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Preisverleihung im Mousonturm : Lichter Filmfest endet mit Film- und Kritikerpreisen

Die Macher des Lichter Filmfest Frankfurt International: Johanna Süß und Gregor Maria Schubert Bild: Philipp Kohler

Am Sonntag endete die zehnte Auflage des Lichter Filmfest Frankfurt International. Direktor Schubert zog eine positive Bilanz des deutlich erweiterten Jubiläumsfestivals.

          Rund 10.000 Besucher hat das zehnte Lichter Filmfest Frankfurt International gezählt, das am Sonntag mit der Preisverleihung im Mousonturm zu Ende gegangen ist. Peter Rippl bekommt für seine Dokumentation „A Gravame – das Stahlwerk, der Tod, Maria und die Mütter von Tamburi“ den Preis als bester regionaler Langfilm des 10. Lichter Filmfests Frankfurt International. Die Jury aus den Regisseuren Pepe Danquart und Mischka Popp sowie den Schauspielern Numan Acar und Reza Brojerdi lobte die Aktualität des Films in Zeiten prekärer Lebensverhältnisse im Süden Europas.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Den internationalen Spielfilmpreis zum Festivalthema „Wahrheit“ hat am letzten Festivaltag „I am not Madame Bovary“ von Feng Xiaogang erhalten. Der Film sei „ein starkes Plädoyer für die Resistenz eines Einzelnen gegen die bürokratische Politik-Maschinerie Chinas und damit nicht nur in seiner ästhetischen Herangehensweise radikal, sondern auch ein subversives Meisterwerk“, so die Begründung der Spielfilm-Jury aus Regisseur Niko Apel, ZDF-Redakteurin Nicole Baum, Theaterregisseurin Betty Berr und Bühnenbildner Rainer Wothe. Beide Preise sind mit je 2000 Euro dotiert.

          Mehr als 100 Lang- und Kurzfilme gezeigt

          Den Preis für den besten regionalen Kurzfilm erhielten Sebastian Binder und Fred Schirmer für den Dokumentarfilm „Über Druck“, ihnen wurden 1000 Euro und Seminargutscheine zugesprochen, den mit 2000 Euro dotierten Publikumspreis erhielt die Dokumentation „Ghostland“ von  Simon Stadler und Catenia Lermer, die namibische Buschleute bei einer Reise nach Frankfurt begleitet haben. Festivaldirektor Gregor Maria Schubert zog eine positive Bilanz des deutlich erweiterten Jubiläumsfestivals, das belege, dass Frankfurt „der richtige Ort für ein großes internationales Filmfestival“ sei. Die stellvertretende Direktorin Johanna Süß hob besonders die Reihe Zukunft deutscher Film hervor, mit der Lichter erstmals versucht hatte, herausragende Regietalente des deutschen Films zu präsentieren.

          Insgesamt hatte das Festival mehr als 100 Lang- und Kurzfilme in Frankfurt und der Region gezeigt. Erstmals hatte es auch eine Virtual-Reality-Sektion mit Wettbewerb gegeben. Gewonnen hatte den Wettbewerb der französische Beitrag „Sergeant James“ von Alexandre Perez. Auch der Kritikerblog, ein Workshop des Lichter Filmfests für Studenten der Hessischen Film- und Medienakademie mit den Filmkritikern Bert Rebhandl und Toby Ashraf, hat einen Beitrag zu Virtual Reality als beste Kritik gekürt. Zu finden ist der Gewinnertext „Back to life, back to reality“ von Julia Pirzer untenstehend. Alle weiteren Besprechungen finden sich auf der Internetseite des Blogs unter www.kritikerblog.com.

          Back to life, back to reality: Virtual Reality Storytelling

          von Julia Pirzer

          Etwa ein Jahr ist es her, dass das Foto von Mark Zuckerberg auf der Samsung Pressekonferenz zu den Ocolus Rift-Brillen um die Welt ging und einen intensiven Diskurs um Virtual Reality-Brillen lostrat. Das Foto zeigt Zuckerberg wie er grinsend und vor allem unbemerkt an einer Horde nichtsahnender Journalisten vorbeiläuft, die in eine andere Realität vertieft sind, abgeschirmt von VR-Brillen und Kopfhörern. Nun ist der Tag gekommen, an dem ich selbst meine erste Virtual Reality-Experience mache. Ich bin der ganzen Sache aus einer technikkritischen Haltung heraus skeptisch gegenüber eingestellt. Hinzu kommt, dass David Cronenbergs eXistenZ für mich eine intensive und nachhaltige Filmerfahrung war, die mir nun in Anbetracht des anstehenden Tests nicht aus dem Kopf geht. Um dies verständlich zu machen zwei Dinge:

          1. In eXistenZ wird eine revolutionäre Spielmethode getestet, bei der die Hardware ähnlich wie in MATRIX per Port an den Körper angeschlossen wird und der Spieler sich mittels dieses Port gefühlt vollkommen in eine andere Realität begibt. Dort hat er 360 Grad Rundumblick, kann sich bewegen, fühlen, Dinge anfassen und kommunizieren. Die Spielematrix mit ihren vielfältigen Handlungsoptionen und die eigentliche, echte Realität sind kaum voneinander zu unterscheiden, und das macht den Reiz und gleichzeitig die Gefahr aus.

          2. Schaut eXistenZ!
          Die VR-Erfahrung mache ich im Rahmen eines Filmfestivals – die kinematographische Perspektive ist also allgegenwärtig. Ich nehme bei einem Pressescreening im Rahmen des LICHTER Filmfest Frankfurt International Platz in einem Kinosaal, und zum ersten mal ist es irrelevant, inwiefern ich meinen Platz nach der Ausrichtung zur Leinwand wähle. Einzig der richtige Abstand zum Sitznachbarn zählt, damit man sich bei potenziellen Bewegungen nicht in die Quere kommt. Schon deshalb ist das Gefühl, das mich vereinnahmt surreal und aufregend. Werde ich so sehr in eine andere Welt versetzt, dass ich alles um mich herum vergesse?

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