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Rheingau Musik Festival „Wirtschaftskrise nicht gespürt“

29.01.2010 ·  Mit 7,1 Millionen Euro verfügt das Rheingau Musik Festival 2010 über den größten Etat seiner Geschichte, die 1987 mit der Gründung eines kleinen Vereins begann. Eine Besonderheit ist die Aufführung der Peking-Oper „Die Nachtigall“ im Zoo-Palais.

Von Guido Holze
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Mit 7,1 Millionen Euro verfügt das Rheingau Musik Festival 2010 über den größten Etat seiner Geschichte, die 1987 mit der Gründung eines kleinen Vereins begann. Mit 153 Veranstaltungen an 42 Spielstätten im Rheingau und im Rhein-Main-Gebiet von Ende Juni bis Ende August erreicht das je zur Hälfte aus Sponsorengeldern und Kartenverkauf, mit einem Anteil von 0,4 Prozent aber nur marginal mit öffentlichen Mitteln finanzierte Festival auch vom Umfang einen Wert außerhalb der gewohnten Marge von 140 bis 150 Konzerten. Zur Verfügung stehen dafür 125.000 Eintrittskarten.

Die Wirtschaftskrise habe das Festival auch im Vorjahr glücklicherweise „nicht gespürt“ und kaum Sponsoren verloren, sagte Festivalchef Michael Herrmann gestern, als er das Programm vorstellte. Sogar Opel bleibe, trotz der bekannten Schwierigkeiten, dem Festival als Auto-Sponsor weiterhin treu. Die Auslastung der Veranstaltungen habe 2009 gleichbleibend gut bei 94 Prozent gelegen.

Zyklus der Sinfonien Gustav Mahlers

Das hr-Sinfonieorchester eröffnet das Festival, nach alter Tradition, im Kloster Eberbach: Es setzt unter der Leitung von Chefdirigent Paavo Järvi am 26. und 27.  Juni mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks den Zyklus der Sinfonien Gustav Mahlers mit der Sinfonie Nr. 2 c-Moll fort. Das Frankfurter Orchester soll mit Järvi im Wiesbadener Kurhaus am 8. und 9. Juli zwei weitere Höhepunkte setzen: Mit der Solistin Anne-Sophie Mutter erklingen das Violinkonzert von Mendelssohn und das von Beethoven.

Im Abschlusskonzert in der Basilika von Kloster Eberbach ist am 28. August mit dem Philharmonischen Orchester und Chor aus Brno eine Rarität zu hören: das Oratorium „Marie-Magdeleine“ von Jules Massenet. Zuvor gibt es viele weitere gewichtige Chorwerke: etwa Beethovens „Missa Solemnis“ unter Leitung von Enoch zu Guttenberg, „Ein deutsches Requiem“ von Brahms, Bachs h-Moll-Messe und Mozarts „Krönungsmesse“. Zu Schumanns 200. Geburtsjahr – neben dem Chopins ein Themenschwerpunkt im Programm – erklingt das Oratorium „Das Paradies und die Peri“.

Zu den großen Orchesterkonzerten gehören die Abende mit dem Orchester des Mariinskij-Theaters und Mahlers Sinfonie Nr. 9 unter Leitung von Valerij Gergiev, mit dem City of Birmingham Orchestra unter Andris Nelsons oder dem Sydney Symphony Orchestra unter Vladimir Ashkenazy. Außerdem kommen das Orchestre Philharmonique de Monte Carlo mit Yakov Kreizberg und das Orchestre National de Strasbourg mit Marc Albrecht. Bekannte Solisten in Orchesterkonzerten sind unter anderen der Bariton Thomas Hampson, die Pianistin Hélène Grimaud und die Violinistin Arabella Steinbacher.

Veranstaltungen für Kinder

Im Zentrum des Komponistenporträts steht diesmal die Finnin Kaija Saariaho mit Konzerten am 22. und 23. Juli. Daneben gibt es zahlreiche Kammermusik-, Lieder- und Klavierabende mit renommierten Interpreten überwiegend auf Schloss Johannisberg, Konzerte mit Nachwuchskünstlern und Veranstaltungen für Kinder, musikalisch-literarische Abende oder Konzerte mit Alter Musik, Jazz und gehobener Unterhaltungsmusik.

Eine Besonderheit ist die Aufführung der Peking-Oper „Die Nachtigall“ am 31.  Juli im Palais des Frankfurter Zoos, die erstaunlicherweise ein Deutscher ganz im traditionellen Stil geschrieben hat: Der Dresdner Komponist Karsten Gundermann studierte in den neunziger Jahren an der „National Academy of Chinese Theatre Art“ und brachte als Ergebnis 1993 in Peking sein Stück mit großem Erfolg zur Uraufführung. Es zählt dort seither zum Repertoire und basiert auf einem Märchen von Hans Christian Andersen. 2001 war es erstmals in Deutschland zu sehen. Neu gestaltet wurden der Internetauftritt des Festivals und die Programmbroschüre.

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