleischgewordener Videoclip

26.11.2007 ·  Vom naiven Nachwuchs über das nette Mädchen von nebenan zum Luder: Rihanna hat ihr Image von Platte zu Platte verändert. Beim Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle saß jede Geste und jeder Ton gnadenlos perfekt.

Von Michael Köhler
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Licht aus! Vorhang hoch! Fotohandys an! Die definitive Hauptgewinnerin des „Wer wird die nächste Beyoncé Knowles?“- Wettbewerbs entsteigt dichten Trockeneisschwaden per Hydrauliklift. Zu den erstaunlich rockigen Klängen ihres Auftaktsongs „Pon De Replay“ schreitet Rihanna lasziv eine Showtreppe herab, knapp verpackt in Bustier, Rüschenrock und schenkelhohe Stiefel aus schwarzem Latex, wie sie gern auch Damen mit der Berufsbezeichnung Domina als Uniform tragen.

Hysterisches Verzücken bei den überwiegend jugendlichen Fans. Verblüffte bis entgeisterte Gesichter bei den im hinteren Bereich der Frankfurter Jahrhunderthalle wartenden Eltern. Ein fleischgewordener Videoclip bemächtigt sich ihrer unschuldigen Sprösslinge, komplett entseelt, obwohl die mädchenhaft hauchende Stimme doch eigentlich Seele verheißt.

Charmantes Understatement

Nur wenige Male wird die erst 19 Jahre alte exotische Schönheit aus Barbados ihre Garderobe wechseln. Dabei in den 80 Konzertminuten leidenschaftlich mit Accessoires wie einer rosaroten Federboa, schwarzer Lederpeitsche oder weißem Regenschirm hantieren. Dabei die kaffeebraune Haut immer ein Stückchen mehr entblößen. Ein Klacks, verglichen mit dem Textilterror, den extravagante Diven wie Christina Aguilera, Nelly Furtado oder Gwen Stefani betreiben. Selbst Altrocker Rod Stewart führte kürzlich in der Festhalle weit mehr Designer-Outfits vor. Die neue Pop-Ikone der iTunes-Generation hält charmant mit Understatement dagegen. Ein sympathischer Zug. Statt mit verschwenderischem Luxus möchte sie lieber mit Fleiß, Ausdauer, Talent und Können überzeugen.

Fleischgewordener Videoclip: Rihanna in Frankfurt

In der kurzen Spanne von nur zwei Jahren hat Rihanna drei Alben veröffentlicht, die sie auszugsweise präsentiert. Eigenwerbung muss schließlich sein. Mit jeder neuen Produktion hat sie sich gehäutet: Vom naiven Nachwuchs über das nette Mädchen von nebenan wurde sie zum Luder. „Good Girl, Gone Bad“ betitelt sich eindeutig das aktuelle Werk.

Bahn frei

Mittlerweile kann sich die von Produzent Evan Rogers und Label-Chef Jay-Z geförderte R’n’B-Nymphe solch verruchte Eskapaden erlauben: zum einen, weil sich jedes Album, jede Single ohnehin wie geschnitten Brot verkauft und die Trophäenflut in den vergangenen Monaten fast schon peinlich wurde, zum anderen, weil die Dauerverlobte von Jay-Z, Beyoncé Knowles, das Fach wechseln und in Nashville ein klassisches Country-Album aufnehmen möchte. Freie Bahn also, um endgültig in deren Fußstapfen zu treten.

In ihrer ersten eigenen Bühnenshow bewegt sich Robyn Rihanna Fenty so professionell, wie es von einer Medienfigur erwartet wird. Mit sechs Musikern und einem gemischten Tänzerquartett bleibt garantiert nichts dem Zufall überlassen. Jeder Schritt, jede Geste, jeder Ton sitzt gnadenlos perfekt, wie es das amerikanische Gesetz des Entertainments vorschreibt. Auf der Strecke bleiben bei einer so opulenten Inszenierung Gefühl, Originalität und der Mensch hinter der glamourösen Fassade. Auch wenn als Ruhepausen gedachte Balladen wie „Hate That I Love You“ und „Unfaithful“ in sentimentaler Melancholie gern ein anderes Bild vermitteln möchten.

Um gar nicht erst stilistisch festgelegt zu werden, präsentiert sich Rihanna als musikalisch überparteilich. Sie soult, swingt und groovt, rockt aber auch ungewohnt hart, um ja keine der derzeitig gängigen Konsumenten-Zielgruppen außer Acht zu lassen. Das breite Spektrum gefällt. Selbst dann, wenn ihr eher begrenzter Stimmumfang vom scheppernden Bombast schlicht überwältigt wird. Schließlich fand ihre künstlerische Weihe nicht wie bei einer Aretha Franklin, Whitney Houston oder Alicia Keyes in der örtlichen Kirche statt, sondern orientierte sich vor allem an Bob Marleys hypnotischen Reggae-Rhythmen. Recht patent interpretiert Rihanna im Andenken an den 1981 verstorbenen Meister dessen Hymne „Is This Love“. Einer von wenigen Lichtblicken in einem oberflächlichen Spektakel.

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